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DLRG sucht Nachwuchs

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Von: Timur Tinç

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Ausbildungstraining der Rettungsschwimmer. Rolf Oeser
Ausbildungstraining der Rettungsschwimmer. Rolf Oeser © ROLF OESER

Um Leben retten zu können, Rettungsschwimmer natürlich gut schwimmen können. Und: die eigenen Grenzen kennen und die Rettungskette in Gang setzen können.

Ehsan Rezaei, Karl-Heinz Alt und Robert Walecki sind mit weißen Baumwolljacken und weißen Baumwollhosen ins Taucherbecken des Hallenbades Höchst gesprungen. Nur Axel Herrmann darf in Badehose bleiben. Er wird gleich den „Notfallbetroffenen“ mimen, den es zu retten gilt. Erst mit einem sogenannten Achselschleppgriff, dann, indem er sich auf die Schultern von Rezaei und Walecki stützt, die versuchen, so synchron wie möglich zu schwimmen. Beobachtet wird das Ganze am Beckenrand von Rainer Schwebs, Ausbildungsleiter bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Der 56-Jährige lässt die vier Männer, die das Rettungsschwimmerabzeichen in Gold machen, verschiedenste Szenarien durchspielen. Auch mit Bojen, Gurten, einem Brett oder einem Basketball, den man wie einen Rettungsring an einem Seil ins Wasser schmeißen muss, wird geübt.

Im vergangenen Jahr sind in Hessen 19 Menschen ertrunken. Elf davon in Flüssen, sieben in Seen und Teichen, einer im Schwimmbad. „Die Zahlen sind zwar zurückgegangen, unter anderem wegen Corona. Aber sie sind immer noch da“, sagt Schwebs. Gesunken waren zuletzt auch die Zahlen der Rettungsschwimmer:innen, die von der DLRG ausgebildet werden. 2021 waren es zehn. Dieses Jahr sind es immerhin wieder 26. „Ich habe eine Warteliste, die geht bis September“, berichtet Schwebs.

Fehlende Wasserzeiten sind für die DLRG genauso wie für die Schwimmvereine ein Problem. Immerhin hat er mit dem Silobad aushandeln können, dass einmal in der Woche abends eine Bahn für die DLRG zur Verfügung steht.

Kurse

Die Deutsche Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) bietet neben normalen Schwimmkursen auch Rettungsschwimmkurse an, für Kinder ab zehn Jahren. Ab zwölf Jahren kann man das Bronze-Abzeichen bekommen.

In Frankfurt gibt es elf Ortsgruppen: Alle Informationen unter: bez-frankfurt-main.dlrg.de.

Schwebs vergleicht das Rettungsschwimmen mit der Ersten Hilfe. Je mehr Menschen es können, desto besser. Die DLRG hat für dieses Jahr die Kampagne „Weil Schwimmen Leben rettet“ ins Leben gerufen, um mehr Menschen für das Rettungsschwimmen zu gewinnen. Zuletzt sei die Zahl der Aufsichtspersonen in den Bädern zurückgegangen. Er selbst fährt einmal im Jahr für eine Woche an die Küste, um dort als ehrenamtlicher Rettungsschwimmer zu arbeiten. Dafür nimmt er sich eine Woche Urlaub. Auch seine Tätigkeit als Ausbilder ist ehrenamtlich. Seine Rettungsfähigkeiten muss er alle zwei Jahre nachweisen.

Der 68-Jährige Karl-Heinz Alt ist Tauchübungsleiter und Ausbildungshelfer für Rettungsschwimmen-Silber. Wer sich auf die Ausbildung einlasse, sollte es ernsthaft angehen, findet er. Es gebe einige, die es nur wegen des Abzeichens machen und den Sportgedanken im Vordergrund haben. „Wenn ich zum Main runtergehe, muss ich in der Lage sein, die Situation abschätzen zu können, um jemanden gegebenenfalls 'rauszuholen“, sagt Alt.

Ehsan Rezaei hat sein erstes Schwimmabzeichen im Jahr 2014 noch in seinem Heimatland Iran gemacht. „Ich möchte mir einmal in der Woche Zeit für die DLRG nehmen“, sagt der 29-Jährige. Im Iran habe er einmal einen unerfahrenen Schwimmer im Schwimmbad aus dem Wasser gerettet. Er habe den Rettungsring geworfen – allerdings mit Seil. „Dann musste ich doch ins Wasser springen“, erzählt er.

Bei der Ausbildung der Rettungsschwimmer:innen stehen deshalb zwei Dinge im Vordergrund. Zum einen, dass man sich selbst retten kann und seine Grenzen kennt. Und zum anderen, dass man die Rettungskette in die Wege leiten kann. „Wann setze ich den Notruf ab? Springe ich erst rein, rette ihn und bin in Gefahr, oder laufe ich erst 500 Meter weiter zum Telefon und setze einen Notruf ab mit der Gefahr, dass er Wasser schluckt“, zählt Schwebs auf.

Für Robert Walecki war einer der entscheidenden Gründe, den Rettungsschwimmer zu machen, dass er eine Fähigkeit lernt, die nicht nur für ihn, sondern auch für andere einen Mehrwert hat. „Was gibt es Wichtigeres, als jemandem das Leben zu retten?“, fragt der 35-Jährige, der im Studium damit angefangen hat.

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