+
Noch regnet es durch die Decke des Zirkuszelts. Demnächst soll ein neues kommen.

Dornbusch

Neues Zelt für Zarakali

  • schließen

Der Kinder- und Jugendzirkus an der Platenstraße bekommt ein zusätzliches Zelt zum Trainieren. Der Zirkus möchte sich für die Identifikation und den Zusammenhalt im Stadtteil einsetzen.

Der Blick zur Decke des dunkelblauen Zirkuszeltes verrät es. Zahlreiche kleine Löcher sind dort neben weißen Sternen, die auf das Zeltinnendach gedruckt sind, zu sehen. „Licht-Sterne“, nennt Jasmin Wendnagel die Löcher beim Neujahrsempfang des Kinder- und Jugendzirkus Zarakali am Freitag. Die 54-Jährige zählt zu den Gründern des pädagogischen Projektes, das sein Gelände in der Platenstraße hat.

Vor 17 Jahren sind die Zarakali-Gründer hierher gezogen, nachdem sie ihr Projekt im Jahr 2000 ins Leben gerufen hatten. Seitdem hält das damals gebraucht gekaufte Zelt. Durch die kleinen Löcher aber regnet es rein. „Deshalb bekommen wir in diesem Jahr eine komplett neue Haut“, sagt Wendnagel. Lange habe der Förderverein Spenden dafür gesammelt.

Und weil wöchentlich insgesamt 350 Kinder bei Zarakali üben, etwa am Trapez, Akrobatik, Clown-Spiel, Seiltanz oder Stelzenlauf, muss noch ein zweites Zelt zum Trainieren her, das hinter dem großen aufgestellt werden soll. Und bei der Gelegenheit werde gleich der Zelt-Boden geebnet. „Im Moment rollt uns ständig alles Runde in den hinteren Teil des Zeltes“, berichtet Wendnagel. Das Programm mit Workshops und Shows der Kinder- und Jugendensembles bleibt trotz des Umbaus bestehen.

Geld braucht der Zirkus nicht nur für den Umbau. Für einen Jugendaustausch mit Santiago de Chile würden noch Spenden benötigt, weil eine Förderung durch den Bund weggefallen sei, berichtet Wendnagel. Ohnehin sei das Geld knapp. „Wir brauchen zwei weitere Stellen, um die Qualität unserer Arbeit aufrecht erhalten zu können, für das, was jetzt schon stattfindet.“ Nur zwei feste Stellen hätten sie bislang zur Verfügung, daneben Unterstützung durch Honorarkräfte und zwei Personen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierten. Viel Arbeitszeit mit den festen Gruppen und dem offenen Zirkustraining werde ehrenamtlich verrichtet.

Zusammenhalt im Stadtteil stärken

Dabei macht sich Jasmin Wendnagel nicht nur Gedanken um ihren Zirkus. Auch der Wandel im Stadtteil beschäftigt sie. Die Entwicklungen mit Bandenkriminalität, Drogenhandel bis hin zu Wohnungsprostitution hätten auch sie als Anwohnerin erlebt oder bei „Präventionstreffen“ am Runden Tisch erzählt bekommen. Fünf Familien leben derzeit in Bauwagen rund um das Zirkuszelt. „Wir kriegen die Lage hier peripher mit.“ Dass beispielsweise auf der Grünfläche nebenan „gedealt“ werde.

Wendnagel hätte einige vorbeugende Ideen, um „die Identifikation und den Zusammenhalt im Stadtteil zu stärken“. Zum Beispiel durch einen Kulturgarten, bei dem Hobby-Gärtner Gemüse ihrer Heimat einpflanzten, das auch in Deutschland wachse. Dazu könnten Rezepte ausgetauscht werden. Eine Kinder- und Jugendfarm stelle sie sich in dem Garten hinter der iranischen Botschaft vor. Zarakali könnte sich mit einem niedrigschwelligen, offenen Trainingsangebot in einem „temporären Zelt im Park“ einbringen, sagt Wendnagel. „Das geht aber nicht ohne mehr Geld.“ Von den Institutionen im Quartier, wie Jugendzentren, werde jedoch erwartet, die Präventivarbeit ohne weitere Finanzmittel zu übernehmen.

Der Kinder- und Jugendzirkus Zarakaliist in der Platenstraße 79z und telefonisch unter 56 80 79 11 sowie im Netz unter www.zarakali.de zu erreichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare