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Dittmar musste gehen, Vizegeschäftsführerin Jasmin.

Hessen-Süd

Dittmar von Spitze der AWO abberufen

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Der Geschäftsführer des Bezirks Hessen-Süd hat sein Amt verloren, auch weil die AWO-Bundesführung in Berlin mit der dauerhaften Sperrung der Zuschüsse drohte.

Er war als Geschäftsführer des AWO-Bezirks Hessen-Süd verantwortlich für 3500 Beschäftigte. Jetzt ist Ansgar Dittmar von seinem Amt abberufen worden. Der 48-jährige Sozialdemokrat hatte erst am 1. Juni 2019 die Führungsfunktion für Südhessen übernommen.

Als Begründung verwies Erwin Schmidt, Mitglied des Bezirksvorstands, am Sonntag im Gespräch mit der FR auf den AWO-Bundesvorstand in Berlin. Dieser habe deutlich gemacht, dass er Dittmar kein Vertrauen mehr schenke und es keine Bundeszuschüsse mehr gebe, solange Dittmar Geschäftsführer sei, sagte Schmidt, der frühere Bürgermeister von Schöneck. „Der Bezirksvorstand wird in den nächsten Tagen entscheiden, wie es weitergeht“, so der Sozialdemokrat.

Früher war der Rechtsanwalt Dittmar im Frankfurter AWO-Kreisverband auch Vorsitzender des Präsidiums gewesen. Dieses Amt hatte Dittmar bereits am 20. Dezember aufgegeben. Das gesamte Präsidium war damals zurückgetreten, um den Weg für eine „Reorganisation“ der Frankfurter AWO freizumachen, wie es in einer schriftlichen Erklärung hieß. Der Jurist war am Wochenende persönlich nicht zu erreichen, auch vom Büro des AWO-Bezirks Hessen Süd in der Kruppstraße in Frankfurt gab es keinen Kommentar.

Damit besitzt Dittmar bei der Wohlfahrtsorganisation, gegen die von den Staatsanwaltschaften Frankfurt und Wiesbaden ermittelt wird, kein Amt mehr.

Für Dittmar ist es der tiefe Fall eines erfolgreichen Mannes. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht hatte bei der SPD auf Bundesebene Karriere gemacht. Er war acht Jahre lang Vorsitzender der Schwusos in der SPD gewesen, bis er diese Position 2016 auf eigenen Wunsch niedergelegt hatte. Der SPD-Linke hatte damals gegenüber dem SPD-Portal vorwarts.de öffentlich kritisiert, dass die SPD-Bundesführung der CDU zu weit entgegenkomme.

Dittmar hatte dann in Frankfurt im November 2016 versucht, Direktkandidat für den Bundestag zu werden, war aber damals überraschend dem SPD-Ortsvorsteher des Frankfurter Ortsbezirks eins, Oliver Strank, knapp unterlegen. Der Vorstandsvorsitzende des AWO-Bundesverbands, Wolfgang Stadler, hatte bereits im Dezember 2019 den Rücktritt von Dittmar auch als Vorsitzender des AWO-Bezirks Hessen-Süd gefordert.

Dittmar hatte diesen Rückzug damals abgelehnt und erklärt, er selbst wolle den Reformprozess der Wohlfahrtsorganisation einleiten. Der AWO-Bezirk Hessen-Süd hatte ebenfalls im Dezember die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) zur Vorsitzenden einer „Task Force“ berufen, um die Vorwürfe gegen die AWO aufzuklären.

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