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Drag Queens präsentieren sich auch beim Christopher Street Day.

Drag-Slam

Energie bis in die Plastikhaarspitzen

Beim Drag Slam im Orange Peel präsentieren Drag Queens ihr Talent.

Ein militaristischer Beat wummert aus den Boxen des Clubs „Orange Peel“ im Bahnhofsviertel. Iris Gemini tanzt auf der Bühne in 20 Zentimeter hohen Plateauschuhen. Die Musik wird schneller, Iris rotiert um ihre Achse. Dann schlägt die Musik um. Die Stimme der britischen Sängerin Dua Lipa erfüllt den Raum.

Iris tanzt weiter und bewegt ihre Lippen synchron zum Gesang. Und dann kommt der Moment, auf den das Publikum gewartet hat: Sie schleudert ihren Mantel in die Ecke und enthüllt einen hautengen Bodysuit. Die Zuschauer toben. „Wenn du auf einer Bühne stehst, hast du auf einmal eine enorme Wirkung“, sagt Iris später. Wer zu einer Dragshow gehe, werde richtig aus dem Alltag herausgeholt. „Ich finde, das hat eine ziemlich starke Kraft.“

Iris heißt eigentlich André, ist 19 Jahre alt und kommt aus der Nähe von Stuttgart. Die Inspiration für den Namen seiner Rolle als Drag Queen stamme von einer Skulptur Auguste Rodins mit dem Titel „Iris, die Götterbotin“ sowie dem Lied „Iris“ der Goo Goo Dolls.

Die Serie

Die Autorin Aline Wiederspahn besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe- Universität Frankfurt. Der Beitrag ist im Rahmen eines Journalismus-Kurses entstanden, den FR-Redakteur Florian Leclerc leitet.

Besonders angesprochen habe ihn dabei die Liedzeile: And I don’t want the world to see me, cause I don’t think that they’d understand. („Ich will nicht, dass die Welt mich sieht, weil ich nicht glaube, dass sie es versteht“).

Auf der Bühne des Orange Peel stand Iris zum ersten Mal im Februar. Damals gewann sie den Drag Slam, eine queere Version des Poetry Slams. Unter den Darbietungen sieht man oft ein traditionelles Hand- beziehungsweise Mundwerk der Queens, den Lip Sync. Sprich: Sie bewegen ihre Lippen synchron zur Playbackmusik und untermalen ihren Auftritt mit Tanz und Mimik. Aber sie singen auch selbst geschriebene Lieder, spielen Szenen aus Musikvideos nach oder geben Zaubertricks zum Besten. Langhaarperücken, bunte Kleider, hohe Schuhe, grelle Schminke gehören auch dazu.

Der Ausbruch des Coronavirus stellte die Veranstalter vor eine große Herausforderung. Im Mai begann zunächst ein Online-Drag-Slam, der über Instagram stattfand. „Aufgrund der Vorschriften war erst mal nichts anderes möglich“, sagt Jan Schmidt, „aber wir wollten den Künstlerinnen wieder die Möglichkeit geben, mit größerer Reichweite aufzutreten.“

N ach den Lockerungen der Hygienevorschriften konnten die Queens ab Juni wieder durchstarten, diesmal im Hotel Moxy Frankfurt East. Tickets gab es nicht nur für die Veranstaltung im Moxy, sondern auch für einen Livestream. Kameras zeichneten die Darbietungen der KünstlerInnen auf und übertrugen sie mitsamt der glitzernden Atmosphäre in die Wohnzimmer des Publikums. Damit auch alle Zuschauer ein Mitspracherecht bei der Siegerwahl hatten, fand die Abstimmung online statt. Jeder Zuschauer bekam zwei Stimmen, die er auf der Website des Drag Slams abgeben konnte.

Der erste Drag Slam mit Livestream sei ein voller Erfolg für die Queens gewesen, berichtet Veranstalter Jan Schmidt: „Es gab viele positive Stimmen, über die wir uns natürlich sehr gefreut haben.“

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