Stelzenläufer und Anekdoten. Der Zirkus Zarakali hat einen bunten Geburtstag gefeiert. Foto: Christoph Boeckheler
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Stelzenläufer und Anekdoten. Der Zirkus Zarakali hat einen bunten Geburtstag gefeiert. 

Frankfurt-Dornbusch

Zarakali im Dornbusch feiert 20jähriges

  • vonSabrina Butz
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Der Kinder- und Jugendzirkus schaut zurück, möchte aber auch künftig gut aufgestellt sein. Zum Beispiel, die Ölheizung abschalten.

Mit Pferdekopf und Lichterketten locken zwei beeindruckend kostümierte Stelzentänzer in eine bunte Zirkuswelt – der Kinder- und Jugendzirkus Zarakali hat am Freitag nicht nur das neue Jahr gefeiert, sondern auch 20jähriges. Geboten werden Rückblicke, eine kleine Zirkusshow und Ausblicke in die Zukunft – alles im großen Zirkuszelt in der Platenstraße, inmitten der bunten Zirkuswaggons, wo sich täglich junge Artistinnen und Artisten ans Trapez hängen, in Clownerie üben oder mit Keulen jonglieren.

Der Andrang ist groß: Artistenkinder und ihre Eltern, Unterstützer und langjährige oder zukünftige Zarakali-Fans wollen mit Geburtstag feiern. Die ersten Worte spricht Ralph Förg, ehemaliger Geschäftsführer des Filmhauses Frankfurt und selbst lange für Jugendkultur tätig: „Euch gebührt ein riesen Applaus – ihr seid die Besten!“ Zarakali mache das Leben „poetischer und magischer“, denn am eigenen Körper könnten Staunen, Selbstbestimmung und Freiheit gelernt werden. Was Förg dem Zirkus zukünftig wünsche, sei vor allem Planungssicherheit – und auch durch die anschließende Rückschau zieht sich die Suche nach finanzieller Sicherheit.

Zirkus, Zirkus

Der Kinderzirkuslogiert mit seiner Anlage an der Platenstraße 79z (Dornbusch). Freitags zwischen 16 und 18 Uhr gibt es ein offenes, kostenfreies Training für Kinder ab sechs Jahren.

Infozum Training und allen anderen Angeboten unter Telefon 56 80 79 11 www.zarakali.de. 

Zu den wichtigsten Stationen kommen Beteiligte auf die Bühne und stellen pantomimisch ihre Arbeit dar – es wird gebuddelt, gestemmt, unterstützt, improvisiert und viel gelacht. Begonnen mit einer „besonderen Vision“ hat das Zarakali-Team vor 20 Jahren, „einen Raum für sinnliche Erfahrung, spielerisches Lernen und soziale Integration“ zu schaffen, sagt Zirkuspädagogin Nadja Menke. Kleine Workshops in Nied und an der Weseler Werft waren es zunächst. Mit verschiedener finanzieller und planerischer Unterstützung konnte das erste Zelt gebaut und der Zirkus immer professioneller werden, außerdem begann ein Austauschprojekt mit dem „Anfiteatro Cortijano“ in Santiago de Chile.

Mitbegründerin Jasmin Wendnagel erzählt, wie die verschiedenen Trainingsgruppen erweitert wurden, bald gab es zusätzlich zur Artistik auch Clownerie, Capoeira, Zirkusmusik und Zaubertanzen – sowie das Training mit gehandicapten Menschen. Die Leiterinnen arbeiteten mit an der Gründung der Bundesvereinigung Zirkuspädagogik. Zwei feste Arbeitsstellen wurden eingeführt und das Jugendensemble gegründet, damit die Kinder auch als Jugendliche weitertrainieren konnten.

Die Devise sei, immer in Bewegung zu bleiben, sich zu entwickeln, „zu hinterfragen, anregen zu lassen, gegenseitig zuzuhören und zu achten“ – das sei auch für die Allgemeinheit wichtig. Denn auch wenn viele derzeitige gesellschaftliche Veränderungen „Besorgnis erregen und eine klare Haltung dagegen erfordern“, sei die weltweite Jugendbewegung gegen die Zerstörung der Natur „lebensbejahend und ermutigend“, so Wendnagel.

In Zukunft möchte man klimaneutral arbeiten. Die jetzige Situation, das Zelt unter seiner sechs Millimeter dicken Plane sechs Monate im Jahr mit Heizöl zu heizen, sei „absurd und schon lange nicht mehr tragbar“, sagt Menke.

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