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Stadtführerin Adriane Dolce in Aktion, da bleiben keine Fragen offen.

Porträt der Woche

Stadtführungen: Mit Dolce durch Frankfurt

Für Stadtführerin Adriane Dolce, die Touristen und Einheimischen die schönsten Ecken ihrer Heimatstadt nahebringt, ist jetzt im Sommer wieder Hochsaison.

Gefolgt von einer 25-Personen-Besuchergruppe zieht Adriane Dolce über den Römerberg. Am höchsten Punkt des berühmten Rathausplatzes bleibt sie stehen und dreht sich um. Die Gruppe versammelt sich um die Stadtführerin und folgt ihrem Blick. „Diesen Ausblick zeige ich immer am liebsten. Ich finde, da sieht man wirklich alle Facetten von Frankfurt“, erklärt Dolce.

Die Gruppe schaut mit etwas Abstand auf den Römer, hinter dem noch ein Teil der Paulskirche zu erkennen ist. Dahinter ragt der Commerzbank-Turm hervor – mit 259 Metern das höchste Hochhaus Deutschlands. Etwas weiter links der Eurotower, in dem bis 2014 die Europäische Zentralbank ihren Sitz hatte. Die Gruppe nickt zustimmend. „Ja, das ist Frankfurt“, sagt eine Teilnehmerin. Aber der Rundgang durch die Frankfurter Altstadt, eine von vielen Führungen, die Dolce im Repertoire hat, hat gerade erst begonnen.

Seit knapp 20 Jahren arbeitet Dolce in Frankfurt als Stadtführerin. Die Stadt hält einen ganz besonderen Platz im Herzen der gebürtigen Frankfurterin. Am Anfang begann sie mit vereinzelten Führungen, da sie sich nebenbei noch zu Hause um vier Kinder kümmerte. Je älter die Kinder wurden, umso mehr erweiterte sie ihr Führungsangebot. Mittlerweile führt Dolce täglich Touristen sowie Einheimische durch die Highlights der Mainmetropole – oft sogar mehrmals am Tag. Insbesondere jetzt im Sommer sei sie viel gefragt, sagt Dolce. Die Hochsaison für Stadtführungen habe im Mai begonnen.

Mit einer Mutter aus dem italienischen Friaul und einem Berliner Vater bezeichnet sich Dolce selbst als „richtig europäisches Gemisch. Das passt aber ganz gut nach Frankfurt“, findet sie. Ihr Leben habe sich schon immer zwischen Frankfurt und Italien abgespielt.

Adriane Dolce ist Stadtführerin bei der Frankfurter Tourismus + Congress GmbH. Seit fast 20 Jahren führt die gebürtige Frankfurterin schon Besuchergruppen durch ihre Heimatstadt.

Täglich starten an der Touristen Information am Römer (Römerberg 27) Führungen durch Frankfurt. Tickets und Gutscheine sowie weitere Informationen zu den verschiedenen Stadtführungen gibt es online unter www.frankfurt-tourismus.de. 

„Meine ersten Erinnerungen an Frankfurt sind an den Palmengarten und den Zoo. Da war ich als Kind häufig“, erinnert sich Dolce. Ihre Schulzeit verbrachte sie in Sachsenhausen, ihre Studienzeit in Bornheim. Nach dem Romanistik- und Kunstpädagogikstudium zog es Dolce von Frankfurt nach Turin. Ihren italienisch-stämmigen Ehemann, von dem auch ihr italienischer Nachname kommt, lernte sie in einer Frankfurter Diskothek kennen. Die italienische Sprache spricht die Stadtführerin fließend.

Neben den deutschen Besuchergruppen führt Dolce daher auch vor allem italienische Touristen gerne durch ihre Heimatstadt. Inwiefern sich diese von den deutschen unterscheiden? Die Besucher aus dem Süden seien zwar immer gut drauf, aber auch viel undisziplinierter als die deutschen. „Da dreht man sich auch mal um und die halbe Gruppe ist weg – schnell einen Kaffee trinken“, sagt Dolce. Eins müsse man ihnen allerdings lassen: Sie hätten immer eine charmante Ausrede.

