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Die Schriftstellerin Bettina Boerdner im Nordend.

Autoren in Frankfurt

Britta Boerdner stellt neuen Roman vor

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Die Frankfurter Schriftstellerin Britta Boerdner stellt ihren neuen Roman "Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam" vor. Dabei geht es um einen Fremden, der in den Alltag eines Dorfes bei Frankfurt einbricht.

Dieser Frühlingsabend ist noch trügerisch. Die Sonne taucht zunächst die Tische und Stühle vor dem „Strandcafé“ in warmes Licht. Doch als sie sich hinter den Hausdächern des Nordends verkriecht, gewinnt rasch Kühle die Oberhand. Britta Boerdner stört sich daran nicht, sie wärmt sich an einem heißen Tee. Vor der Frankfurter Schriftstellerin liegt ihr zweiter Roman, eine sorgsam beobachtete Chronologie: Ende der 60er Jahre bricht ein Fremder, ein Hippie aus den USA, in den mühsam austarierten Alltag eines kleinen Dorfes bei Frankfurt ein.

„Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam“, so der Titel des Buches, beginnt der schleichende Prozess einer Veränderung. Am Ende haben sich alle gewandelt in Randstetten, auch die 17-jährige Ev, die sich in den Ankömmling verliebt. Wie schon bei ihrem ersten Roman „Was verborgen bleibt“ zeichnet die Autorin detailliert und fein ziseliert Emotionen und sinnliche Erfahrungen nach. „Sie fühlte nichts von dem, was sie fühlen sollte, Erregung, Verlangen, Glück. Stattdessen Neugier und eine Art wohligen Schocks, als sie zum ersten Mal die nackten Beine eines Mannes an ihren eigenen spürte. Die Berührung so druckvoll, dass es schien, als wäre ihr Körper bisher von einer Unschärfe umgeben gewesen, ähnlich den nicht passgenau aufeinanderliegenden Farben mancher Illustriertenfotos.“

Es geht aber um mehr. Die US-Kultur schwappt in die Provinz am Rande Frankfurts, die Musik vor allem. Schon auf den Innenseiten der Buchdeckel reihen sich die Namen der Musikerinnen und Musiker, die auch im Text wieder auftauchen: von Stevie Wonder über Simon & Garfunkel und Crosby, Stills & Nash bis hin zu Big Mama Thornton.

„Die junge Generation weiß heute gar nicht mehr, wie prägend die US-Kultur einmal im Rhein-Main-Gebiet war“, sagt die 55-jährige Boerdner. Die gelernte Buchhändlerin und studierte Amerikanistin wuchs selbst in Gelnhausen auf und erfuhr hautnah, wie stark die US-Soldaten das Städtchen prägten.

„Ich bin ein Landei“, erklärt die Schriftstellerin unumwunden und schwärmt von der „unwahrscheinlichen Anziehungskraft der Landdiskotheken“, in denen man zur US-Rockmusik tanzte.

Doch der Roman erzählt keine Idylle, im Gegenteil. Der Fremde aus Amerika, der da mit seinem VW-Käfer liegenbleibt, stößt in der Dorfgemeinschaft auf teils wütende und aggressive Ablehnung. Und da ist die Geschichte plötzlich ganz in der deutschen Gegenwart angekommen. „Auf dem Land herrscht eine enge und repressive Atmosphäre, in der alles Fremde immer suspekt ist“: So beschreibt es die Autorin.

Von klein auf ist sie von amerikanischer Literatur und Kultur fasziniert, schleppt als Neunjährige aus der kleinen Stadtbibliothek von Gelnhausen schon einen Stapel „Bücher für Ältere“ ab. Liest mit 16 begeistert die Bücher des „Dirty Old Man“ der US-Literatur, Charles Bukowski.

Sie bereist immer wieder die USA. Verliebt sich in große Städte, insbesondere in New York. Sie kennt aber auch die 97 Prozent des Landes, die zwischen den liberalen Kommunen der Ost- und Westküste liegen. Was dort gerade geschehen ist, hat sie nicht überrascht – „aber es wühlt mich auf“. Sie interpretiert die Geschehnisse als soziale Bewegung, als „Aufstand des ungebildeten Amerika, das abgehängt worden ist“. Viele Menschen gerade dort im Mittelwesten besäßen nur verschwommene Vorstellungen über Europa, ja selbst geringe Kenntnisse über ihren eigenen Bundesstaat. „Viele waren noch nie in einer US-Metropole.“

Irrationale Ängste in Deutschland

Sie will zur Zeit nicht in die USA reisen, obwohl sie dort viele Freunde hat. Einen Ausweg aus der Zerrissenheit des Landes sieht sie nicht. „Selbst ein Impeachment würde nicht viel verändern“, eine Anklage also aus dem Kongress gegen US-Präsident Donald Trump.

Doch auch in Deutschland, so warnt sie, „ist die zivilisatorische Oberfläche nur dünn“. Jederzeit könnten „irrationale Ängste“ gegenüber dem Fremden die Oberhand gewinnen. Lässt sich der Rechtspopulismus wieder eindämmen? „Ich wüsste nicht, wie – jedenfalls nicht durch gutes Zureden“, antwortet Boerdner unverblümt.

Sie arbeitet in Frankfurt an ihrem Schreiben – und sieht Fortschritte. „Ich traue mich mehr, ich glaube, ich habe mich verbessert“. Wer das erleben möchte, kann am heutigen Donnerstagabend um 19.30 Uhr in die Buchhandlung „Weltenleser“, Oeder Weg 40, kommen. Dort stellt Britta Boerdner ihren neuen Roman vor, gemeinsam mit ihrem Verleger Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt.

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