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Johannes Boss ist Drehbuchautor und Regisseur, er lebt in Berlin.
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Johannes Boss ist Drehbuchautor und Regisseur, er lebt in Berlin.

TV-Serien in Frankfurt

Drehbuchautor Johannes Boss: „Frankfurt hat Urbanität“

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Der Berliner Drehbuchautor Johannes Boss findet Frankfurt als Drehort toll. Denn die Stadt biete visuelle Möglichkeiten, die es in Berlin und an anderen Orten nicht gäbe. Seine Serie Deadlines auf ZDF neo erzählt die Geschichte von vier Frauen aus Frankfurt-Goldstein.

Johannes Boss sieht verloren aus in seinem Büro mit den blanken Wänden. Das soll so sein, versichert der 38-Jährige. Das viele Weiß ist Aufforderung, kreativ zu werden. Bald hängen überall Skizzen für Drehbücher, unter anderem für eine Fortsetzung der Serie Deadlines. Wobei noch nicht klar ist, ob es eine zweite Staffel gibt. Wäre schade, wenn nicht. Vier Frauen aus Frankfurt-Goldstein, Mitte, Ende 30, waren einst unzertrennliche Jugendfreundinnen. Im Alltag mit all seinen Deadlines haben sie sich aus den Augen verloren. Als Geschäftsfrau Elif in die Stadt zurückkehrt, lebt die Freundschaft wieder auf. Und damit eine Fülle von bissigen Dialogen, skurrilen Exzessen und kleinen und großen Dramen.

Herr Boss, warum spielt die Serie Deadlines in Frankfurt? Sie leben in Berlin, die Produktionsfirma ist ebenfalls dort, ihre Co-Autorin Nora Gantenbrink ist aus Hamburg.

Frankfurt hat eine Riesen-Chance als Film- und Fernsehstandort zu wachsen. Die Stadt bietet visuelle Möglichkeiten, die es in Berlin und an anderen Orten nicht gibt. Dass man eine Vertikale erzählen kann. Dass man eine Figur irgendwo auf die Parkbank setzen kann und eine Skyline im Hintergrund hat. Frankfurt ist auch in immer mehr Werbespots zu sehen. Man kann Internationalität und Urbanität visuell zeigen. Andere große Städte in Deutschland sehen im Film kleiner und ramschiger aus als sie sind, Frankfurt ist dagegen kleiner als es aussieht. Außerdem hat die Stadt eine toughe Ausstrahlung und ist ein bisschen eine Angeberin, das reizt mich.

Zur Person

Johannes Boss ist Drehbuchautor und Regisseur, er lebt in Berlin. Aufgewachsen ist er in der Rhön, bei Fulda. Boss ist seit Jugendtagen FR-Leser und glühender Eintracht-Fan.

Deadlines auf ZDF neo ist seine erste TV-Serie als gesamtverantwortlicher Showrunner (Drehbuch, Umsetzung, Schnitt, Vermarktung). Zu sehen in der ZDF-Mediathek unter: www.zdf.de/serien/deadlines

Sie kennen Frankfurt aus Kinder- und Jugendtagen …

Ich liebe die Stadt. Das hat schon auch etwas mit kindlicher Projektion zu tun. Ich komme aus einem richtigen Dorf. Als Kind bin ich in Frankfurt im Zoo gewesen, im Stadion. Ich bin dann mit großen Augen durch die Stadt gelaufen und fand das total spannend.

Und das ZDF ist Ihnen gefolgt?

Immer wenn mich jemand fragt, wo eine Geschichte spielen soll, sage ich: kein Berlin. Tatsächlich haben sie das bei ZDF neo auch so empfunden. Sie wollten auch einen Schauplatz, der noch nicht auserzählt ist. Die Oberbaumbrücke in Berlin taucht in jeder zweiten Serie auf. Trotzdem sind die meisten Szenen, die Innenaufnahmen, in Berlin entstanden. Das bietet das Potenzial, mehr von Frankfurt zu erzählen, wenn es eine zweite Staffel gibt, vielleicht mit mehr Folgen.

Beeinflusst die Kulisse denn, was im Drehbuch steht?

