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Der Tanz mit den Gipsmasken symbolisiert die Uniformität der Gesellschaft.

Dornbusch

Dornbusch: Artistisch die Gesellschaft aufmischen

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Der Kinder- und Jugendzirkus Zarakali beschäftigt sich in seiner neuen Show mit der Suche nach Identität. Die jungen Artisten haben sie selbst konzipiert.

Wer den Kinder- und Jugendzirkus Zarakali an der Platenstraße besucht, tritt durch ein großes, buntes Tor in Form eines Schmetterlings. Dahinter stehen die Zirkuswagen – und natürlich das große Zelt, in dem junge Artistinnen und Artisten täglich am Trapez turnen, mit Reifen tanzen, sich an Tüchern einspannen, mit Keulen jonglieren und auf Einrädern balancieren.

17 Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren des Jugendensembles proben nun für ihre neue Show „einzigArtIch“ – Thema und Programmideen stammen von ihnen selbst. Laut Nadja Menke, die den Zirkus in seiner Mischung aus Akrobatik und Tanztheater vor 19 Jahren mit begründete, seien die meisten schon seit dem Kinderzirkusalter dabei. „Wenn man einmal im Zirkus drin ist, hört man nicht mehr auf“, sagt die 16-jährige Johanna voller Überzeugung.

Die neue „selbstgeformte“ Show, wie Johanna sagt, setzt sich mit dem Thema Identität auseinander. Eine artistische Bearbeitung der „klassischen W-Fragen der jugendlichen Identitätsfindung“, wie Nadja Menke sagt, unter Anleitung des internationalen Trainingpersonals: Wer bin ich? Wie bin ich anders als etwas anderes? Was macht mich einzigartig? Wo komme ich her? Wie gestalte ich meinen Weg?

Die ShowAm Freitag, 20. September,zeigt das Zarakali Jugendensemble um 20 Uhr seine neue Zirkusshow „einzigArtIch“. Weitere Aufführungstermine sind Samstag, 21. September, 18 Uhr, sowie Sonntag, 22. September, 16 Uhr.

Die Zirkusanlage ist an der Platenstraße 79z (Dornbusch). Unter Telefon 94 59 80 01 gibt es Karten für die Show. Freitags zwischen 16 und 18 Uhr bietet der Zirkus ein offenes Training für Kinder ab sechs Jahren. Das Angebot ist kostenfrei. Informationen auf der Website www.zarakali.de. saha

Bei der Durchlaufprobe der Show zeigen die Jugendlichen beispielsweise eine tänzerisch beeindruckende Auseinandersetzung mit der Uniformität von Gesellschaft und der Frage nach dem eigenen Platz darin. Das alles geschieht anhand von Kostümen, weißen Gipsmasken und kleinen roten Accessoires, die sich „wie ein roter Faden“ durch die Show spannten, so Menke.

Die artistische Tuch-Nummer, an dem die Jugendlichen in der Luft hängend turnen, spiele dagegen mit der Idee von Verpuppen und Verstecken. Und die Ring-Akrobatik mit der Frage einer gespaltenen Identität: „Die beiden Seiten sind zweigeteilt, wir spiegeln uns als Gegensätze“, sagt die 17-jährige Lena. Die 17-jährige Emily, die seit acht Jahren im Zirkus turnt, führt eine Soloshow „Kontorsion“ auf – als Schlangenmensch. Ihr gefalle das „offene, vielseitige und freie Thema der Show“. „Wir können ganz unterschiedliche Richtungen einschlagen. Und wären wir nicht so, wie wir sind, wäre die Show nicht so, wie sie ist.“

Auch Mitturnerin Johanna erklärt, es gebe keinen Leistungsdruck: „Jeder macht nach seinen Möglichkeiten mit, es geht um das Zusammenmachen, nicht das Bessermachen.“ Diese Idee sei auch in der integrativen Gruppe des Zirkus sichtbar, wo gemeinsam mit Kindern, die eine sonderpädagogische Förderung benötigen, trainiert wird.

Und Johanna lobt die gegenseitige Unterstützung im Jugendensemble: „Wir sind mittlerweile eine richtig feste Gruppe, einfach auch Freunde.“ Gerade bei der Akrobatik sei es elementar wichtig, den anderen auch wirklich zu vertrauen. Und der Zirkus sei eben auch ein ganz besonderes Hobby, viele Nicht-Akrobatenmenschen könnten das nicht verstehen. „Aber es macht einfach unglaublich Spaß. Und ich brauche das neben dem Schulstress“, sagt die 16-Jährige.

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