Gerettete Spechtküken an Wärmflasche.
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Gerettete Spechtküken an Wärmflasche.

Tierschutz

Drei Spechte beschäftigen Behörden in Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Wer fällte im Stadtforst einen Baum samt Bruthöhle und ließ die drei hilflosen Küken im Stich? Ermittlungen laufen, Naturschützer sind erbost.

Bäume umhauen und einfach liegenlassen, inklusive einer Spechthöhle mit drei Küken drin, das ist nicht die feine Art. Untere Naturschutzbehörde und Grünflächenamt haben deswegen nun Ermittlungen aufgenommen.

Der Fall sorgte im Mai für Aufsehen: Beim abendlichen Spaziergang im Frankfurter Süden entdeckte Familie Hahn gefällte Bäume sowie Tick, Trick und Track, wie sie die drei kleinen Buntspechte spontan nannte. Sie befreite die Vögelchen mit großem persönlichen Einsatz aus ihrer misslichen Lage und brachte sie in die Wildtierstation nach Dreieich. Anschließend fragte sich die Familie: Wer fällt denn in der Brutzeit Bäume? Wieso kümmert sich niemand um die Jungvögel? Und warum unterhält Frankfurt eigentlich keine eigene Anlaufstelle, in der man Wildtiere in Not abgeben kann?

Auch der Naturschutzbund (Nabu) macht sich Gedanken – sogar weit entfernt von Frankfurt. Aus dem sächsischen Bischofswerda meldete sich der örtliche Nabu-Vorsitzende Wolfgang Oldorf bei der FR und nannte die Fällung „absolut illegal“. Selbst wenn ein Baum zur Wegesicherung abgesägt werden müsse, sei das kein Grund, den Naturschutz außer Kraft zu setzen. Oldorf nahm Kontakt zu den Frankfurter Behörden auf. „Der schlechte Gesamtzustand unserer Umwelt geht genau auf solch frevelhaftes Verhalten zurück“, wettert er: „Egal ob Insekten, Vögel oder Säugetiere – viel Leben wird idiotischen Vorschriften oder Gedankenlosigkeit geopfert.“ Im Stadtforst, so Oldorf, müsse man es eigentlich besser wissen.

Ermittlungen laufen

Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), bestätigt, dass Ermittlungen laufen. „Normalerweise muss ein Antrag auf Baumfällung gestellt werden“, sagt er. „In diesem Fall wiegt besonders schwer, dass Tiere zu Schaden gekommen sind.“ Geprüft werde, wer die Bäume gefällt hat und ob ein akuter Fall von Verkehrssicherungspflicht vorlag. Hintergrund: Droht ein Baum umzustürzen, gibt es die Möglichkeit, ihn zum Schutz der Passanten zu fällen – oder den Bereich für Passanten zu sperren, etwa dann, wenn im Baum gebrütet wird.

Das Grünflächenamt als zuständige Behörde für den Stadtforst äußerte sich am Donnerstag betroffen und versprach, den Fall eingehend zu prüfen.

Eine behördliche Institution zur Tierrettung gibt es laut Volker Rothenburger übrigens bewusst nicht. „Das sieht das Gesetz nicht vor“, sagt er. Vielmehr gelte es als natürlicher Weg, Wildtiere sich selbst zu überlassen. „So hart es klingt – der Gesetzgeber sagt, auch Tiere haben das Recht zu sterben.“ Privatpersonen hätten ihrerseits das Recht, Tiere zu retten, aber sie müssten den Fund streng geschützter Arten der UNB melden. „Wenn beispielsweise ein Biber angefahren und verletzt wurde, müssen wir entscheiden, was mit ihm passiert.“

Tick, Trick und Track sind übrigens inzwischen ins Tierheim am Offenbacher Waldzoo umgezogen und putzmunter. „Richtige Spechte sind das schon“, freut sich Retter Thomas Hahn. Bald kehren sie zurück in den Wald.

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