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Immer Kohldampf im Hause Storch. Mahlzeit in Harheim.

Störche in Harheim

Drei Richtige für die Störche in Harheim

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Das Harheimer Küken-Trio macht sich prächtig. Seit 2016 haben die lange vermissten Rotschnäbel nun jedes Jahr Nachwuchs produziert.

Die uralte Frage, wer zuerst da war, Henne oder Ei – in Frankfurt lässt sie sich ganz leicht beantworten. Mit riesengroßem Vorsprung als Erster zur Stelle: der Storch.

Beziehungsweise: die Störche. Anfang März kamen sie überpünktlich aus dem Urlaub nach Harheim zurück, und wenn nicht alles täuscht, legten sie erst nach der Ankunft ihre Eier. Ansonsten wäre dies wohl der allererste (und überaus sensationelle) Fall, in dem die Eier ganz allein den Störchen aus Afrika oder Südeuropa vorausgeflogen wären, um hier ungeduldig auf sie zu warten.

Wie auch immer: Seit Anfang Mai sind aus den zunächst nur vermuteten, inzwischen bewiesenen Eiern drei kleine Störche geschlüpft. Die Verrenkungen von Mama und Papa Storch (sprich: Fütterverhalten) legten das nahe; man kann ja als herkömmlicher Mensch mit einem Hals von weniger als acht Metern Länge nicht gut in ein Storchennest schauen. Aber schon bald darauf gab es Beweise: „Es sind drei!“, berichtete Yukiko Kaneko.

Die Harheimerin ist Lesern der Frankfurter Rundschau seit Jahren bekannt als Storchenbotin – als die Frau, die stets zuerst weiß, was es Neues gibt in Frankfurts einzigem bewohnten Storchennest. In diesem Jahr hat sie es aber auf die Spitze getrieben: Erst entschuldigte sie sich im Februar dafür, dass sie nun beruflich nach Nürnberg pendelt und folglich nur noch sporadisch an einzelnen Wochenenden nach den Rotschnäbeln schauen kann. Nur um dann doch bei jedem neuen Harheimer Storchenereignis die Erste zu sein, die es registriert und weitermeldet. „Es könnte sogar ein viertes Junges geben (allerdings mit großem Fragezeichen)“, berichtete sie zwischenzeitlich, „aber wie im letzten Jahr kann es wohl nicht überleben.“ Fotos postet sie regelmäßig in ihrem Blog unter der Adresse https://blogs.yahoo.co.jp/fuerstenkrone (mit japanischen Texten).

Respekt. Nicht nur für Yukiko Kaneko, sondern auch für die Familie Storch. Unglaublich, in welchem Tempo die Kleinen gewachsen sind. Noch kürzlich nahm man auf der Erde, wo wir Menschen sind, drei winzige Schnäbelchen wahr, die nach Essen hinauf zum Lieferservice Storch & Co. pickten – und jetzt sitzen da drei stattliche junge Kerlchen und machen erste Flügelgymnastikübungen. Da muss ja auch genug Futter herangeschafft werden für die hungrigen Kinder. So viel, dass beide Eltern inzwischen auf die Jagd gehen und die drei Jungen phasenweise allein lassen. (Bitte nicht irgendwelchen gemeinen Nesträubern weitererzählen!) Aber während unten das Unbehagen angesichts kreisender Greifvögel am Himmel wächst, sind meist schon majestätisch Mama oder Papa im Anflug, schwingen sich ins Familiendomizil und würgen dem hungrigen Trio was Schmackhaftes hervor.

Dass es einmal wieder so weit kommen würde, konnte sich bis vor wenigen Jahren niemand vorstellen. Seit 2012 stellte man im Frankfurter Norden eifrig Nistgelegenheiten auf, wie interessierte Froschfresser auch in der FR lesen konnten, aber erst 2016 bekam dann tatsächlich das erste Storchenpaar des Jahrtausends wieder Nachwuchs in Frankfurt, nach 48 Jahren ohne Adebar.

Hundebesitzer, lasst die Leinen dran

Und seitdem ist in jedem Frühjahr verlässlich in Harheim eine kleine Familie entstanden. Die Staatliche Vogelschutzwarte erwartet, dass es so bleiben wird, dass bald sogar weitere Plätze in Frankfurt von Störchen bewohnt werden. Einen wachsenden Siedlungsdruck auf Frankfurt hat die Leiterin der Warte, Dagmar Stiefel, festgestellt. Und da ist ausnahmsweise nicht von britischen Investmentbankern die Rede, sondern von Weißstörchen. Herzlich willkommen.

Nicht willkommen sind nach wie vor freilaufende Hunde, wie sich langsam herumgesprochen (und -gebellt) haben sollte, auch ohne dass die Stadt im Frühjahr eine Pressekonferenz dazu veranstaltet. Es geht ja nicht nur um Familie Klapperstorch, die nahrungssuchend durch die Wiesen stakst – da brüten auch andere Gefiederte und freuen sich nicht besonders über Besuch. Also: Leinen nicht los. Leinen dran.

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