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Das Kernstück: Neue Raumluftgeräte in den Dächern sparen Energie.

Palmengarten Frankfurt

Tropicarium im Palmengarten vor teilweiser Wiedereröffnung

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Im Palmengarten geht die Sanierung des einzigartigen Tropicariums in die nächste Runde.

Noch gut zwei Wochen, dann können Grünfreunde wieder den ganzen Nordstern besuchen. Nein, es geht hier nicht um den 97. Teil von „Star Wars“ – der Nordstern ist der feuchte nördliche Teil des Tropicariums, der weltweit einzigartigen Pflanzenschauhalle im Palmengarten.

Seit 2017 läuft die Sanierung, am 11. März wird der Nordstern nach einjähriger Sperrung wieder komplett geöffnet. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Dann schließt der Südstern für ein Jahr – die trockenen Tropen.

„Das ist wie eine Operation am offenen Herzen“, sagt Norbert Bergdoll, im Palmengarten für Technikfragen zuständig. „Was wir angefangen haben, war von Anfang an rein spekulativ.“ Weil die Probleme, die in einem Gebäude wie dem Tropicarium zu lösen sind, genauso einzigartig sind wie das Gebäude selbst.

„Strom, Wasser, Abwasser, Belüftung – das war alles ein Thema“, sagt Sachgebietsleiter Markus Lölkes, als er am Donnerstag eine kleine Delegation durch den Nordstern führt. Alles technische Anlagen, die 1984 in Betrieb gingen (Südstern: 1987) und seither arg in die Jahre gekommen sind. Die Bauteile alterten unter den besonderen klimatischen Bedingungen schneller als draußen. Das kann jeder nachvollziehen, der für winterliche Temperaturen gekleidet das Mangrovenhaus betritt. 23 Grad, sagt Lölkes. 38 Grad fühlen die Leute in den Wintermänteln.

Sanierung des Tropicariums ist eine Herausforderung

Aber dort wachsen halt tropische Pflanzen – daher der Name Tropicarium. Ein solches Haus zu sanieren: logistisch eine Herausforderung. „Wir mussten immer wieder mahnen: Lasst bitte die Türen zu!“, berichtet Lölkes von der schrittweisen Annäherung zwischen Botanikern und Baufirmen. Inzwischen sei alles eingespielt. Keine sensible Palme muss mehr fürchten, nackt im Eiswind stehen gelassen zu werden.

In der heißen Bauphase galt es aber schon mal, die komplette „Kaffee-Ecke“ – sprich: das Sortiment an Kaffeepflanzen – leer zu räumen und auszulagern, um einen „Technik-Klotz“ (Lölkes) zu installieren. Der Kaffee ist inzwischen zurück. Und eine Sprühbefeuchtungsanlage versorgt nun den Berg-Nebelwald. „Aber man spürt den Nebel nicht“, sagt Lölkes, „es ist eher wie Disconebel.“

Aus dem Bromelienschauhaus wuchsen schon Pflanzen durch die Wand in den Tiefland-Regenwald. So geht’s natürlich nicht. Ein Arbeiter dichtet die Scheiben ab, aber das sind Petitessen im Vergleich zu den großen Sanierungsprozessen. Es geht vor allem um Energieeffizienz, 20 Prozent besser sollte die Bilanz da werden, die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) pochte darauf – „und das haben wir übertroffen“, versichern Bergdoll und Lölkes.

Wichtigstes Hilfsmittel sind Raumluftgeräte, die von oben in die Dächer eingesetzt wurden. Sie wälzen im Sommer die Luft um, saugen im Winter Luft von draußen an, aber vor allem gewinnen sie die Wärme zurück, die früher einfach aus den Hallen nach oben entwich.

Weil das alles Pionierarbeit im Unikat Tropicarium ist, erkundigen sich bereits andere Botanische Gärten nach Details, etwa nach der Sprühbefeuchtung. Da arbeitet jetzt ein System im Palmengarten, das früher nur in der Industrie zum Einsatz kam, zur Papierproduktion, in Müllanlagen – und auf der Bühne der Hamburger Elbphilharmonie. Es geht darum, Staub zu binden.

Das alte Heizungssystem, das Heißwasser in die Alufassungen der Fensterfronten pumpt, läuft weiter, freilich mit neuer Technik im Keller. „Da war vor 35 Jahren schon viel Know-how dahinter“, lobt Lölkes. Und die pfiffigen Bergloris, bunte Vögelchen, die für die Sanierung ausquartiert wurden, kommen auch zurück, verspricht Nordstern-Meister Peter Kilian, seit 1974 im Betrieb. Wer so erfahrene Mitarbeiter hat, hält auch die Kostenkalkulation ein: 6,5 Millionen Euro seien bisher ausgegeben worden, sagt Bergdoll, 8,72 Millionen insgesamt veranschlagt: „Alles liegt im Budget.“

Zu sehen ist von der Sanierung übrigens: nichts. „Ideal“, sagt Lölkes. „Das war das Ziel.“

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