Natürlich. Wir haben gleich zu Anfang darüber geredet, was sind Charaktere, die du eher in Frankfurt findest als in Hamburg oder Berlin. Elif etwa ist eine Chaya, eine toughe Kiez-Schwester. Die Darstellerin Jasmin Shakeri verkörpert das glaubhaft. Sie ist aus West-Berlin, aber sie hat diesen leichten migrantischen Zungenschlag, was du bei Leuten aus der Berliner Rapszene hörst. Eine andere Figur ist Jo. Ihr Vater ist schwarzer US-Amerikaner, die Mutter Deutsche. Typisch Frankfurt. Sie ist im Grunde Timmy Chandler.

Das ist ein Eintracht-Spieler, wie viel Frankfurter Fußball steckt noch in der Serie?

Das Kostüm von Jo. In einer Folge trägt sie ein altes Samsung-Trikot aus den glorreichen 90ern. Das hat uns ein Sammler geliehen. Es ist so cool, wenn ein Verein zur Kultur der Stadt dazu gehört und popkulturell spannend ist und Rapper in Musikvideos das Trikot tragen. Das ist etwas, das in Berlin total fehlt. Man würde niemals logischerweise zu Hertha gehen. Das machen nur so ein paar Kfz-Händler aus Spandau.

Haben Sie eine Lieblingsszene, die in der Stadt spielt?

Die wichtigste Szene für das Frankfurt-Gefühl ist sicher die, in der Elif und ihr Jugendfreund durchs Bahnhofsviertel fahren. Das ist auch eine Szene, an der wir die halbe Nacht gedreht haben. Wir waren auf dem Trailer unterwegs, ein Riesengefährt. Und die Leute links und rechts haben alle gerufen: Was macht ihr da? Das Moseleck ist kurz zu sehen. Davon hätte ich gerne viel, viel mehr. Es ist nur sauteuer. So eine Szene kostet so viel wie zwei normale Drehtage. Es geht auch viel Drehzeit verloren, wenn du wieder und wieder um den Block fahren musst. Das muss man sich auch leisten wollen.

Die „Goldstein Girls“ Sarah Bauerett, Llewellyn Reichmann, Jasmin Shakeri und Salka Weber (v. l.) lassen eine Drohne fliegen.

Wie sind Sie denn auf den Stadtteil Goldstein gekommen? Die Frauen sind dort aufgewachsen, nennen sich die Goldstein Girls.

Zunächst ist es nur der Klang des Namens gewesen. Der ist wunderschön für einen Ortsteil. Die Freundschaft zwischen den vieren ist ja ein Schatz, aus Gold gemacht. Du kannst sie nicht zerstören, am Ende kommen sie immer wieder zusammen. Zum ersten Mal habe ich den Namen im Song „Diaspora“ gehört von den Rappern Celo und Abdi. Da fahren sie mit der Tram durch Goldstein. „Goldstein Girls“ klingt halt auch ein bisschen geiler als „Bornheim Girls“.

Goldstein passt aber auch total zur Geschichte. Es ist gleichermaßen urban wie dörflich dort. Wer etwas erleben möchte, muss selbst ausgeflippte Sachen machen oder in die City fahren. Es sind auch viele gesellschaftliche Schichten beieinander.

Wir sind dann hingefahren und waren begeistert. Das ist ein kleiner, relativ durchschnittlicher Stadtteil. Das wollen wir auch haben, der Ort prägt ja. In Berlin-Zehlendorf musst du andere Geschichten erzählen. Alle haben Kohle und müssen sich von ihren Eltern emanzipieren. Oder es spielt in Duisburg-Marxloh und alle müssen erst mal die soziale Leiter ein Stück hochklettern. Und Goldstein nennen die Girls halt das Gemeinschaftsgrab.

Dass die Damen recht häufig Drogen konsumieren, passt das eher zu Frankfurt oder Berlin?

Weder noch, das ist eher Teil ihrer Jugendkultur. Sie sind halt früher Kifferinnen gewesen, haben gerne Rap und R’n’B gehört. Und haben schon immer edgy Dinge und sogenannte Jungs-Sachen gemacht. Das haben sie von Elif, die in der Serie auch ein bisschen älter ist. Sie hat den anderen gezeigt, dass man sich durchsetzen kann und Sachen machen kann, die sonst eher Jungs vorbehalten sind. Es ist das Comeback einer großen Freundschaft, inklusive der Erinnerung an die Jugendzeit. Die vier haben einfach Lust zu leben, auszuflippen, wild zu sein, sich nicht den ganzen Tag selbst zu optimieren und für den Beruf zu leben. Sie sind Mitte 30, machen aber oft Dinge, die sonst 16-Jährige tun.

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