Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die kleine Anni hat die Gedenktafel enthüllt.
+
Die kleine Anni hat die Gedenktafel enthüllt.

Dornbusch

Bronzetafel für Walter Benjamin im Dornbusch

  • Sabrina Butz
    VonSabrina Butz
    schließen

In der Grillparzerstraße, wo der Autor und Philosoph 1923 gelebt hat, erinnert nun eine Plakette an Benjamin. Und an den Onkel seiner Mutter, Arthur Moritz Schoenflies.

Die Idee kam über die alte Eingangstür, die als einziges Überbleibsel der ehemaligen Villa in der Grillparzerstraße heute noch erhalten ist. Als Philipp und Angelika Goedeking erfuhren, dass Walter Benjamin früher regelmäßig durch diese Tür ein- und ausging, wollten sie einen Gedenkort für den berühmten jüdischen Autor und Philosophen schaffen. Gemeinsam mit Heinrich Trosch und dem nebenan wohnenden Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) wurde geplant und recherchiert: Nun erinnert am Zaun vor dem Mehrfamilienhaus eine kleine Bronzetafel an Benjamin und an den Onkel seiner Mutter, Arthur Moritz Schoenflies, den damaligen Besitzer des Hauses.

Zur feierlichen Enthüllung am Freitagnachmittag sind circa 25 Menschen – mit Abstand und Masken – im Dichterviertel versammelt. Wie fast alle Anwesenden sagt auch Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums, dass sie sich erst einmal über Schoenflies informieren musste. Denn obwohl der bedeutende jüdische Mathematiker nicht nur die Frankfurter Universität mitbegründete, sondern 1920 sogar ihr Rektor war, sei er heute kaum bekannt. Walter Benjamin habe 1923 über mehrere Monate in der Grillparzerstraße bei ihm gelebt, den er „Goldonkel“ nannte.

Für Benjamin sei dies eine schwierige Zeit gewesen, weil seine angestrebte geisteswissenschaftliche Karriere stockte und seine Ehe kriselte. In Frankfurt wollte er sich eigentlich habilitieren, aber die eher essayistisch-philosophische Arbeit zum Ursprung des deutschen Trauerspiels habe nicht den Erwartungen der Universität entsprochen und er zog das Gesuch zurück, erklärt Wenzel. Gleichzeitig hätten aber die für Benjamins Leben und Denken wichtigen Freundschaften zu Theodor W. Adorno und Siegfried Kracauer begonnen.

Noch während das Institut für Sozialforschung zum Exil vor dem Nationalsozialismus gezwungen war, schrieb Benjamin Aufsätze und Artikel in dessen Auftrag, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nach der Emigration nach Paris nahm sich Benjamin auf der Flucht vor den Nazis 1940 im spanischen Grenzort Portbou das Leben. Arthur Moritz Schoenflies starb 1928, sein Sohn Albert wurde 1944 in Auschwitz ermordet

Zur Enthüllung der Gedenktafel halten auch Andreas von Schoeler, ehemaliger Frankfurter Oberbürgermeister und Vorsitzender der Freunde des Jüdischen Museums, Nike von Wersebe, Geschäftsführerin der Freunde der Goethe-Universität, und Christina Althen-Brand, Vorsitzende des Dichterviertel-Vereins, kurze Reden. Alle betonen, wie wichtig es sei, sich heute an Benjamin und den eher unbekannten Schoenflies zu erinnern und danken den Goedekings für die Gedenktafel.

Von Julia Bernhard vom Walter-Benjamin-Archiv in Berlin wird ein Grußwort gelesen. Sie habe die Goedekings vorab sehr engagiert und umfassend zu Walter Benjamin und seiner Frankfurter Zeit informiert, erklärt der Initiator.

Vom Originalhaus Schoenflies ist nur noch die Eingangstür da.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare