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Donna Leon auf der Frankfurter Buchmesse: „Ich wollte nie Erfolg haben“

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Von: Kathrin Rosendorff

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Donna Leon ist so lustig, sie sollte ihre eigene TV-Show bekommen.
Donna Leon ist so lustig, sie sollte ihre eigene TV-Show bekommen. © Renate Hoyer

Bestseller-Autorin Donna Leon stellt ihre Autobiografie vor. Dabei amüsiert die 80-Jährige das Publikum diesmal nicht mit einem Kriminalfall, sondern mit Humor und Selbstironie.

Donna Leon sollte eine eigene TV-Show bekommen. Die Lesung der beliebten Krimiautorin während der Frankfurter Buchmesse am Donnerstagabend im Congresscenter erinnert stellenweise an eine Episode aus der Kultcomedyserie „Golden Girls“. Schon als sie von der Moderatorin Shelly Kupferberg vorgestellt wird, streckt die 80-Jährige selbstironisch ihre Arme nach oben, als sei sie eine Flamencotänzerin. Auf die Frage, woher sie denn ihre übersprühende Energie in ihrem Alter nehme, antwortet Leon ganz trocken: „Drugs“. Später wird sie sagen, dass sie einfach das große Glück habe, in ihrem Alter bei bester Gesundheit zu sein. „So dass ich eben auch die Freiheit habe, mich zum Affen zu machen.“

Das vorwiegend weibliche Publikum zwischen 20 und 80, aber auch der Frankfurter „Tatort“-Kommissar Wolfram Koch sind vom ersten Moment an fasziniert und auch amüsiert von ihrer Persönlichkeit. Leon stellt diesmal nicht einen neuen Kriminalfall mit ihrem Protagonisten, dem venezianischen Commissario Brunetti, vor, sondern ihre Autobiografie „Ein Leben in Geschichten“. Und so liest Koch, der in der Nacht noch auf den Feldern in der Wetterau weiterdrehen muss, ein Kapitel auf Deutsch vor.

Leon wächst in New Jersey auf. Als eine Schulfreundin mit italienischen Wurzeln sie fragt, ob sie sie nach Italien begleite, weil es sich damals nicht ziemte, als junge Frau alleine im Ausland zu studieren, zögert Leon nicht lange. Sie geht als „Anstandsdame“ mit und verliebt sich sofort in Land, Leute und Essen. „Ich fühlte mich ein wenig wie Alice im Wunderland. Ich verstand nicht viel, aber ich mochte es.“ Leon hat auch im Iran, in China und Saudi-Arabien gelebt.

Als „das einzige unglückliche Jahr in meinem Leben“ bezeichnet sie ihr Jahr in Saudi-Arabien, wo sie einen Lehrauftrag an der König-Saud-Universität in Riad angenommen hatte. Aus Verzweiflung und Langeweile, weil so gut wie alles verboten war, erfindet sie mit anderen ausländischen Freunden das Brettspiel “$audiopoly“ – ihre Version von Monopoly. Mit Spielkarten wie „Du beantragst die saudische Staatsbürgerschaft. Gehe geradewegs in die Psychiatrie des Abdul-Aziz-Hospitals“.

Donna Leon sagt, dass sie beim Thema Saudi-Arabien bis heute schnell aggressiv werde. Dass es sie ärgere, dass die westlichen Medien es feierten, dass in Saudi-Arabien Frauen jetzt endlich Autofahren dürften. Der Verkehr in Riad sei zudem so gefährlich, dass jede Familie, die sich es leisten könne, Fahrer engagiere. Außerdem sei erst vor kurzem eine Frau zu 34 Jahren Haft verurteilt worden, weil sie in ihren Tweets die Regierung kritisiert habe. „Toll, dann kann sie sich selbst zumindest ins Gefängnis fahren“, kommentiert Leon.

Ihr geliebtes Venedig hat sie nach vielen Jahren verlassen, weil es tagsüber einfach zu viele Menschen dort gebe. „Ich kam mir vor wie ein Footballspieler, der Menschen ausweichen musste.“ Mittlerweile lebt sie in der Schweiz, besucht aber immer noch Venedig. Ihr Tipp: Nach 22 Uhr spazieren gehen, um die „unerhörte“ Schönheit Venedigs auch genießen zu können.

Am Ende betont sie, dass sie als Uni-Professorin nie das Ziel gehabt habe, Schriftstellerin zu werden. „Weder plante ich, noch wollte ich Erfolg. Ich wollte einfach rausfinden, ob ich einen Krimi schreiben könnte.“ Ein Jahr habe ihr erster Fall in der Schublade gelegen, bis jemand ihr sagte, „schick das Manuskript doch bei einem Wettbewerb ein“.

Leon sagt, „und dann habe ich gewonnen“. Die Moderatorin kommentiert, „Shit happens“. Donna Leon ist nicht beleidigt. Sie lacht sich kaputt.

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