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Dippmess in Frankfurt: Mit Schwung in den Adrenalin-Kick

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Von: Florian Leclerc

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Für den Schwingarm „Mondial Furioso No Limit“ braucht man gute Nerven. Foto: Renate Hoyer
Für den Schwingarm „Mondial Furioso No Limit“ braucht man gute Nerven. © Renate Hoyer

Die Dippemess in Frankfurt kommt auch in diesem Frühjahr wieder bei jungen Menschen besonders gut an.

Blickt man von fern auf die Dippemess, die wieder am Ratsweg gastiert, sieht man sogleich das Riesenrad, das mit 45 Meter Höhe Blicke bis tief in den Riederwald freigibt. Fährt man näher heran an das Frankfurter Volksfest, das seit jeher die Menschen aus Frankfurt und dem Umland beglückt, hört man nicht nur musikalische Fetzen, die aus den Fahrgeschäften herüberwabern, sondern auch ein alles durchdringendes Kreischen, Soprane im Fortissimo.

Bekanntlich schreien schon Säuglinge aus dem naheliegenden Grund, überleben zu wollen. Kinder werden laut, um sich in der Gruppe zu behaupten. Die Hauptzielgruppe der Dippemess sind neben Eltern mit kleinen Kindern vor allem Teenager. Denen ist das soziale Miteinander besonders wichtig. Gemeinsam kreischen festigt das Gruppengefüge und baut Spannungen ab.

Frankfurt: Dippemess ohne Maskenpflicht

Und bei einer Achterbahnfahrt gibt es reichlich Spannung. Der Zug klettert zunächst auf 27 Meter hinauf, stürzt dann bei einer Neigung von etwa 49 Grad in die Tiefe, bis er etwa 80 Stundenkilometer erreicht. Die Fahrt über einen Hügel sorgt kurz für Schwerelosigkeit. In der knapp einminütigen Fahrt wirken Kräfte von bis zu 4,8 g – also etwa so viel wie bei einem Formel-1-Rennwagen, wenn er um die Kurve rast.

Wenn es auf dem Volksfest lauter wirkt als zuvor, liegt das wohl auch daran, dass keine Masken mehr getragen werden müssen, die neben der Ausbreitung von Aerosolen auch die Verbreitung von Schallwellen erschweren. Auf der Dippemess gilt aber keine Maskenpflicht mehr, sondern nur noch eine Maskenempfehlung, der kaum jemand folgt.

Auch in der Geisterbahn wird auf die Maske verzichtet und beherzt geschrien, wenn die Hexe um die Ecke schaut, die Kettensäge röhrt oder der Untote seinen Arm ausstreckt.

So viel verbaler Einsatz macht hungrig, und auch hier hat die Dippemess die gewohnten Genüsse aufgefahren. Wurstbrötchen, Pizza, Döner, Pommes, Popcorn, Churros, gebrannte Mandeln, die nach Nutella schmecken, nach Snickers, nach Oreos, nach Pfirsich-Maracuja, Karamell-Banane oder Waldmeister.

Die Dippemess

Die Dippemess hat eine lange Tradition. Schon im 14. Jahrhundert kamen Handelnde nach Frankfurt auf die „Maamess“ , um ihre Haushaltswaren zu verkaufen, frankfurterisch „Dippe“. In den 1960er Jahren zog die Dippemess auf den Festplatz am Ratsweg, weil dort mehr Platz ist.

Heute ist die Dippemess Frankfurts größtes Volksfest. 120 Schaustellende sind in diesem Frühjahr zu Gast, etwa 750 000 Besucher:innen werden erwartet. Geöffnet ist die Dippemess dienstags bis donnerstags von 15 bis 23 Uhr, freitags und samstags von 14 bis 24 Uhr, und sonntags von 12 bis 23 Uhr. An Ostern gelten abweichende Öffnungszeiten. fle

Vier Euro für ein Wurstbrötchen hier, sechs Euro für eine Fahrt da, 3,50 Euro für die schokolierte Banane, vier Euro für gebrannte Mandeln mit wenig Zucker – schnell wird das Portemonnaie leichter. „Mama, jetzt habe ich wirklich kein Geld mehr“, klagt eine junge Frau.

Dabei gebe es noch so viel zu erleben. Die Wildwasserbahn, die Riesenschaukel, die Rundfahrgeschäfte, die Berg-und-Tal-Bahn, den Kettenflieger, Dosenwerfen, das Herzenschießen.

Oder die vielen Autoscooter, in denen die Jüngeren fahren, während ihre Eltern am Seitenrand aufpassen, dass die Kinder sich nicht zu stark bumpern, und dabei Handyvideos drehen.

Als das Wetter sich dreht, von Sonnenschein zu Regen und Hagel, flüchten Eltern, Kinder, Teenager und auch die einen oder anderen Erwachsenen, die es hierher verschlagen hat, unter die Vordächer der Geschäfte und kehren, als die Sonne wieder hervorkommt, zu den Attraktionen zurück.

Zum Beispiel zum „absoluten Adrenalinkick“, den die Schausteller versprechen, die den 40 Tonnen schweren Schwingarm „Mondial Furioso No Limit“ mitgebracht haben.

Acht junge Menschen sitzen in der Kabine, als sein Schwingarm anfängt zu pendeln. Erst zur einen Seite, dann zur anderen, bis er 42 Meter Höhe erreicht, dann pausiert und die Kabine samt Insassen um die eigene Achse wirbelt. Dann stürzt die Kabine in die Tiefe hinab, fliegt durch Kunstnebel hindurch und schnellt wieder hinauf, Haare fliegen, Soprane kreischen.

Ein junger Mann verlässt die Kabine nach der Fahrt äußerst gelassen. „War ganz gut“, meint er.

Autoscooter ist was für die ganze Familie. Foto: Renate Hoyer
Autoscooter ist was für die ganze Familie. © Renate Hoyer

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