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Michael Mittermeier ist derzeit mit seinem neuen Programm „Wild“ unterwegs (hier in Leipzig).

Michael Mittermeier

„Wild“ ist anders

Michael Mittermeier, „Vorkämpfer der deutschen Stand-up-Comedy“, gastiert in Frankfurt und die Jahrhunderthalle ist ausverkauft. Doch was er seinen rund 3000 Fans mit seinem neuen Programm „Wild“ vorsetzt, ist eher das Gegenteil – nämlich lahm.

Von Wolfgang Heininger

Als der wohl bekannteste Oberbayer am Ende die Fäden seiner vorherigen Geschichten zusammenknüpft, da wird es tatsächlich noch einmal witzig, an diesem Freitagabend in der Jahrhunderthalle. Bis dahin plätschert die Aneinanderreihung von Dönekes und persönlichen Erlebnissen bei Auftritten im In- und Ausland oft pointenlos dahin.

Als wollte er den deutschen Comedypreis vom vergangenen Jahr vergessen machen, probiert er sich wieder einmal als Kabarettist, wobei ihm zum drohenden US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump nicht viel mehr einfällt, als dass der ständig mit einem Katzenfell auf dem Kopf – „Haha“ – herumlaufe und in Chicago einen eigenen Hochhausturm besitze, vor dem er, Mittermeier, schon einmal ehrfurchtsvoll gestanden habe.

„Obergrenze für Vollidioten“

Der 49-Jährige ärgert sich über seinen „Landesvater“ Horst Seehofer, dessen Ausfälle allen Bayern kollektiv Hohn und Spott eintrügen. Auch Mittermeier fordert eine Obergrenze, aber nicht wie Seehofer für Flüchtlinge, sondern für „Vollidioten, die Hetze und Hass verbreiten“. Er schlägt vor, die „fünf Millionen ,Bild‘-Leser nach Österreich“ abzuschieben. „Das wäre mal ein Anfang.“ Und zu den Übergriffen vor allem auf Frauen in Köln sagt er: „Steckt doch mal eine Million Deutsche in Lager, was dann innerhalb von kürzester Zeit passiert.“

Das alles ist nicht falsch, aber oft platt, ohne satirische Überhöhung, wie man sie von einem Kabarettisten erwartet. Eine Pointe gelingt ihm selten, etwa wenn er anmerkt, dass das Ausland unsere Waffen offenbar deshalb so gerne kaufe, damit für Deutschland nicht so viele übrig blieben.

Künstlerische Midlife-Krise

Nach vielen Erfolgen in den vergangenen Jahrzehnten scheint Mittermeier in der künstlerischen Midlife Crisis angekommen zu sein. Seine Jugenderfahrungen aus den 70ern nützen ihm bei den Nerds der Jetzt-Zeit nicht mehr viel. Die muss er schon nach den angesagten Computerspielen fragen, beklagt den Selfie-Wahn und dass man kaum noch Freunde, dafür aber um so mehr Follower habe. Mittermeier ist eben schon eine Generation weiter, wie er selbst einräumen muss: „Wenn wir Eltern mal eine sturmfreie Bude haben, dann laden wir uns keine Leute ein ...“

Dann folgen noch so einige Geschichten und Anekdoten, wie man sie in geselliger Runde zur Unterhaltung erzählt. Wie damit große Hallen im gesamten deutschsprachigen Raum zu füllen sind und sich die meisten Zuhörer über das Gebotene begeistert äußern, erstaunt.

Im vorigen Jahrhundert wäre der Comedian schlicht als Conférencier tituliert worden. Mit dem Unterschied, dass zwischen den Ansagen noch Musik oder artistische Darbietungen die Vorstellung aufgewertet hätten. Die hätten auch dem Unterhaltungswert bei Mittermeier nicht geschadet.

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