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Frankfurter Mainufer im vorigen Sommer – kommen 2021 wieder Hitze und Trockenheit?
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Frankfurter Mainufer im vorigen Sommer – kommen 2021 wieder Hitze und Trockenheit?

Klimaschutz

Diskussion über Frankfurts Beitrag zum Klimaschutz

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Politik und Wissenschaft suchen per Online-Treffen mögliche Wege. Doch die Vorstellungen unterscheiden sich stark

Was hilft, den Klimawandel zu mildern? Danach fragten am Donnerstagabend gleich zwei Veranstaltungen. Beide fast parallel verfolgen zu können, gehört zu den wenigen positiven Errungenschaften dieser neuen digitalen Corona-Welt.

„Eine extreme Herausforderung“ nannte es Joachim Curtius, Professor für experimentelle Atmosphärenforschung an der Goethe-Uni, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wie es das Pariser Klimaabkommen vorsieht. „Was die Regierungen bisher planen, reicht dafür nicht aus“, sagte er als Gast des Senckenberg-Fördervereins bei einem Zoom-Gespräch mit Senckenberg-Direktor Andreas Mulch.

Curtius berichtete von einem Moment, der ihm die Tragweite des Problems besonders bewusst machte. „Der Sommer 2003, in dem der Rhein fast austrocknete, der Sommer, in dem auch meine Tochter geboren wurde – das war für mich der Punkt, an dem ich sagte: So kann es nicht weitergehen.“ Seine Forderungen unter anderem: klimaneutrale Energieversorgung so schnell wie möglich, Flugreisen erheblich verteuern. „Wir müssen die Natur verstehen als unser Festgeldkonto. Der Wohlstand bleibt nur, wenn genauso viel wieder eingezahlt wird, wie wir herausnehmen.“ Machen wir aber weiter wie bisher, sieht Curtius Krieg, Tod, viele Millionen Flüchtlinge und Hunger auf die Welt zukommen.

Was kann Frankfurt zur Problemlösung beitragen? Damit befasste sich die zweite Gesprächsrunde des Abends: Auf Einladung des Bündnisses Klimaentscheid Frankfurt diskutierten Gäste aus der lokalen Politik auf Youtube. „Die Stadtpolitik geht in die völlig falsche Richtung“, kritisierte Alexis Passadakis (Linke). Den Klimanotstand ausrufen, von den zu erwartenden Katastrophen ausgehen, das wäre sein Weg. „Wir brauchen ein anderes Nahverkehrssystem und einen Deckel für Flugbewegungen“, sagte er.

Dem widersprach Robert Lange (CDU): „Es hilft nicht, Katastrophen herbeizureden.“ Es gelte, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und „Fortschritt durch Technik“ zu erreichen, etwa bei Solarenergie, Gebäudesanierung und Stadtgrün: „Was wir machen, muss bezahlbar bleiben.“

Da traf er sich mit Peter Paul Thoma (FDP): „Das Geld muss man erst mal haben für eine Solaranlage.“ Sein Credo: „Wir brauchen eine starke Wirtschaft, um Klimaschutz umzusetzen.“ Und: „Lieber eine Pergola über den Gehweg“ als Bäume auf der Straße. „Dann fallen keine Parkplätze weg.“

„Analysiert worden ist genug – es muss gehandelt werden“, verlangte Thomas Schlimme (Grüne). „Wir müssen dem Auto viel mehr Platz wegnehmen.“ Warum die Grünen das nicht längst getan hätten? „Der Hund wackelt mit dem Schwanz, nicht der Schwanz mit dem Hund“, spielte Schlimme auf die Mehrheitsverhältnisse in der schwarz-rot-grünen Römerkoalition an. Die nannte auch Roger Podstatny (SPD) als Hemmnis: „Wir hätten gern den Mainkai autofrei belassen, haben da aber in der Koalition nur Gegenwind bekommen.“ Seine Partei wünsche sich eine Stabsstelle Klimaschutz, die alle kommunalen Entscheidungen auf den Prüfstand stelle, und die Innenstadt weitgehend autofrei.

Die Parteien hätten genug Zeit gehabt, Klimaschutz voranzubringen, sagte Carmen Junge (Klimaliste) – die Ergebnisse reichten „nicht im Ansatz“. Ihre Forderung: „Wir brauchen eine Wende – wir wollen Frankfurt schon bis 2030 klimaneutral machen.“

Als Kernpunkt zur Problemlösung betrachten alle sechs die energetische Gebäudesanierung. Auf dem Gebiet machte der Linke Passadakis „das Debakel der bisherigen Politik“ aus. Er forderte, die Wohnungsgesellschaften unter städtische Regie zu nehmen, um voranzukommen, was Sozialdemokrat Podstatny unterstützte, während CDU-Mann Lange dies den „völlig falschen Weg“ nannte. SPD und Grüne waren sich wiederum darin einig, dass ein Sanierungslotse helfen könnte. Welche Parteienkombination den Klimaschutz nach der Wahl voranbringt, darauf darf man gespannt sein.

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