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Die Frankfurter Stadtverordnete Jutta Ditfurth hat einen Spendenaufruf gestartet.

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Ditfurths Spendenaufruf ruft geteilte Reaktionen hervor

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    Katja Thorwarth
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Dass die Stadtverordnete Jutta Ditfurth um finanzielle Hilfe für sich bittet, schlägt im Netz hohe Wellen. Manche zeigen sich solidarisch, andere beleidigen sie auf das Schlimmste.

Es sind schlimme Mails, die Jutta Ditfurth in diesen Tagen erhält. Menschen schreiben der Frankfurter Stadtverordneten, sie gehöre abgetrieben, andere fordern sie auf, sich zu prostituieren, und immer wieder liest die Journalistin und Politikerin der Wählergruppierung Ökolinx, sie möge an „Corona verrecken“.

Zu dem Hate Storm gegen Ditfurth kam es, nachdem die Politikerin und Publizistin auf Twitter um finanzielle Hilfe gebeten und ihre Kontonummer öffentlich gemacht hatte. Sie schaffe es nicht ohne Unterstützung, schrieb die 68-Jährige. Tatsächlich hat es Ditfurth in diesem Jahr schon mehrfach böse erwischt: Erst lag sie mit einer schweren Grippe sechs Wochen flach, dann wurden wegen der Corona-Krise alle ihre geplanten Lesungen und anderen Veranstaltungen abgesagt und nun ist sie auch noch selbst an Covid-19 erkrankt. Einen Test habe sie nicht machen dürfen, weil sie in keinem Krisengebiet gewesen sei, sagt Ditfurth, doch ihr Arzt sei sich sicher, dass sie sich infiziert habe.

Für freie Journalisten sei die Krise absolut existenzbedrohend, sagt Ditfurth: „Durch rabiate Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen in den letzten Jahrzehnten konnten sie nicht nur keine Reserven für das Alter, sondern auch keine Reserven für eine Pandemie aufbauen.“ Deshalb habe sie sich zum Spendenaufruf entschlossen, was ihr nicht leicht gefallen sei. Angesichts von mehr als 25 000 Menschen, die ihr alleine auf Twitter folgen, ließ die Resonanz nicht auf sich warten.

1000 Euro für Römer-Arbeit

Immer wieder hört Ditfurth in diesen Tagen, sie bekomme doch Geld für ihre Tätigkeit als Stadtverordnete. Das stimme zwar, entgegnet sie dann, doch die knapp über 1000 Euro müsse sie in die politische Arbeit stecken. Da Ökolinx eben nur zwei Sitze im Römer habe, verfüge die Gruppe nicht über Fraktionsstatus. Und nur Fraktionen bekommen von der Stadt Geld für Büromiete oder Gehälter von Mitarbeitern. Insofern reiche ihre Aufwandsentschädigung nicht mal annähernd zum Leben, so die Politikerin.

Das habe auch der Kabarettist Dieter Nuhr völlig verkannt, der sich kürzlich über sie lustig machte. „Dass Dieter Nuhr, ein gut verdienender Kabarettist der ARD, Häme über eine freie Autorin auskippt, weil sie Covid-19 hat und Existenzsorgen, hatte ich vor Kurzem noch nicht für möglich gehalten“, sagt sie.

Doch nicht nur Häme und Hass, gerade aus der äußerst rechten Ecke, seien ihr begegnet, so Ditfurth. Mehrheitlich habe sie Solidarität erfahren – und tatsächlich Geld gesammelt. Sollte mehr zusammenkommen als benötigt, werde sie es für Projekte gegen Rechtsextremismus spenden. Und dann hätten auch Rechte, die ihr symbolisch einen Cent überweisen, ihren Beitrag für antifaschistische Arbeit geleistet.

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