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Mariefé Mielchen und Bootz Matron (Mitte) moderieren. 

Praunheim

Frankfurt: Menschenrechte im Mittelpunkt in Praunheim

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Die Liebigschule an der Kollwitzstraße lädt zur Themenwoche ein. Am Dienstag diskutiert das Podium über den Rechtsruck in Europa. Die AfD ist nicht eingeladen.

Wir sind damit aufgewachsen, dass Menschrechte etwas ganz Normales sind“, sagt Mariefé Mielchen. Aber die 18-Jährige ahnt, dass eigentlich das Gegenteil der Fall ist. „Wir sind vielleicht die zweite Generation, die die Wende gar nicht mehr erlebt hat“, sagt sie. Das Ende des ostdeutschen Überwachungsstaats.

Zum zwölften Mal organisiert die Liebigschule in Westhausen rund um den Tag der Menschenrechte (10. Dezember) eine Themenwoche. Es gibt ein Speed-Dating mit Politikern, Filme, Vorträge, eine Talkrunde mit Michel Friedmann, Workshops mit der Bildungsstätte Anne Frank. „Da müsste es doch vorangehen mit den Menschenrechten“, wundert sich Schulleiterin Sabine Brieske. Doch auch sie sagt: Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Thema der Podiumsdiskussion am Dienstag ist der Rechtsruck in Europa. Immerhin schielen Rechte darauf, Grundrechte zu beschneiden. Mielchen moderiert, zusammen mit dem 17-jährigen Bootz Matron.

Das Podium ist prominent besetzt. „Verlieren wir die politische Mitte?“, fragt Matron in die Runde. Günter Burkhardt von Pro Asyl will die gar nicht haben. Wenn sich alle Parteien in der Mitte drängen, gäbe es keine Auseinandersetzung mehr mit den Sachthemen. „Wir brauchen viel mehr inhaltlichen Streit“, fordert er. Jan Schalauske (Linke) und Michael Rubin (FDP) setzen das auf dem Podium vorbildlich um. In Europa sind soziale Rechte über Jahre ausgehöhlt worden, kritisiert Schalauske. Auch daran seien die Rechten erstarkt. Eine starke Wirtschaft fördere aber die Mitte, nicht die Rechten findet der FDP-Mann.

Es entspinnt sich eine engagierte Diskussion. Es geht um Extremismus und Exitstrategien nach Auslandseinsätzen der Bundeswehr, um die Türkei und Syrien, um Menschenrechte und rechte Menschen. Die Moderatoren, immerhin noch Teenager, halten sich wacker zwischen den Polit-Profis.

„Ich war früher schüchtern“, verrät Mielchen im Vorgespräch. Sie habe lieber im Hintergrund organisiert. Dieses Jahr steht vor dem Abitur, ihre letzte Chance zu moderieren hat sie ergriffen. Besonders schüchtern wirkt sie auf dem Podium nicht. Die Diskutanten sind aber auch gesittet, melden sich artig per Fingerzeig.

Verena David (CDU) ist aufgefallen, dass die AfD nicht eingeladen ist. Besagte Partei stelle die anderen vor die Frage: „Diskutiert man mit ihnen?“ Oder will man den zuweilen kruden Theorien keine Bühne bieten, wie Schalauske findet. Die Grenze sei, wenn „rassistische oder menschenfeindliche Standpunkte geäußert werden“, sagt David. Das sieht auch SPD-Urgestein Gernot Grumbach so. „Wer zum Bruch von Menschenrechten aufruft, ist eine Gefahr für die Gesellschaft.“

Eindrucksvoll ist nicht nur die Debatte. Auch das Auditorium. Alle hören zu. Keiner stört, keiner ruft dazwischen. Selbst als die Debatte bis in die große Pause überzieht, regt sich kein Protest.

„Es ist wichtig, dass so etwas diskutiert wird“, lobt ein Schüler. So wichtig, dass die Themenwoche längst „fester Bestandteil unseres Schulprogramms ist“, wie Schulleiterin Brieske sagt. Nicht einmal das Feuer am Samstag hat das ändern können. Der Ipi-Bau hat gebrannt, nach Ursachen forscht die Polizei. „Wir lassen uns von widrigen Umständen nicht stoppen“, sagt Brieske.

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