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hr2 Kultur als Partner in der Ausstellung „10 Jahre Frankfurt liest ein Buch“.

Rundfunk

„Doppelkopf darf nicht sterben!“

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Protest in der Kulturszene gegen Pläne für Programm hr2-Kultur.

Der Frankfurter Verleger Joachim Unseld hat zuerst „an einen Aprilscherz geglaubt“. Sein Kollege Klaus Schöffling spricht schlicht von einem „Skandal“. Und die Schriftstellerin Eva Demski mahnt: „Wir dürfen die Leuchttürme nicht umhauen.“ In der Kulturszene gibt es harsche Reaktionen auf die Pläne des Hessischen Rundfunks (HR), den Wortanteil beim Radioprogramm hr2-Kultur stark zu reduzieren. Statt dessen soll fast nur noch klassische Musik gesendet werden. Lothar Ruske, einer der wichtigen Literaturveranstalter in Hessen, befürchtet das Schlimmste: „Wenn die Literatur rausfällt, wäre das eine Katastrophe.“

Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) „hofft und erwartet, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seiner Gänze als Partner und Forum auch für diejenigen Kulturthemen und Sendungsformate erhalten bleibt, die von kommerziellen Sendern nicht angeboten werden“. Gerade die regionale Kunst- und Literaturszene brauche den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als „starken Partner zur Erschließung breiter Zielgruppen“.

Bei einer Betriebsversammlung im Hessischen Rundfunk wurde den betroffenen Kolleginnen und Kollegen die grundsätzliche Entscheidung eröffnet. Christoph Hammerschmidt, Leiter der HR-Kommunikation, sagt zum Hintergrund, dass hr2-Kultur gegenwärtig nur noch über 87 000 Hörerinnen und Hörer in Hessen verfüge. Im zurückliegenden Halbjahr sei das ein Minus von 12 000 gewesen. „Es gibt Handlungsbedarf, weil es eine veränderte Nutzungssituation gibt.“ Das Motto der Programmverantwortlichen laute deshalb: „Digital first“.

Die Diskussion, die jetzt losgebrochen ist, kreist um traditionsreiche Sendungsformate bei hr2 wie „Doppelkopf“ oder „Der Tag“. „Doppelkopf“ ist ein Gesprächsformat von knapp einer Stunde, bei dem Personen im Dialog vorgestellt werden. Unter dem Motto „Der Tag“ läuft eine rund einstündige Informationssendung täglich ab 18.05 Uhr.

Über die konkrete Zukunft dieser Formate sei überhaupt noch nicht entschieden, betont HR-Sprecher Hammerschmidt.

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Verleger Unseld appelliert an die HR-Führung, „sich nicht einfach nach der Quote zu richten“. Der Hessische Rundfunk besitze einen „öffentlich-rechtlichen Auftrag“. Unseld fragt empört: „Wie geht ihr mit dem gesprochenen Wort um? Ist es nichts mehr wert?“ Auch Verleger Schöffling argumentiert mit dem „öffentlich-rechtlichen Auftrag des HR, sehr viel Kultur zu senden.“ Er fügt hinzu: „So etwas Tolles wie Doppelkopf darf nicht sterben!“

Sonja Vandenrath, die Literaturbeauftragte der Stadt Frankfurt, betont die Bedeutung von hr2 für die Literaturveranstaltungen der Kommune. „Wir haben sehr profitiert von der Kooperation mit hr2, das ist nicht zu ersetzen.“

Im August nimmt beim Hessischen Rundfunk eine Arbeitsgruppe ihre Tätigkeit auf, die konkret klären soll, wie das Programm von hr2 Kultur in Zukunft aussieht. „Ab April 2020 wollen wir dann in der veränderten Form auf Sendung gehen“, sagt Christoph Hammerschmidt.

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