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Kontinente auf Augenhöhe: Julia Krause-Harder in der von ihr geschaffenen Welt. Christoph Boeckheler (2)
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Kontinente auf Augenhöhe: Julia Krause-Harder in der von ihr geschaffenen Welt. Christoph Boeckheler (2)

Dommuseum von St. Bartholomäus

Dommuseum Frankfurt: Die Erschaffung der Welt auf 250 Quadratmetern

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Das Frankfurter Dommuseum eröffnet die neue Ausstellung „Création du monde no2.“ und zeigt eine mehr als 250 Quadratmeter große, aus unterschiedlichen Stoffen angefertigte Weltkarte.

Wer hätte gedacht, dass Kanada so irre groß ist? Staunend steht der Besucher davor, freut sich über den kleinen aufgestickten Eisbären. Farblich ist Kanada zurückhaltend – wie passend. Ein leichtes Bleu, gebatikter Stoff, ein bisschen Indigo, viel Weiß. Die USA darunter bilden einen brutalen Kontrast in Schwarz. Kaum Details, die Nummer 68 steht für Football.

Das Frankfurter Dommuseum von St. Bartholomäus eröffnet eine neue Ausstellung: „Création du monde no2.“, die Erschaffung der Welt. Eine mehr als 250 Quadratmeter große, aus unterschiedlichen Stoffen angefertigte Weltkarte. Aber was heißt Karte? Es ist eher ein umgestülpter Globus, der zur Entdeckungsreise über die Kontinente einlädt. Eine besondere Perspektive: Die Besucherinnen und Besucher schauen nicht von oben auf eine Karte, sie stehen in der Mitte und die Welt umgibt sie.

Und noch eine Besonderheit gibt es: Alle Kontinente hängen nebeneinander, strahlend schön und gleichberechtigt, alle miteinander. Außer Australien und die Antarktis, für die war kein Platz.

Julia Krause-Harder, Künstlerin des Ateliers Goldstein, hat drei Jahre an der Textilcollage gearbeitet, genäht, gestrickt, zusammengefügt, bestickt. Sieben Teile sind es, fünf hängen im Kreuzgang. Den Beisatz „no.2“ trägt die Schau, weil sie nach 2019 zum zweiten Mal in Frankfurt zu sehen ist. Beim ersten Mal im Atelier Goldstein war der Raum zu klein, da hing nur Südamerika.

Welt entdecken

Création du monde no.2 von Julia Krause-Harder läuft noch bis 9. Januar 2022, im Dommuseum Frankfurt, Kaiserdom St. Bartholomäus, Domplatz 1. Der Eintritt kostet zwei Euro.

Geöffnet ist Mi., Do., Fr., 10 - 17 Uhr, Sa., So. & feiertags, 11 - 17 Uhr. Bis 31. Oktober laden Künstlerin und Atelier Goldstein sonntags, 16 Uhr, zu Gesprächen ein. Anmeldung: info@dommuseum.de

Im Atelier Goldstein , dem Julia Krause-Harder angehört, arbeiten Künstler mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung. sky

www.dommuseum-frankfurt.de

Im Dommuseum sollte die Weltkarte bereits vergangenes Jahr gastieren, zum ökumenischen Kirchentag. Die Pandemie hat das verschoben. Die Symbolik entfalte sich dennoch, findet Bettina Schmitt, Direktorin des Museums. Nach all den Lockdowns und Einschränkungen öffne die Karte wieder einen Blick auf die Welt. Und das in einem körperlichen Erleben, das ein heimischer Atlas oder das Internet nicht ermöglichen könnten.

„Textil ist ein allgegenwärtiger Werkstoff“, sagt Schmitt. „Nichts kommt unserem Körper näher“, wärmt, schützt oder schmückt. Dazu kommen noch Heimtextilien, Teppiche, Sofakissen. Gardinen, ergänzt die Künstlerin.

Nehmen wir nur Europa. Da findet sich im Norden ein Norwegerpulli, daneben Elch-Applikationen, ein Skifahrer. Deutschland erinnert stark an einen roten Strickpullunder. Frankreich hat eine deutlich schickere Wolle bekommen, außerdem ein Patchwork in Blau-Weiß-Rot. Großbritannien ist erstaunlich ledern.

„Manches ist improvisiert“, sagt die Künstlerin lakonisch. Den Stoff hat die 48-Jährige aus dem Fundus oder aus der Näherei, in der sie ausgebildet wurde. Die Kartenlandschaft hat sie erschaffen, weil sie einfach gerne reist. „Ich will etwas sehen von der Welt“, sagt sie. Ein Jahr ist sie in England auf einem Internat gewesen, auch sonst möchte sie so viel wie möglich unterwegs sein. Noch beim Presserundgang versucht sie, Sven Fritz, einen der Leiter des Ateliers Goldstein, zu einem New-York-Ausflug mit der Gruppe zu überreden. Der würde gerne, sagt er, wisse aber nicht, wie er das finanzieren soll. Vielleicht finden sich ja Sponsoren.

Krause-Harder kommt aus einer reisefreudigen Familie. Der Bruder lebt in Singapur, der Vater war beruflich eine Zeit lang in Tokio, die Mutter, Architektin, in Frankreich. Ein Lieblingsland hat die Künstlerin nicht. Derzeit stehen Italien und die Schweiz hoch im Kurs, wegen des Matterhorns. Der Tschad hat sie lange fasziniert. Ihr geht es nicht alleine um Grenzverläufe, auch die Urgeschichte vieler Länder studiert sie eingehend.

Das passt zu ihrem anderen Kunstprojekt: Plastiken von Dinosaurieren aus allen möglichen Materialien. Der Nannotyrannus aus Latexfolie, Füllwatte und Baumarktmaterial wacht am Entree der aktuellen Schau im Dom.

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