Römerbriefe

Pearl und Kerry

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Zwei Menschen, die sich betont distanziert begegnen. Das können wir kaum aushalten. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Claus-Jürgen, möchtest du vielleicht ...

Göpfert: Nenn mich bitte „Herr Göpfert“.

Leppert: Aber ...

Göpfert: Wir haben nicht zusammen Schweine gehütet. Ich bin der Herr Göpfert.

Keine Sorge, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Ihre Römerbrief-Schreiber haben sich in Wahrheit total gern. Wir wollten Ihnen nur elegant das Thema der heutigen Kolumne näherbringen. Diesmal schreiben wir über Pearl und Kerry, äh ... Verzeihung: über Frau Hahn und Herrn Reddington.

Frau Hahn ist Abgeordnete der Linken, und man muss sagen: Die 32-Jährige tut ihrer Fraktion gut, weil sie zum einen von ziemlich vielen Themen etwas versteht, und zum anderen energisch auftritt. Nicht so: Man könnte, aber vielleicht auch nicht, eventuell böte sich an ... Nee, knallharte Aussagen: Bei der Ausländerbehörde muss mensch IM FREIEN warten, und das geht GAR NICHT.

Herr Reddington ist US-Amerikaner, stellvertretender Vorsitzender der Kommunalen Ausländervertretung (KAV) und ziemlich umtriebig. Mal kämpft er für mehr öffentliche Toiletten, mal macht er in der „Bild“-Zeitung Wahlkampf für Donald Trump und erzählt freimütig von seiner Fußpflegerin, die ihm die Füße nicht mehr machen wolle, weil er Trump wählt.

Frau Hahn und Herr Reddington würden vermutlich eher nicht zusammen in Urlaub fahren. Aber einmal im Monat treffen sie sich. Frau Hahn sitzt im Rechtsausschuss, und Herr Reddington besucht die Sitzungen für die KAV. Letztens ging es da um die langen Wartezeiten in der Ausländerbehörde, und Frau Hahn sagte SEHR LAUT und SEHR ENERGISCH, dass das mit den Warteschlangen ÜBERHAUPT nicht geht. Derweil redete Herr Reddington Unsinn: von irgendwelchen Shoppingmeilen, die vor Weihnachten auch immer voll seien, und der Führerscheinstelle in Kalifornien, auf der er mal drei Stunden zugebracht habe. Das ärgerte Frau Hahn, und schließlich sagte Herr Reddington: „Also, Pearl, man muss sagen ...“

Das fand die Frau Hahn gar nicht witzig. Stinksauer sagte sie: „Herr Reddington, wir sind nicht befreundet, nennen Sie mich bitte Frau Hahn.“ Puh, das klang einfach nur arrogant.

Aber lassen Sie uns in die Zukunft schauen. Wie finden Frau Hahn und Herr Reddington wieder zusammen? Wie kann es gelingen, dass sie doch noch zu Pearl und Kerry werden? Hier unsere Vorschläge:

1.) Kerry erklärt Pearl in aller Ruhe, wie er folgendes, abstoßendes Zitat („Bild“-Zeitung vom 3.11.2016) gemeint hat: „Trump redet von Frauen und kleinen Pussys. Aber da reden viele Männer drüber!“

2.) Pearl nimmt Kerry mit zur Ausländerbehörde. Nachts um 2 Uhr erzählt er Menschen, die noch sechs Stunden frierend auf Einlass warten müssen, von seinem Führerschein in Kalifornien.

3.) Kerry tritt bei den Linken ein, wird EU-Bürger, kandidiert bei der Kommunalwahl, wird wegen seines fantastischen Einsatzes für Klos auf Platz 1 kumuliert – und tritt diesen generös an Pearl ab.

Danach ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zum gemeinsamen Urlaub.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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