Buchmesse-Streiterinnen_151
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Lisa Jaspers (l.), Sina Trinkwalder (m.) und Naomi Ryland (r.) sprechen über alternative Businessmodelle.

Diskussion

„Wir müssen wirtschaftlichen Erfolg neu definieren“

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Die Reihe „Streiterinnen“ widmet sich dem Thema soziale Unternehmen. Auf der Bühne diskutieren drei Autorinnen, die sich alternative Businessmodelle überlegt haben.

Wenn Sie eine Idee haben, die unmöglich scheint, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie machen’s oder Sie lassen’s.“ Dieses simple, aber scheinbar erfolgreiche Motto hat sich Sina Trinkwalder zu Herzen genommen. Sie ist eine der drei Autorinnen, die am Mittwochnachmittag im Rahmen der Reihe „Streiterinnen“ auf der ARD-Buchmessenbühne sitzen. Zumindest virtuell: Trinkwalder wird per Video zugeschaltet.

Die Autorin von „Heimat muss man selber machen“ diskutiert mit Naomi Ryland und Lisa Jaspers, Autorinnen von „Starting a Revolution“, über das Thema, ob Frauen Unternehmen besser führen? Wie gelingt eine respektvolle Arbeitswelt mit Wertschätzung und fairen Arbeitsbedingungen? Und können soziale Businessmodelle genauso viel Erfolg haben wie herkömmliche?

Sina Trinkwalder hat 140 Menschen Arbeit gegeben. In ihrer Kleidermanufaktur wird von ehemals arbeitslosen Näherinnen und Nähern ökosoziale Kleidung produziert. „Volkswirtschaftlich gesehen sind wir ein regenbogenkotzendes Einhorn“, sagt Trinkwalder.

Obwohl ihre Kleidermanufaktur nicht im klassischen Sinn profitorientiert arbeitet – so hat sie zum Beispiel Mund-Nase-Bedeckungen hergestellt und zum Selbstkostenpreis abgegeben, außerdem Rucksäcke für Obdachlose produziert –, schreibe sie schwarze Zahlen. Dennoch stehe der menschliche, nicht der wirtschaftliche Gewinn im Vordergrund. Wie das Modell funktioniert? „Bei uns ist jeder produktiv, niemand managt nur.“

Auch Naomi Ryland, Gründerin vom Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland, und Lisa Jaspers, Gründerin des Fairtrade-Unternehmens „Folkdays“, wollen der Arbeitswelt zeigen, wie es mit Frauenpower besser geht.

Obwohl sie sich bei der Gründung ihres Start-ups vorgenommen habe, alles anders zu machen als ihre Chefs, sei sie schnell in deren Muster verfallen, erzählt Lisa Jaspers. „Ich wollte eine wertschätzende Chefin sein, aber mir haben Rollenvorbilder gefehlt.“ So sei gemeinsam mit Ryland das Buch „Starting a Revolution“ entstanden: Darin stellen die beiden solche Unternehmerinnen vor, die alternative Führungsstile verfolgen. „In unserer Gesellschaft messen wir nur in einer Kenngröße: Leistung“, kritisiert Jaspers und fordert: „Wir müssen neu definieren, was wirtschaftlicher Erfolg heißt.“

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