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Ute Raab vom belgische Honorarkonsulat im Hauptgebäude der Heddernheimer Höfe direkt an der U-Bahn-Station.

Heddernheim

Diplomatie ist ihr Hobby

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Ute Raab vertritt in ihrer Freizeit das Königreich Belgien in Hessen. Das Konsulat befindet sich auf dem Areal der Heddernheimer Höfe.

Während es andere in ihrer Freizeit auf den Fußballplatz oder in die Gartenlaube zieht, geht Ute Raab nach Feierabend ins Büro. Rund ein Viertel ihrer Woche verbringt die 53-Jährige dort im Auftrag des belgischen Königs. Raab ist Honorarkonsulin des Königreichs Belgien und seit Februar Mieterin in den Heddernheimer Höfen. „Uns gefällt das Umfeld hier sehr gut“, sagt Raab. „Das Schöne an Heddernheim ist, dass Moderne auf Tradition trifft und der Stadtteil sich trotz Veränderungen selbst treu bleibt.“ Der Umzug des Honorarkonsulats aus dem Frankfurter Osthafen hatte aber hauptsächlich praktische Gründe: Die Verkehrsanbindung am neuen Standort ist durch die benachbarte U-Bahn-Station besser – bei den Aufgaben der Honorarkonsulin ein wichtiger Vorteil.

Raab ist nicht nur Ansprechpartnerin für belgische Staatsbürger in Notsituationen, wie dem Verlust des Reisepasses, sondern auch für die belgische Regierung und das Königshaus bei Fragen, die das Land Hessen betreffen. „Hessen ist sehr wichtig für Belgien, da hier nach Nordrhein-Westfalen die meisten Belgier leben“, sagt Raab. Zudem kämen das Königspaar und diplomatische Vertreter gerne nach Frankfurt, da die Stadt so offen und international geprägt sei. Auch zur diesjährigen Buchmesse werden König und Königin wieder erwartet.

Veranstaltungen und offizielle Anlässe zählen aber nicht zu den arbeitsreichsten Aufgaben der Honorarkonsulin: „Zwei Mal im Jahr haben wir in Frankfurt das sogenannte ‚Flying Kit‘, bei dem Kollegen aus der Berliner Botschaft mit biometrischen Aufnahmegeräten anwesend sind, damit die Belgier neue Reisepässe beantragen können“, erklärt Raab. Einen ähnlich großen Andrang gebe es sonst nur kurz vor Wahlen. Da es in Belgien die Wahlpflicht gibt, suchen viele Wähler das Honorarkonsulat auf, um sich für die Briefwahlunterlagen zu registrieren.

Bezahlt wird Raab für ihre Arbeit nicht. Die Bezeichnung Honorarkonsulin steht nicht für den Erhalt eines Honorars, sondern leitet sich von dem lateinischen Wort honoris für Ehre ab – ein typisches Ehrenamt. „Es ist eben auch eine Ehre, das Land zu vertreten“, sagt Raab.

Angeboten wurde der gebürtigen Offenbacherin das Amt 2009 durch den belgischen Botschafter, da sie ihre Vorgänger bei deren Tätigkeit unterstützt hatte. „Ich kannte die früheren Honorarkonsulare, weil wir in Brüssel fünf Jahre zusammengearbeitet haben“, sagt die Unternehmensberaterin. Nachdem sie das Amt bis 2012 kommissarisch besetzt hatte, wurde sie schließlich vom König offiziell ernannt. „Eigentlich wollte ich es nicht machen, weil ich mich nicht gerne in den Vordergrund spiele, aber jetzt habe ich viel Freude an meiner Tätigkeit“, sagt Raab.

Als Deutsche Belgien zu vertreten, ist dabei für die überzeugte Europäerin kein Problem. Ganz im Gegenteil: „Oft muss ich anhand der Geschichte des Landes erklären, warum Belgien so kompliziert ist“, erklärt Raab mit Blick auf die Konflikte der Flamen und Wallonen. „Daraus kann man auch viel für Europa lernen, zum Beispiel wie man trotz Unterschieden in Vielfalt zusammenleben kann.“

Eine Erfahrung, die sie bei ihren regelmäßigen Besuchen des Landes gemacht hat, das ihr inzwischen sehr am Herzen liegt. Bis zu sechs Mal im Jahr reist sie nach Belgien und genießt dort insbesondere die gute Küche. „Mein Lieblingsgericht bleiben aber die Waffeln“, sagt Raab.

Die Altersgrenze für das Amt des Honorarkonsuls liegt derzeit bei 70 Jahren. Für Ute Raab noch viel Zeit, um ihrem Hobby, wie sie es nennt, nachzugehen.

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