Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Privatpartys sind erlaubt, öffentliche Tanzveranstaltungen aber nicht.
+
Privatpartys sind erlaubt, öffentliche Tanzveranstaltungen aber nicht.

Tanzverbot in Frankfurt

Diskomäßig abgehen ist nicht erlaubt

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
    schließen

Trotz Tanzverbot über Ostern haben einige Frankfurter Clubs auf. Manche nur für Mitglieder rein, andere spielen "nur Musik ab" und hängen Tanzverbot-Schilder auf.

Die „Ostblockschlampen“ treten in der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag auf. So nennt sich das Leipziger Elektro-Duo, das beim 35-Stunden-Osterrave im Bahnhofsviertel-Club Karlson dabei ist. Sie spielen „kompromisslos tanzbaren Sound“; so steht es in der Pressemitteilung. Getanzt werden darf aber nicht. Denn es herrscht Tanzverbot.

Das gilt in Hessen nicht nur am Karfreitag selbst, auch in der Zeit von Gründonnerstag, 4 Uhr, bis Karsamstag, 24 Uhr, sowie am Ostersonntag und Ostermontag jeweils von 4 bis 12 Uhr.

„Unser Osterrave ist aber keine Tanzveranstaltung, sondern ein Konzert. Die DJs spielen alle live und kein fertiges Set ab. Techno ist eine anerkannte Kultur, und kulturelle Veranstaltungen sind an Ostern erlaubt“, sagt Veranstalter Alexander Eger. Eger war der Betreiber des Ex-Technoclubs U60311. Los geht der Rave am Gründonnerstag ab 23 Uhr und dauert bis Samstag 10 Uhr morgens. „Wir hängen auf allen drei Etagen Tanzverbotsschilder auf.“

Und was, wenn die Leute doch lostanzen? „Wir können unsere Gäste nicht am Boden festtackern“, sagt Eger. Überhaupt findet man in der Stadt einige öffentliche Veranstaltungen, die nach „tanzbar“ klingen. Der Gibson-Club in der Innenstadt öffnet am Karfreitag und kündigt den Abend mit „Feiern, bis die Füße schmerzen“ an.

Keine Tanzverbot-Streife

Michael Jenisch, Sprecher vom Ordnungsamt, sagt: „Das Abspielen von Musik ist nicht verboten, eine öffentliche Tanzveranstaltung aber schon.“ Eine Tanzverbots-Streife werde nicht eingesetzt. „Aber wir werden auf keinen Fall die angekündigten Partys ignorieren, sondern uns diese vor Ort anschauen. Und dann bewerten, ob die Würdigung der Feiertage eingehalten wird oder eben nicht.“ Ob es gleich zu einer Bußgeldstrafe kommt, hänge von der Situation selbst und der Einsicht der Partymacher ab.

Privatpartys hingegen seien zulässig. Auch wenn ein Frankfurter Fitnessstudio am Karfreitagmittag einen Tanzkurs anbietet, sei das laut Jenisch durchaus erlaubt. „Das ist nur für Mitglieder, also nicht öffentlich. Und es ist ein gesittetes Tanzen und kein diskomäßiges Abgehen.“

Im Fitnessstudio ist es legal

Gerade unter den Protestanten gilt der Karfreitag als ein besonders heiliger Tag. „Der Karfreitag ist für uns ein stiller Feiertag. An dem Tag soll man sich nicht nur an das Leiden Jesus Christi erinnern, sondern an das Leiden aller Menschen in der Welt. Deshalb ist das Tanzverbot auch am Karfreitag aus unserer Sicht gerechtfertigt“, sagt der evangelische Stadtdekan Achim Knecht. Gerade in Hessen sei das Gesetz strenger als in anderen Bundesländern, die es schon gelockert hätten.

„Es tut unserer Gesellschaft gut, wenn an einem Tag mal die Partyluft raus ist, man dafür Luft holt und innehält.“ Hingegen findet Knecht, dass Ostern selbst doch ein Freudenfest sei. „Also das Tanzverbot für Samstag, Ostersonntag und Ostermontag halte ich nicht für zwingend notwendig“, sagt Knecht.

Im Club Travolta in der Innenstadt wird auch am Karfreitag getanzt. „Aber es ist wie jedes Jahr eine geschlossene Gesellschaft. Nur unsere Clubmitglieder dürfen rein“, sagt Besitzer und DJ Dennis Smith.

„Ich persönlich finde es bedauerlich, dass wir so viele Gäste an dem Abend abweisen müssen“, betont Smith. „Ich halte das Tanzverbots-Gesetz für überholt. Gerade in einer Stadt wie Frankfurt; in der gibt es viele Muslime und arschvoll viele Atheisten oder Christen, die trotzdem feiern wollen.“ Außerdem würden die Gläubigen nicht gestört.

„Ich kann verstehen, dass eine große Partymeile völlig unangebracht wäre, aber wir feiern in einem geschlossenen Raum, da wird niemand in seiner Ruhe gestört.“ Der Clubbetreiber betont: „Was ich auch nicht verstehe, dass an einem so heiligen Tag das Tanzen verboten ist, aber die Puffs im Rotlichtviertel geöffnet haben dürfen.“ 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare