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Die Schüler pflanzen Bohnen zum Thema Vergänglichkeit gepflanzt.

Dornbusch

Projektwoche im Dornbusch im Angesicht des Todes

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Viertklässler der Heinrich-Seliger-Schule setzen sich mit Krankheit, Leid und Trauer auseinander. Hospizmitarbeiter wollen das Thema enttabuisieren.

Vom Tod ist zunächst nichts zu sehen. Die Junge und Mädchen der Klasse 4b der Heinrich-Seliger-Schule bemalen mit bunten Wachsmalstiften Blumentöpfe. Schmetterlinge, Blumen und Regenbögen zieren nun die braunen Tongefäße. Im Garten der Grundschule im Dornbusch bepflanzen sie ihre Pötte anschließend mit jungen Bohnenstöcken.

Die Viertklässler sind sichtlich ausgelassen. „Das macht viel mehr Spaß als normaler Unterricht“, findet Melisa. Ihre Mitschülerin Hazal nickt zustimmend. Dabei ist das Thema kein einfaches: Es geht um den Tod und das Sterben. Fünf Tage lang beschäftigt sich die Klassengemeinschaft im Rahmen des Projekts „Hospiz macht Schule“ mit Aspekten des Lebens, über die sonst nicht oft gesprochen wird. Mit Krankheit, Leid, Vergänglichkeit und Trauer. Auch Trauerbewältigung und Trost. Angeleitet werden sie von Mitarbeitern des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Frankfurt-Rhein-Main.

Das Konzept kommt von der Bundes-Hospiz-Akademie, die gleichzeitig die Hospizmitarbeiter für das Projekt fortbildet. Mit der Heinrich-Seliger-Schule nimmt zum ersten Mal eine Frankfurter Einrichtung an dem für dritte und vierte Klassen konzipierten Projekt teil. Ganz einfach sei es nicht gewesen, ihr Team davon zu überzeugen, erzählt Schulleiterin Silke Mühl. Viele habe das Thema eher abgeschreckt.

Auch bei Jana Encev war das so. Die Idee, sich intensiv mit dem Sterben auseinander zu setzen habe in ihr Unbehagen ausgelöst, erzählt die Klassenlehrerin der 4b. Dann habe sie das Projekt aber als Chance zur eigenen Überwindung gesehen. „Auch ich lerne hier etwas dazu“, sagt Encev. Darüber freue sie sich, sagt Silke Mühl. Die Rektorin habe es sich zur Aufgabe gesetzt, der gesellschaftlichen Isolierung von kranken und sterbenden Menschen entgegenzuwirken. „Keiner sollte die Erfahrung des Sterbens allein durchleben müssen“, sagt Mühl.

Ihren Schülern möchte sie deshalb den Umgang mit dem Thema erleichtern. Und ihnen Ängste nehmen. „Wir sollten vor sterbenden Menschen nicht zurückschrecken, sondern für sie da sein“, sagt die Schulleiterin. Auch Katrin Winter vom Frankfurter Kinder- und Jugendhospiz versucht, gegen Vorbehalte anzukämpfen. Gemeinsam mit fünf ehrenamtlichen Kollegen führt sie die Schüler der 4b diese Woche beim Malen, Basteln, Spielen und Reden an die sensiblen Inhalte heran.

Bisher sei sie mit Kooperationsanfragen an Frankfurter Grundschulen immer gescheitert. Zuvor habe man bereits mit Schulen in Hanau zusammengearbeitet. „Ich erlebe, dass die meisten Erwachsenen Berührungsängste mit dem Tod haben“, erzählt Winter. Kinder seien aber durchaus in der Lage, offen damit umzugehen. „Ich bin begeistert, wie gut sich die Schüler darauf einlassen“, sagt die Koordinatorin.

Nur ein Teil ihrer Arbeit sei der ambulante Hospizdienst, bei dem sie erkrankte Kinder betreue. Der zweite Schwerpunkt liege auf dem Versuch, das Thema Sterben zu enttabuisieren. Im Klassenraum funktioniere das gut. „Die Kinder beginnen schnell, von ihren privaten Erfahrungen mit dem Tod zu sprechen“, berichtet Winter.

Und sie bringen ein großes Verständnis für die Materie mit. Um das zu fördern, werden die Mitarbeiter vom Kinder- und Jugendhospiz kreativ. „Ein trauernder Mensch ist wie eine entwurzelte Pflanze“, sagt eine Mitarbeiterin und zeigt auf die Bohnenpflanze in ihrer Hand. Leni meldet sich. „Ja, denn sie braucht Zeit, um wieder stark zu werden, genauso wie Menschen, die trauern“, sagt der Viertklässler.

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