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Dippemess Frankfurt
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Dippemess Frankfurt.

Frankfurt

Dippemess in Frankfurt: Viel Leid zum teuren Eintrittspreis

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Der diesherbstige Jux auf der Dippemess am Ratsweg in Frankfurt weckt die Erinnerung an einen guten alten Pappkameraden.

Frankfurt - Vor vielen, vielen Jahren, als die Menschen noch über Heuschnupfen jammerten, da stand auf dem Juxplatz ein Katastrophensimulator namens „Manhattan Inferno“. In diesem wurden die üblichen Alltagskatastrophen simuliert: Erdbeben, Fahrstuhlabsturz, Grubenunglück.

Die eigentliche Show aber fand draußen statt. Vor dem Fahrgeschäft stand ein riesiger Affe aus Pappmaschee, der in Endlosschleife eine vermeintliche Publikumsvergrämung deklarierte. Was der Affe genau sagte, ist vom Wind der Zeit verweht, aber es lautete etwa so: „Kehret um, ihr Menschen! Flieht, ihr Narren! Hier erwartet euch nichts als Leid, Tod und Zerstörung – und das zu einem völlig überhöhten Eintrittspreis!“ Um den Affen aber kreiste ein Papphubschrauber, dessen Pilot per Megafon die Affenkritik konterkarierte: „Achtung, Achtung! Hören Sie nicht auf den Affen! Hier erwarten Sie vielmehr Spaß, gute Laune und Nervenkitzel – zum fairen Preis!“

Dippemess in Frankfurt: überhöhter Eintrittspreis

Damals wurde der Affe von den meisten Menschen als Bedenkenträger und Memme erachtet, und tatsächlich konnte man nach einem Inferno-Rundgang zu der Feststellung gelangen, dass der Affe – außer beim Eintrittspreis – maßlos übertrieben hatte. Die Zahl der Todesfälle in dem Fahrgeschäft ließ sich jedenfalls nicht einmal in Mikromort messen. Irgendwann war das Inferno dann vom Juxplatz verschwunden, und mit ihm der Affe.

Immer wieder ein Erlebnis: Die Achterbahn auf der Dippemess.

Jetzt ist der Affe wieder da. Größer als je zuvor steht er vor dem Eingang der Dippemess, aber nur jene, die noch halbwegs bei Trost sind, können ihn sehen und hören. Der Affe sagt das, was er schon immer gesagt hat, allerdings waren seine Worte nie wahrer als heute. Nur der Text des Helikopterpiloten hat sich leicht verändert: „Achtung, Achtung! Hören Sie nicht auf den Affen! Es besteht keinerlei Grund zur Beunruhigung! Auf dem Jahrmarkt gilt eine Einbahnstraßenregelung. Bei mehr als 5000 Besuchern riegelt das Festgelände automatisch ab. In den Zelten halten wir neben Bier und Wurst auch Impfampullen für Sie bereit. Beim Erbrechen in die Rabatten besteht keine Maskenpflicht.“

Angemessene Distanz auf der Dippemess in Frankfurt wegen Corona

Der Riesenprimat mag immer noch ein Angstaffe sein, aber er ist immerhin ein ehrliches Fell. Vor dem Helikopterpiloten aber darf man sich zu Recht ein bisschen fürchten und seine Seriosität infrage stellen. Hilfreich mag bei alledem die Weisheit sein, die einen das Inferno damals gelehrt hat. Man muss nicht immer hereinspazieren. Manchmal ist es schöner – und immer viel billiger – den uralten Kampf zwischen Affe und Pilot von draußen und aus angemessener Entfernung zu verfolgen. Das ist dank Internet heute viel einfacher als damals. Und allein die Bilder von Oberbürgermeister Peter Feldmanns Eröffnungsrundgang haben mehr Gruselpotenzial als sämtliche Geisterbahnen dieser Welt.

Wer aber ums Verrecken höchstpersönlich auf den Juxplatz gehen will, der kann das natürlich tun. Ist ja nicht verboten. Aber niemand soll hinterher erzählen, kein Affe habe ihn gewarnt. (Stefan Behr)

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