Meron Mendel (rechts) zeigt Finanzminister Thomas Schäfer die Bildungsstätte.
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Meron Mendel (rechts) zeigt Finanzminister Thomas Schäfer die Bildungsstätte.

Diskriminierung

Mehr politische Bildung für Finanzbeamte

Das hessische Finanzministerium und die Bildungsstätte Anne Frank beginnen eine neue Kooperation. Junge Finanzbeamte sollen sich mit Antisemitismus und Diskriminierung beschäftigen.

Das hessische Finanzministerium und die Bildungsstätte Anne Frank wollen in Zukunft bei der politischen Bildung eng zusammenarbeiten. Alle jungen Menschen, die von den hessischen Finanzämtern zu Finanzwirten ausgebildet werden oder an der Hessischen Hochschule für Finanzen und Rechtspflege für eine Tätigkeit im gehobenen Dienst studieren, sollen sich in ganztägigen Workshops mit der Geschichte des Nationalsozialismus, aber auch mit dem Umgang mit Alltagsrassismus, Diskriminierung, Antisemitismus und Homophobie beschäftigen. Für das laufende Jahr sind bereits rund 40 derartige Seminartage geplant, sechs weitere richten sich an Führungskräfte in der Finanzverwaltung des Landes, die ebenfalls weitergebildet werden sollen.

Der Beschluss zu der Kooperation sei eine „wegweisende Entscheidung“, sagte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Montag bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages in der Bildungsstätte Anne Frank am Dornbusch. Die neue Zusammenarbeit stärke die Aus- und Weiterbildung in der hessischen Finanzverwaltung und gebe den Studierenden und Auszubildenden das notwendige Rüstzeug, um mit diskriminierenden Äußerungen im Beruf, aber auch im privaten Bereich umzugehen. Das sei insbesondere in der aktuell herausfordernden gesellschaftlichen Lage wichtig, sagte Schäfer. „Wir freuen uns auf eine lange, fruchtvolle Zusammenarbeit.“

Gefahr für die Demokratie

Das Lernlabor

„Lernlabor“nennt die Bildungsstätte Anne Frank ihre multimediale Dauerausstellung, die im Sommer 2018 eröffnet wurde. Die Schau steht unter dem Motto „Anne Frank – Morgen mehr“ und hat die alte Dauerausstellung ersetzt. Das Lernlabor richtet sich primär an Schulklassen, aber auch an Auszubildende und Erwachsene.

Die Ausstellungthematisiert nicht nur die Geschichte von Anne Frank und ihrem weltberühmten Tagebuch, sondern allgemeiner den Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus. Außerdem geht es um Themen wie Gerechtigkeit, Rassismus, Flucht und Migration. Die Besucher der Ausstellung bekommen ein Tablet, können sich in der Ausstellung frei bewegen und verschiedene Lernstationen aktivieren.

Verschiedene Exponatewurden extra für die Ausstellung konzipiert, etwa der „Körperscanner“, der den Besuchern willkürlich Eigenschaften zuweist und so zeigt, wie es ist, nach Äußerlichkeiten bewertet zu werden.

Meron Mendel, der Direktor der Bildungsstätte, sagte, eigentlich lernten in der Dauerausstellung seiner Einrichtung vor allem Schülerinnen und Schüler, „was die Geschichte für heute heißt“. Sich mit dem aktuellen Rechtsruck und dem zunehmenden Antisemitismus in Deutschland auseinanderzusetzen, sei aber ein Thema für die ganze Gesellschaft. Daher freue er sich, dass das Finanzministerium „eine Führungsrolle übernimmt“, sagte Mendel. Man wolle Auszubildenden, aber auch Führungskräfte „wappnen und fitmachen dafür, mit der Gefahr für unsere Demokratie umzugehen“. Jeglicher Diskriminierung müsse deutlich entgegengetreten werden, „wegen unserer Geschichte, aber auch wegen unserer Gegenwart“, betonte Mendel.

Minister Schäfer sagte, derzeit stelle die hessische Finanzverwaltung etwa 800 neue Auszubildende und Studierende pro Jahr ein. Das Ziel der Kooperation sei, dass alle während ihrer Ausbildung an einem Seminartag bei der Bildungsstätte Anne Frank teilnähmen. Die Workshops sollen in der Regel einen Besuch in der Bildungsstätte in Frankfurt beinhalten, können bei Bedarf aber auch vor Ort in den einzelnen Finanzämtern stattfinden.

Der frühere hessische Finanzminister Karl Starzacher (SPD) sagte, zu seiner aktiven Zeit sei die Rolle der hessischen Finanzverwaltung zur Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet worden. „Damals war schon die Überlegung, dass die Auszubildenden mit dem Thema befasst werden sollten“, erzählte Starzacher.

Er freue sich, dass sein Amtsnachfolger Schäfer jetzt die Initiative ergreife und dem Thema politische Bildung mehr Bedeutung in der Aus- und Weiterbildung gebe. Die Bildungsstätte Anne Frank sei dafür „der richtige Ansprechpartner“.

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