Bei vielen Teilnehmern – ob aus Deutschland oder dem Ausland – treffe Dolce erst einmal auf Skepsis: „Oft ist die Erwartungshaltung vor den Führungen gleich null – die fragen sich: ‚Was will mir die schon zwei Stunden über Frankfurt erzählen?‘ – Da habe ich natürlich ein leichtes Spiel“, so Dolce. Sie sehe darin eine große Chance. Denn in Frankfurt könne man immer etwas zeigen, was die Leute noch nicht kennten, und immer etwas erzählen, was noch keiner wisse. Da seien viele am Ende überrascht, wie viel Frankfurt doch zu bieten habe.

Ganz anders seien da die Frankfurter Teilnehmer, erklärt die Stadtführerin. Die habe sie bei ihren Führungen am liebsten, denn die seien immer besonders interessiert an der eigenen Heimatstadt. „Die Frankfurter sind stolz auf ihre Stadt, wissen aber nicht so richtig, warum. Ich kann ihnen bei einer Führung genau zeigen, was an Frankfurt so besonders ist. Und merke immer wieder, dass ich dabei auf großes Interesse stoße“, sagt sie.

Auch einige Anekdoten haben sich dabei über die Jahre angesammelt. So erzählte ihr bei einer Führung ein pensionierter Frankfurter Feuerwehrmann, warum bei den Luftangriffen des zweiten Weltkriegs das Haus Wertheim als einziges Fachwerkhaus das Feuer in der Altstadt überlebt habe. Angeblich habe es dort früher donnerstags für die Feuerwehrmänner immer Freibier gegeben und so befreiten diese das historische Wirtshaus als erstes aus den Flammen.

Bei der Geschichte muss auch die Besuchergruppe auf ihrer Tour durch die Altstadt schmunzeln. Allzu lange können sie am Haus Wertheim aber nicht stehen bleiben: Für die 90-Minuten-Führung hat Dolce noch viel vor. Die Gruppe setzt sich wieder in Bewegung, diesmal in Richtung der neuen Altstadt.

In den letzten 20 Jahren habe sich in Frankfurt natürlich vieles verändert, sagt Dolce. Für sie als Stadtführerin sei die größte Veränderung die Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt gewesen. Aber eine positive. Im September vergangenen Jahres wurde die neue Altstadt offiziell eröffnet. „Ich kann den Besuchern jetzt viel leichter einen Einblick in die Geschichte Frankfurts geben und bin nicht mehr so sehr auf die Fantasie der Teilnehmer angewiesen“, so Dolce. Ihre Besuchergruppe führt sie erst den Krönungsweg und dann die Gasse „Hinter dem Lämmchen“ entlang auf den Hühnermarkt und dann weiter zur Goldenen Waage. Die Blicke der Besucher bleiben an den bunten Häuserfassaden und beeindruckenden Spolien hängen. Immer wieder bleibt Dolce stehen und erzählt etwas zu der Historie der Gebäude.

Ihr persönliches Highlight auf der Führung durch die Altstadt? „Der archäologische Garten. Den kenne ich wie mein eigenes Kind“, erklärt Dolce. Durch die vielen Führungsgruppen, die sie schon hierher gebracht, und die Fortbildungen, die sie zu dem Thema besucht habe, sei ihr die Ausstellung unter dem Stadthaus immer mehr ans Herz gewachsen.

Um der Teilnehmergruppe auch diesen persönlichen Favoriten zu zeigen, überzieht Dolce die Führung einige Minuten. Eigentlich habe sie der Gruppe auch noch die Braubachstraße zeigen wollen, doch dafür reiche die Zeit nun nicht mehr, so Dolce. „Es tut mir leid, ich bin halt so eine Quasselstribbe“, entschuldigt sie sich mit leichtem Frankfurter Dialekt bei der Gruppe. „Aber es gibt zu dieser Stadt einfach so viel zu sagen.“ Man merkt: Von Frankfurt könnte Dolce den ganzen Tag lang erzählen. Und das auch noch nach 20 Jahren.

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