Wildpinkler

Dixi-Klo und Denkmalschutz

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Der Kampf gegen Wildpinkler führt in Frankfurt zum Grundsatzstreit.

Nach etlichen Treffen und Diskussionsrunden liegen die Nerven aller Beteiligten blank. In Frankfurt ist ein Grundsatzstreit entbrannt: Denkmalschutz einerseits, Abwehr sogenannter Wildpinkler andererseits.

„Wir müssen uns etwas einfallen lassen, es gibt einen großen Bedarf für Toiletten – das riecht man in der ganzen City, nicht nur in der Altstadt“, urteilt Stefan Timpe, Vize-Chef des städtischen Denkmalamtes. Aber insbesondere in der Altstadt zwischen Dom und Römer sind Männer, die nicht an sich halten können, zum Problem geworden. Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) wollte entschlossen gegensteuern. Er plante einen großen Toiletten-Container mitten auf dem Domplatz. Doch diese Rechnung war ohne das städtische Denkmalamt gemacht, dessen Fachleute sich hartnäckig verweigerten.

In Frankfurt existieren derzeit 57 städtische Toilettenanlagen.

Im Römer-Planungsausschuss hat Baudezernent Jan Schneider (CDU) eine weitere große öffentliche Toilette am nördlichen Mainufer, nämlich am Nizza, angekündigt.

In einer Umfrage der Stadt haben Bürgerinnen und Bürger insgesamt mehr als 400 weitere Standorte vorgeschlagen. Sie sollen jetzt, so Schneider, nach und nach auf ihre Eignung untersucht werden. jg 

„Die große Toilette hätte voll im Erscheinungsbild des Doms gestanden, Frankfurts wichtigster Kirche“, argumentiert Denkmalpfleger Timpe. Zehntausende von Touristen fotografierten den Dom: „Eine Toilette im Bildvordergrund ist da keine Visitenkarte für die Stadt Frankfurt “, so Timpe.

Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), fasst die Haltung des Dezernates so zusammen: „Ein Antrag auf denkmalpflegerische Zustimmung hätte keine Chance auf Genehmigung.“

Hektische Aktivitäten hinter den politischen Kulissen waren die Folge. Der große Toiletten-Container wurde wieder abbestellt. Sehr zum Verdruss von Kerry Reddington, der sich seit Jahren für mehr öffentliche Toiletten in der Stadt einsetzt. Der stellvertretende Vorsitzende der Kommunalen Ausländervertretung (KAV) schaltet sich entschlossen in die Debatte ein. Er macht sich für die große Lösung stark. Reddington sagt empört: „Der Planungsdezernent hat mir sein Wort gegeben.“

Doch alles vergeblich. Die große Toilette kommt nicht. Die jetzt gefundene Lösung: Am Bauzaun, der gegenwärtig Frankfurts größte Kirche einhegt, sollen nur drei kleine Dixi-Klos aufgestellt werden. Dem stimmen die Denkmalpfleger zu. „Das Erscheinungsbild des Doms wäre dadurch nicht beeinträchtigt“, urteilt auch Sprecher Gellert. Der Haken an der Sache: Die Dixi-Toiletten sind als „temporäre Lösung“ gedacht, laut Denkmalpfleger Timpe maximal „für acht Wochen“. Er stellt die Frage: „Was ist danach?“

Gellert geht die Sache grundsätzlich an, schließlich ist schon lange geplant, den Domplatz grundsätzlich umzugestalten. Der Autoverkehr soll verbannt werden, der Platz endlich nur den Passanten vorbehalten bleiben. Neue Bäume sind geplant, eine Gedenkplakette im Boden soll an die Bombenangriffe der Alliierten auf die Altstadt, aber auch an die deutsche Kriegsschuld erinnern.

So ist es bereits seit Jahren angekündigt, allein, geschehen ist nichts. Gellert sieht die Umgestaltung des Domplatzes jetzt „ab Ende 2020“. Dann müsse eine endgültige Lösung für eine dauerhafte große Toilettenanlage gefunden sein.

Die Denkmalpfleger wollen weiter für ein ungetrübtes Erscheinungsbild des Frankfurter Doms kämpfen. Konservator Timpe möchte die Toiletten ganz vom Domplatz verbannen: „Es gibt Alternativen – etliche Läden im Umfeld stehen leer.“

Kerry Reddington von der KAV streitet mit Nachdruck weiter für die große Toilettenanlage. Mark Gellert, der Sprecher des Planungsdezernates, hat für die Besucherinnen und Besucher der Altstadt einen Alternativvorschlag parat. Schließlich gebe es im Umfeld des neuen Quartiers „mehrere öffentliche Einrichtungen“, wie zum Beispiel das Historische Museum. Dort könne Frauen und Männern in Not geholfen werden.

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