Meist reicht die Zange, um Müll zu sammeln. Mitunter sind mehrere Hände nötig.
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Meist reicht die Zange, um Müll zu sammeln. Mitunter sind mehrere Hände nötig.

Dornbusch

Dornbusch: Couch und Fernseher in der Wildnis

  • vonSven Beck
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Die Bürgerinitiative sammelt Müll im Sinaipark. Seit 1993 engagiert sich die Gruppe in der grünen Oase - und kann von einigen skurrilen Funden berichten.

Ich glaube, ich mache eine Boutique auf. Strumpfhosen, Socken, Herren- und Damenunterwäsche, alles dabei…“ Eine Frau mit einem vollen Beutel in der Hand stapft aus den Büschen vor dem Sinaipark im Dornbusch. Mit der anderen Hand umgreift sie eine Müllzange: „Eine Spritze war auch dabei. Die steckte schon richtig in der Erde.“ Die Frau ist von der Bürgerinitiative (BI) und hilft mit 20 Freiwilligen, Erwachsenen und Kindern, bei der jährlichen Reinigung der Sinai-Wildnis mit, traditionsgemäß „Frühjahrsputz“ genannt. Um neun Uhr morgens ging es los mit dem Suchen und Sammeln. Kurzwaren und Klinikzubehör sollen nicht die einzigen skurrilen Funde bleiben.

Unterstützt vom Grünflächenamt und der FES fanden die Räumer schon Couchs, Fernseher und Unmengen an Autobatterien. „Es wird etwas weniger“, stellt Anwohnerin Manuela Melchior fest. Dennoch wird der Lkw der am Samstag voll. Auch Bierflaschen sind ein Klassiker, die freie Natur lockt im Sommer Jugendliche: „Denen habe ich einmal Müllsäcke an die Bäume befestigt. Das hat dann tatsächlich funktioniert“, sagt Melchior und lacht.

Die Aktion sei leider notwendig. „Das machen wir schon seit 1993“, erinnert sich Melchior zurück: „Damals haben zwei Frauen, die vor der Wildnis hier ein Grundstück hatten, einfach ein Plakat bemalt und die Nachbarn aufgerufen beim Aufräumen mit anzupacken.“ Manuela Melchior arbeitet, wie alle in der BI, ehrenamtlich. Sie ist Vogelbeauftragte. Der Platz ist dahingehend sehr besonders, nirgendwo sonst ist ein Stück Wildnis, inmitten von hohen Wohnhäusern, in Frankfurt einfach sich selbst überlassen. Das zieht Vögel zum Brüten her, was für die Reiniger bedeutet: Saubermachen, bevor es so weit ist. Doch nicht nur Federvieh kommt. Sogar Füchse verschlägt es in die Wildnis. Nur ein paar hundert Meter weiter die U-Bahn-Station Fritz-Tarnow-Straße, neben einer befahrenen Landstraße und einer Tankstelle.

Die Zahl der Grünflächen in Frankfurt nehmen ab. Im Nordend sollen nördlich des Günthersburgparks Bäume für Wohnungen gefällt werden. Die wachsende Stadt sucht nach Raum zum Bauen. Dabei haben sich nach dem heißen Sommer 2018 die Menschen eigentlich mehr Grünflächen gewünscht: „So etwas wie den Sinaipark und die Wildnis dahinter funktioniert als Lunge der Stadt“, sagt Melchior: „Das brauchen wir natürlich.“ Der Fleck Natur im Dornbusch ist seit Jahrzehnten frei und verwildert: „Einmal wollte die Stadt hier Wege durchbauen. Da waren wir dann als BI zusammen im Ortsbeirat und haben uns dagegen durchgesetzt.“

Die Sinai-Wildnis wird also noch eine Weile bestehen. Geputzt wird wieder nächstes Jahr. Helfer sind immer willkommen.

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