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Keine Atempause: Die Fahrrad-Aktivisten bei der Versammlung im Saalbau Dornbusch.  

Radentscheid in Frankfurt

Befürworter des Radentscheids in Frankfurt  kämpfen weiter

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Die Befürworter des Radentscheids haben Infos zur Radnetzplanung in Frankfurt vorgestellt. 

Wo ein Wille ist, ist noch lange kein sicherer Fahrradweg. Das haben die Befürworter des Radentscheids unlängst bitter erfahren müssen. Deshalb schoben am Sonntagmittag die etwa 500 Teilnehmer der Radentscheid-Demo unter dem Motto „So schnell geht uns die Luft nicht aus!“ ihre Räder vorerst durch die Innenstadt. Außerdem ist eine Radnetzplanung für Frankfurt vorgestellt worden.

Groß sei die Enttäuschung in der vergangenen Woche darüber gewesen, dass der Magistrat den Radentscheid wegen der Finanzierbarkeit als voraussichtlich unzulässig erklären möchte, sagt Heiko Nickel von der Initiative bei einer Infoveranstaltung. Dazu sind am Samstagnachmittag rund 70 Zuhörer in den Saalbau Dornbusch gekommen. „Auch das haben wir nur aus der Presse erfahren. In den ganzen sechs Monaten haben wir noch nicht eine schriftliche Rückmeldung erhalten. Dabei wären wir sogar bereit, einen Finanzplan vorzulegen.“ 

Gleichgültigkeit - trotz 40.000 Unterschriften 

Es sei fast beängstigend, findet ein anderes Mitglied, dass das Bürgerbegehren trotz 40.000 gesammelter Unterschriften von Befürwortern auf so viel Gleichgültigkeit in der Politik stoße. Trotzdem habe man große Hoffnung in das Treffen mit Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), das voraussichtlich in der kommenden Woche stattfinde und endlich Klarheit verspreche.

Von Verdruss ist nichts zu spüren bei der Infoveranstaltung. Nur unterbrochen vom Fachsimpeln über Fahrradtypen und Technik flitzen die Vertreter der Bewegung vor Beginn durch den Raum, prüfen Präsentationen und Mikrofone. Sie wirken gut organisiert, als solle – jetzt erst recht – Gas gegeben werden. Denn bestenfalls kann mit der Europawahl am 26. Mai auch dafür gestimmt werden: breite Radwege, Fahrradtrassen und Sicherheit an den Kreuzungen. „Nach dem Vorbild von Kopenhagen“, schwärmt der Mediziner Norbert Szep. „Dort kann man auf einer breiten Fahrradstraße nebeneinander radeln, sich unterhalten. Und wenn es jemand eilig hat, kann er problemlos überholen“, erzählt der Mitgründer den neu dazu gestoßenen Fahrradfreunden, wie im vergangenen April alles seinen Anfang nahm. 

Radfahrer auf dem roten Teppich  

Auch Katharina Knacker aus dem Team Action ist zuversichtlich. „Als die Neuigkeiten zur Haltung des Magistrats öffentlich wurden, haben trotzdem wir in allen Medien das Bild geliefert: Fahrradfahrer auf dem roten Teppich, geschützt durch eine Abgrenzung aus Pflanzen und Kuscheltieren“, freut sie sich über den Erfolg der jüngsten Aktion. „Das ist plakativ, bringt unsere Intention genau auf den Punkt und diese medienwirksame Strategie wollen wir weiterfahren.“

Stillstand habe es keinen gegeben, sagt Heiko Nickel. „Dass der Radentscheid in der Vergangenheit etwas aus der Öffentlichkeit verschwunden ist, hat daran gelegen, dass wir intern an einem konkreten Konzept für ein fahrradfreundliches Frankfurt gearbeitet haben.“ Denn im Planungsteam sind nicht nur Frankfurter Radfahrer, die laut Landschaftsarchitektin Rebecca Faller „jeden Winkel und seine Tücken“ kennen, sondern viele Experten. Mit ihr und Stadtplaner Alexander Breit sind nur ein Teil derer anwesend, die in den vergangenen Monaten ehrenamtlich ein Radnetz entworfen haben. 

Frankfurt ist perfekte Fahrradstadt 

„Als Fahrradstadt eignet sich Frankfurt hervorragend, weil es flach ist und einen kompakten Grundriss hat“, sagt Faller während sie die Radnetzplanung an die Wand wirft. „Für das erste Jahr fordern wir, dass die gefährlichsten Kreuzungen angegangen werden. Für unsere Top 13 sind wir empirisch vorgegangen und haben den Unfallatlas ausgewertet.“ In der Karte ist ein pendlerfreundlicher Anschluss an den Radschnellweg nach Darmstadt sowie Richtung Maintal eingezeichnet. „Es braucht einen City- und einen Main-Schnellweg. Auch zum Schutz der Fußgänger“, findet Faller. Sichere Nebenstraßen sollen bevorzugt an Schulen und Kindergärten geschaffen, der Alleen-Ring ein Alleen-Park werden. Auch wenn eine als Magistrat verkleidete Person am Römer symbolisch einige Luftballons platzen ließ, sind die Visionen des Radentscheids geblieben: mehr Grün, mehr Platz, höhere Sicherheit, schnelleres Ankommen und bessere Gesundheit durch mehr Bewegung.

Bei Aktionen – Aufstellen von Ghost-Bikes, Organisation der „Critical Masses“ – freut sich die Initiative über Unterstützung: www.radentscheid-frankfurt.de/kontakt. Im Detail soll die Radnetzplanung am 28. Februar ab 19 Uhr im Festsaal der Goethe-Universität vorgestellt werden.

Termine

„Velo Frankfurt. Das Fahrradfestival“ heißt es wieder am 15. und 16. Juni. Dann steigt auf dem Gelände der Eissporthalle (Ratsweg) die Radmesse, jeweils von 10 bis 18 Uhr. In den vergangenen Jahren kamen rund 10 000 Besucher zum Parcours. Mehr als 200 Aussteller informieren über Marken, Neuheiten und Trends, es gibt viele Räder zum Ausprobieren und ein buntes Rahmenprogramm. Info und Vorverkauf: https://pretix.eu/velo/2019

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