+
Amal Charaf stellt das Schild am Eingang von Zarakali auf.

Dornbusch

Dornbusch: Auf einen Kaffee ins Gata Melata

  • schließen

Amal Charaf betreibt ehrenamtlich ein Nachbarschaftscafé in einem Waggon des Kinderzirkus Zarakali. Die fünffache, alleinerziehende Mutter hat viel vor. Verschiedene Tee- und Kaffeesorten kredenzen, Mittagessen für Lehrer kochen, im Sommer Sitzsäcke und Klappstühle rausstellen und ein großes Fest feiern.

Die Idee kam ihr, als sie die Mütter sah, die jeden Morgen noch lange, nachdem sie die Kinder abgesetzt hatten, an der Schule stehen und reden: Es braucht einen gemütlichen Ort in der Nachbarschaft, wo man günstig Kaffee trinken kann, wo man sitzen kann und sich austauschen. Im August hat Amal Charaf diesen Ort geschaffen – sie ist in den Caféwaggon des Kinderzirkus Zarakali in die Platenstraße gezogen, genannt „Gata Melata“, übersetzt: Die „gescheckte Katze“.

Dreimal die Woche bewirtet die 44-Jährige nun ihre Gäste mit Kaffee- und Teespezialitäten. Alles ehrenamtlich. Die Getränke gibt es für jeweils einen symbolischen Euro oder kostenlos für die, die kein Geld haben – das Café läuft über das Ginnheimer Nachbarschaftsbüro im Programm Aktive Nachbarschaft des Internationalen Bundes.

Vor ihrem Einzug sei das „Gata Melata“ ein Selbstbedienungscafé gewesen und hätte nur freitags geöffnet gehabt. „Wenn ich das hier machen soll, will ich eine gute Kaffeemaschine“, habe Charaf damals gesagt. Die Voraussetzung wurde erfüllt – und so langsam laufe das Café an, die Kaffeemaschine habe sich bewährt.

Viele Gäste kommen aus dem Viertel. Manche kennt Charaf schon von Festen oder anderen Aktionen, die am Dornbusch oder in Ginnheim stattfinden. Andere schauen zufällig vorbei oder eben, wenn sie die Kinder etwa an der Integrativen Schule in der Nachbarschaft absetzen. „Manchmal kommen morgens einfach die Mamas und sagen: Komm, bevor wir putzen, trinken wir noch einen Kaffee.“ Oder eben die Väter.

Charaf liebt ihr kleines Café mit den fünf Holztischchen und bunten Stühlen, der kleinen Küche, der Zirkus-Dekoration und vor allem den verschiedenen – wie sie sagt – „verrücktesten Gästen“. Die Öffnungszeiten seien nicht ganz streng, ab und an bleibe sie länger, wenn Gäste sich noch gut unterhalten, oder gehe früher, wenn ein Termin anstehe und keiner da ist.

Seit die alleinerziehende Mutter mit ihren drei jüngeren Kindern vor etwa einem Jahr nach Ginnheim gezogen ist, arbeitet sie ehrenamtlich für das Nachbarschaftsbüro, hilft bei Festen, kocht, organisiert, redet, baut auf und ab, verteilt Tee.

Ob das nicht alles sehr anstrengend sei? „Nichts ist heftig, das ist alles eine Frage der Einstellung. Ich bin eben aktiv und nehme die Kinder mit, lerne Leute kennen und kriege dazu mein kleines Ehrenamt, das ist super.“

Nebenbei geht sie ins Fitnessstudio und fährt Motorrad. Oder „ich mache daheim die Tür zu, gehe baden und lass ich die Seele baumeln.“ Aktivsein könne man lernen oder gewöhne sich daran: „Ich bin fünffache Mutter – also viel kochen und schnell schnell machen, organisieren für andere, das ist kein Neuland für mich, das eignet man sich an.“

Charaf ist in Höchst groß geworden, hat von ihrem 14. bis zu ihrem 34. Lebensjahr als Fotomodell gearbeitet. Hinzu kamen fünf Kinder, eine Scheidung. Charaf arbeitete in der Gastronomie und an einer Tankstelle. „Ich hab noch tausend Ideen.“ In den kommenden Wochen will sie für die Lehrer gegen Coupons Mittagessen kochen, im Sommer Sitzsäcke und Klappstühle vor dem Waggon aufstellen, ein neues Schild gestalten, vielleicht irgendwann ein eigenes großes Café eröffnen.

Und für kommendes Jahr plant sie ein großes Fest, die Genehmigungen seien durch. Unter dem Motto „Tausendundeine Nacht“ soll es ein buntes Programm geben mit Bauchtanz, Theater, Verkaufsständen, Essen – „und eben unserem leckeren nordafrikanischen Minztee, darauf freue ich mich sehr“.

Das Café Gata Melata  ist Montag, Mittwoch und Freitag, jeweils von 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Wagen befindet sich auf dem Gelände des Kinderzirkus Zarakali, Platenstraße 79z.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare