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Vom Mainufer dringt manchmal auch Musik von den Partyschiffen nach oben, ansonsten hören Turmbesteiger nur den Verkehr oder Vogelzwitschern.

Domturm

Gott zum Greifen nah

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Mit seinen 66 Metern prägt der Domturm die Frankfurter Skyline. Wer den Aufstieg nicht scheut, bekommt bei einer lehrreichen Führung einen grandiosen Ausblick.

Bevor man überhaupt nur das Innere des Frankfurter Domturms betritt, muss man schon sechs Stufen erklimmen. Ob diese bereits zu den 328 Stufen bis nach oben zählen? Das Sinnieren über diese Frage dauert aber nur kurz. Von hinten drängen bereits die übrigen Turmbesteiger und eigentlich ist es ja auch egal. Diese sechs Stufen machen den Bock auch nicht mehr fett bei dem Aufstieg ganz nach oben. Bevor die Plattform in luftiger Höhe erreicht ist, warten aber noch ein paar Zwischenstationen.

Die Sondertour zum Domturm beginnt ganz harmlos vor dem Gebäude. Hier erzählt Gästeführer Bernhard Eddigehausen die Geschichte des Bauwerks. Der Dom St. Bartholomäus entstand im 14. Jahrhundert. Die sakrale Geschichte des Standorts reicht aber bis zur Zeit der Merowinger zurück, also in die Zeit vor 680. Mit dem Bau des Turms wurde allerdings erst 1415 begonnen. Untrennbar verbunden damit ist der Name Madern Gerthener. Der damalige Stadtbaumeister war seit 1404 am Bau des Doms beteiligt.

Blick gen Himmel: Die Spitze ist noch fast 30 Meter entfernt.

Sein heutiges Aussehen bekam der Domturm erst viel später. Im August 1867 brannte der gesamte Dachstuhl des Gotteshauses. Die Glocken schmolzen, Orgel und Teile der Innenausstattung verbrannten, vier Menschen starben. „Die Preußen waren es nicht“, sagt Gästeführer Eddigehausen. Damals vermuteten die Bürger, dass die preußischen Besatzer den Dom angesteckt hätten. Der wahre Grund war aber ein Feuer in einem Gasthof in der Fahrgasse. Durch den Funkenflug geriet auch der Dom in Brand. Den Wiederaufbau setzte Franz Josef Denzinger aus Würzburg um. Der Dombaumeister orientierte sich an Originalplänen von Madern Gerthener. Der Turm wurde mit Metall gestaltet und bekam die heutige Spitze.

95 Meter misst der Turm vom Boden bis zur Spitze. Die Plattform, auf die die Besucher steigen, liegt immerhin auf 66 Meter Höhe. Doch dafür muss man eben die Treppen hinauf.

Die Stufen winden sich nach rechts immer weiter nach oben. Wer in der Mitte einer Sprosse auftritt, spürt, dass hier schon Aberhunderte Sohlen vorher aufgetreten sein müssen – Vertiefungen im Stein zeugen davon. Wer will, kann sich links am Geländer festhalten oder an der rechten Seite an einem dickeren Seil. In regelmäßigen Abständen erhellen Lampen den Weg. Alle paar Meter gibt es kleine Fenster, die aber keinen guten Blick nach draußen ermöglichen.

Nach gut der Hälfte des Aufstiegs gelangt man in ein Zwischengeschoss. Auf dieser Ebene liegt hinter einer sonst verschlossenen Tür der Dachstuhl und die Glockenstube. Bei der Sonderführung können die Besucher beides besichtigen. Über einen Steg gelangt man tief ins Innere des Dachstuhls. Es ist warm und riecht nach Holz, überall verlaufen Kabel. Ein Großteil der Streben und Halterungen des Dachs ist aus Metall.

Wer über den Steg läuft, sollte auch den Blick nach unten nicht scheuen. An einer Stelle ist der Schlussstein nicht eingesetzt. Dies ermöglicht es, bis auf den Boden der Kirche zu blicken. Bernhard Eddigehausen verrät, dass durch diese Öffnung früher oft Weihrauch oder das Modell einer Taube geschwenkt wurden – Showeffekte für die Gläubigen.

Erst am Ende des Aufstiegs lohnt ein Blick durch die Fenster.

Wieder zurück auf festem Boden geht es durch eine andere Tür zur Gloriosa. Hinter dem Namen verbirgt sich eine zwölf Tonnen schwere Glocke. Gloriosa ist die größte Glocke des Doms, wurde 1877 gegossen und hat einen fast 2,60 Meter großen Durchmesser. Acht weitere Glocken verbergen sich noch in der Kirche, wobei vier der Stadt gehören und mit ihren Schlägen die Uhrzeit verkünden.

Wie auf Stichwort läutet es Schlag viertel vor im Glockenraum über der Gloriosa. Um zur herrlichen Glocke zu kommen, müssen die Besucher eine steile Treppe hinauf. Oben müssen sie sich noch um einen Balken schlängeln, dann sieht man sie in ihrer ganzen Fülle. Da sie im Besitz der Kirche ist, wird sie nur zu besonderen Anlässen geläutet. Beispielsweise, wenn ein hoher Würdenträger den Dom besucht oder zum Stadtgeläut.

Nachdem die Glocke von allen Seiten ausgiebig fotografiert wurde, können die Turmbesteiger weiterziehen – die letzte Etappe wartet. Die Treppenstufen sind mittlerweile etwas breiter und leichter zu erklimmen. Oben weht ein angenehmer Wind. Dort können die Teilnehmer auch die Türmerstube betreten. Deren Geschichte und Funktion wird durch Fotos und Dokumente erzählt.

Dann bleibt noch der Rundumblick über Frankfurt. Überall gibt es bekannte Orte aus ungewöhnlicher Perspektive zu sehen. Im Südwesten das Stadion, den Main mit seinen vielen Brücken und den kleinen Menschen darauf. Oder die Schirn, der Römer und die neue Altstadt, die von oben mit ihren grauen Dächern gar nicht mal so spektakulär aussieht. Oder eben Skyline, Berge und Windkrafträder.

Verlosung

Die FR verlost eine exklusive Domturm-Führung für 20 Personen am 18. Juli. Wer die Stufen erklimmen und einen Blick in die ehemals bewohnte Wohnung im Domturm erhaschen möchte, registriert sich bis Montag, 17. Juli, 10 Uhr, unter https://fr.de/gewinnspiel. Das Losungswort lautet „Domturm“. Wenn Sie nicht alleine teilnehmen wollen, nutzen Sie bitte das Feld „Anmerkungen/Hinweise“ und geben dort an, mit wie vielen Personen sie gerne an der Führung teilnehmen möchten. Nur die Gewinner werden benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. FR

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