Der Gründer der Dramatischen Bühne, Thorsten Morawietz, nimmt schon mal Platz auf den Mini-Logen.
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Der Gründer der Dramatischen Bühne, Thorsten Morawietz, nimmt schon mal Platz auf den Mini-Logen.

Kultursommer

Dramatische Bühne in Frankfurt startet mit „Faust“ in den Kultursommer

Dramatische Bühne in Frankfurt bietet wieder Aufführungen an. Nach langwieirgen Vorarbeiten können 480 Zuschauer Platz nehmen.

Nach dem Motto „The Show must go on“ (Die Show muss weitergehen) wagt die Dramatische Bühne im Grüneburgpark einen Start in den Kultursommer. Dort, wo beim Freilichtfestival der kleinen Bühne sonst lange Stuhlreihen vor der Bühne standen, gibt es jetzt kreative Doppelsitze. Je zwei Plastikstühle sind per Kabelbinder miteinander verbunden und zentimetergenau auf weiße eingetackerte Flächen eingepasst. Wie Mini-Logen. „Die Stühle nennen wir unser Heiligtum“, sagt Schauspieler und Organisator Sebastian Huther.

Jeweils 1,5 Meter Abstand haben die Mini-Logen voneinander. Mehr als zwei Tage lang hat das Team akkurat weiße Bänder mit Schrauben in der Wiese befestigt, 480 Plätze gibt es rein rechnerisch. „Wir sind nicht päpstlicher als der Papst, aber wir sind die ersten, die wieder größere Vorstellungen nach dem Lockdown anbieten. Sicherheit und Wohlfühlen wollen wir damit bieten“, betont Huther.

Thorsten Morawietz überzeugt sich davon. Er nimmt Platz, betrachtet die Bühne von einem der Logenplätze aus. Der Gründer der Dramatischen Bühne, Schauspieler, Regisseur und Texter nickt wenige Stunden vor der Premiere von „Faust“ zufrieden. Die Bühne ist um wenige Grad gedreht und nach rechts geschoben worden, „damit der Blick auch auf Abstand super ist“. Damit die Schauspieler mehr Platz zum Ausweichen haben, wurde die Bühne vergrößert.

Bühne ist coronakonform

Mehr als sechs Leute spielen in keinem der 15 Stücke gleichzeitig mit und selten sind alle auf der Bühne. „Vier Leute haben einen ganzen Tag lang die Bühne coronakonform so aufgebaut. Und zwar so, dass sich die Bühne nach der Bestuhlung ausrichtet und nicht wie sonst umgekehrt“, erzählt Morawietz, der noch 200 Kladden besorgt hat, damit alle Zuschauer-Daten aufgenommen werden können. Dixi-Toiletten mit Abstandsgittern, Abstandsstriche vorm Einlass auf das Gelände, Desinfektionsmittel und Wegweiser sind penibel verteilt. „Es ist viel Extra-Arbeit, aber wir sind froh, dass wir endlich wieder spielen dürfen“, so der Initiator.

Das Kulturamt und das Gartenbauamt der Stadt seien hilfreich bei der ganzen Vorbereitung gewesen. „Vor sechs Wochen haben wir unser Konzept eingereicht. In einer Zeit, als es noch viel strengere Regeln gab.“ Umgesetzt würden alle. „Und zwar so, dass alle entspannt sein und die Abende genießen können“, ist sich Morawietz sicher.

Die ersten beiden Vorstellungen des Ensembles sind ausverkauft: „Faust“ und „Das Parfum“. Die Karten müssen online gebucht werden, damit keine langen Schlangen entstehen. „So können wir besser kalkulieren. Wir warten ab, wie das Publikum die neuen Regeln aufnimmt. Bisher läuft es gut“, sagt er. An der Abendkasse können Restkarten gekauft werden oder Karten, die nicht abgeholt werden. „So ist ein bisschen Spielraum für alle.“ Die Maskenpflicht für all jene, die gerade nicht auf ihren Plätzen sitzen, wird versüßt. An der langen Theke werden Unikate mit Zertifikaten verkauft aus Original-Kostümstoffen. Hellblau mit rotem Schleifchen aus „Alice im Wunderland“ etwa. Für 20 Euro können Fans die Einzelstücke aufsetzen. Schlichtere Masken gibt es für zehn Euro.

„Auf Würstchen müssen alle erst einmal verzichten“, bedauert Morawietz. „Alles läuft kontaktlos, für Würstchen haben wir noch keine Lösung.“ Dafür gebe es Erdnüsse und Brezeln zum Knabbern. Statt Kaffee und Wein gibt es Bier, Softdrinks und Äppler. „Es darf keine kulturelle Verödung geben wegen Corona“, sind sich Morawietz und Huther einig. Ein bisschen Nervosität spielt mit. „Es fühlt sich seltsam an, wie alles seit Corona“, so Morawietz. „Anfangs wirkten drei Leute auf der Straße seltsam. Jetzt wirken 250 Zuschauer im Freilichttheater seltsam. Auch hinter der Bühne achten wir mehr auf Distanz als sonst. Es kribbelt im Bauch und wir freuen uns. Vor allem deshalb, weil Kultur für alle das Leben schön macht. The Show must go on.“

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