Erinnerung

Diskussion und Gedenkgottesdienst

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„Es gibt kein richtiges Leben im falschen“: Frankfurt begeht Theodor W. Adornos 50. Todestag

An diesem Tag, so empfanden es damals viele, ging die Studentenrevolte in Frankfurt endgültig zu Ende. Am 6. August 1969, in den Semesterferien, traf im sommerlichen Frankfurt die Nachricht ein, dass der Philosoph Theodor W. Adorno überraschend an seinem Urlaubsort in der Schweiz an einem Herzschlag gestorben war. Bis heute wird darüber diskutiert, ob die scharfen Auseinandersetzungen an der Universität zuvor zu seinem Tod beigetragen hatten.

50 Jahre danach will die Stadt Frankfurt an diesen Tag und an den großen Denker erinnern. Geplant ist unter anderem eine Podiumsdiskussion am 13. August mit Wissenschaftlern, Publizisten und Philosophen, an der auch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) teilnehmen möchte. Dabei wird es um die Frage gehen, welche Bedeutung Adornos Werk in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Auseinandersetzung besitzt.

Bereits am 4. August ist ein Gedenkgottesdienst für Adorno geplant. In der evangelischen Erlöserkirche im Stadtteil Oberrad, in dem Adorno bis zu seiner erzwungenen Emigration 1934 gelebt hatte, predigt Pfarrerin Christiane Hoffmann unter dem Motto „Das Richtige im Falschen?“ Sie nimmt damit den Satz aus Adornos Werk „Minima Moralia“ auf, das er 1951 nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Frankfurt publiziert hatte. „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, heißt es dort. Vielen galt diese Sentenz als ein Motto für die Revolte der 68er.

Adorno war wenige Tage nach seinem elften Geburtstag im September 1914 mit seinen Eltern in das Haus Seeheimer Straße 19 in Oberrad, ganz im Osten Frankfurts gezogen. Dort genoß er eine musikalische Ausbildung, lernte Geige und Bratsche. Sein Lieblingsinstrument aber war bald das Klavier. Mit seiner Tante Agathe spielte Adorno vierhändig Bruckner und Mahler, begann selbst zu komponieren.

Mit 13 verfasste er erste Theaterstücke, mit 17 schickte er Musikstücke an den berühmten Komponisten Arnold Schönberg – blieb aber ohne Antwort.

Die Stadt möchte am Haus Seeheimer Straße 19 eine Gedenkplakette anbringen lassen. Die Gespräche darüber mit dem Hausbesitzer dauern an.

1934 schrieb sich Adorno am Merton College im englischen Oxford ein. Seine Eltern entkamen 1939 in letzter Minute vor dem Terror der Nationalsozialisten ins Exil.

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