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Heinrich-Seliger-Schule ist Pilot-Schule für das Umweltprojekt Flächenbuffet, bei dem Beete angelegt werden, auf denen genau das angepflanzt wird, was es für eine Mahlzeit braucht. Hier die Kinder mit Ökologin Antonia Kiechle.

Dornbusch

Pilotprojekt am Dornbusch: Spaghetti vom Beet

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Die Frankfurter Heinrich-Seliger-Schüler legen einen neuen Schulgarten an: In ein Beet wird genau die Menge Lebensmittel gepflanzt, die für eine Mahlzeit nötig ist. Das Pilotprojekt nennt sich „Flächenbuffet“.

Eine Woche lang buddeln, wässern, bauen, forschen, lernen und Spaß haben – die Grundschulkinder der Klasse 4b der Heinrich-Seliger-Schule legen einen ganz besonderen Schulgarten an: In ein Beet wird genau die Menge Lebensmittel gepflanzt, die für eine Mahlzeit nötig ist. Das Pilotprojekt nennt sich „Flächenbuffet“ und ist als solches das erste in Frankfurt.

Ökologin Antonia Kiechle vom Verein „Umweltlernen in Frankfurt“, die das Projekt initiierte, sagt: „Das ist viel mehr als ein einfacher Schulgarten, hier können die Kinder wirklich die Zusammenhänge von Nachhaltigkeit und Konsum verstehen.“ Ein zehnjähriger Schüler habe gesagt: ,Also wenn wir ein Tier essen, essen wir mit, was das Tier isst!‘ Es gäbe viele Erwachsene, die das noch nicht verstanden hätten.

Lehrerin Jana Encev, die die Garten-AG der Schule in der Mierendorffstraße leitet, freut sich. Das Flächenbuffet zeige anschaulich, wie nachhaltiges Lernen funktioniert. Die Kinder lernten so viel, ohne das Gefühl zu haben, zu lernen. Sie seien einfach begeistert, sich auszupowern. „Und dass sie so jung schon ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit bekommen, finde ich toll.“

Die Kinder gestalten den Prozess von Anfang an mit. Sie haben selbst entschieden, dass in einem Beet die Zutaten für Spaghetti Napoli, also mit vegetarischer Tomatensauce, angebaut werden und im anderen die für Spaghetti Bolognese – statt Fleisch wird das für die Herstellung des Fleisches notwendige Tierfutter gepflanzt. „Spaghetti mögen wir alle“, sagt Meyline. Ihr hat das Anlegen der Beete am meisten Spaß gemacht, „das war ziemlich anstrengend und schwer, die Steine müssen ja auf einer geraden Linie sein“. Hilfe bei der Symmetriearbeit gibt es von Landschaftsgärtner Nils Pelleringhoff.

Die Grundschüler beim Pflanzen ihres besonderen Schulgartens.

Eine andere Gruppe Kinder macht Bodenprobenvergleiche und Qualitätstests. Die neunjährige Fanny erklärt: „Guter Boden kann Wasser speichern und säubern, für besseres Grundwasser.“ Schnell wird deutlich, dass man mit der feuchten Erde auch viel Spaß haben kann. „Jetzt mache ich mir immer meine eigene Knete“, sagt Fanny. Sie ist vom Projekt begeistert: „Ich würde einen unendlichen Daumen hoch machen.“ Ihr Mitschüler Eneas erklärt das Flächenbuffet: „Wir wollen gucken, wie viel Platz man braucht für ein Essen. Für Fleisch etwa braucht man sehr viel Soja, das essen die Tiere.“

Im kommenden Frühling werden die Zutaten für die Mahlzeiten in die neu gebauten Beete gesetzt, bis dahin soll eine Winterbepflanzung den Boden lockern und fruchtbarer machen. Außerdem wird ein sogenanntes Grünes Klassenzimmer neben den Beeten eingerichtet, mit Sitzbänken auf Baumstämmen für Boden-, Pflanzen- und Tierforschungen. Die Kinder bemalen zwei schon bestehende Kübel von außen mit bunten Farben, hier sollen Weiden für Wildbienen entstehen. „Das alles kriegt man so im normalen Unterricht nicht hin“, sagt Schulleiterin Silke Mühl. „Bisher war die Fläche des Schulgartens ein Hundeklo, jetzt nutzen wir sie optimal.“

Nach mehr als zwei Stunden Gartenarbeit, Malerei, Forschung und Tierrettungsaktionen macht sich langsam Hunger breit – die Kinder haben im Eifer ihre Frühstückspause verpasst. Vor dem Essen werden die Hände geschrubbt, dann geht es zurück ins Klassenzimmer.

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