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Eva Roßmanith (li.) und Larissa Goebel graben einen T.-Rex-Fuß aus.

Senckenberg

Dinosaurier suchen für Anfänger in Frankfurt

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Das Senckenberg-Naturmuseum zeigt, wie man’s macht. Und die zugehörige Ausstellung räumt mit so manchem Irrglauben auf.

Liebe Kinder, falls Ihr mal im Sandkasten zufällig den Fuß eines Tyrannosaurus Rex findet und nicht so recht wisst, was Ihr jetzt machen sollt: Im Senckenberg-Naturmuseum kann man den Umgang mit der Situation demnächst üben. Und noch so manches mehr rund um das Themenfeld „Dino-Grabung: vom Fund ins Museum“.

„Es war schon lange unser Wunsch, eine typische Grabungssituation zu zeigen“, sagt Eva Roßmanith, Leiterin der Bildung und Vermittlung bei Senckenberg. „Kinder wollen schließlich wissen, wie echte Forscher arbeiten.“ Aber auch an Erwachsene wendet sich die neu eingerichtete Ecke im Dino-Saal – wenn man reinkommt, scharf links.

Am Montag, 30. September, können Besucherinnen und Besucher des Senckenberg-Museums die nachgestellte Grabungssituation ausprobieren, die übrigens mit der Hilfe von Doris und Claus Wisser entstanden ist. Von 10 bis 16 Uhr wird gebuddelt, um Voranmeldung vor Ort wird gebeten.

Anmelden muss man sich auch künftig: unter Telefon 069/7542-1357 oder museumfrankfurt.senckenberg.de – ab November ist die Grabung für Kindergeburtstage und Workshops buchbar.

„Forschung sichtbar und erfahrbar machen“, darum geht es, wie Katrin Böhning-Gaese vom Senckenberg-Direktorium erklärt. „Wir haben uns für etwas Realitätsnahes entschieden“, sagt Projektleiterin Larissa Goebel und wühlt ein wenig im Gummigranulat, aus dem auch Tartanbahnen auf Sportplätzen gemacht sind. Sofort überfällt alle Anwesenden der Drang mitzuwühlen. Realitätsnah bedeutet hier: „Nicht wie bei ,Jurassic Park‘, wo der Dino fix und fertig am Stück zum Mitnehmen im Sand liegt.“ Anders als in dem berühmten Dino-Kinofilm stoßen die Entdecker nämlich meist erst einmal auf ein sogenanntes Bonebed, auf Deutsch also ein Knochenbett, und wissen nicht: Was ist das für ein Knochen? Wozu gehört er?

Dann beginnt die eigentliche Arbeit: Knochen mit Spezialwerkzeug ausgraben, den Fund dokumentieren und schließlich zuordnen. Die ersten Schritte davon können Kinder (und solche, die sich dafür ausgeben) am kommenden Montag schon mal ausprobieren. „Man kann Zehen oder Krallen rausnehmen und mit dem ganzen T. Rex vergleichen“, sagt Larissa Goebel – aber nur unter Aufsicht. Künftig ist die Gummi-Sandkiste dann nur für gebuchte Workshops oder Kindergeburtstage zugänglich. Das schmälert auch die Gefahr, dass abends mal ein Kind in der Gummigrube vergessen wird. Nein, kleiner Scherz. Kann gar nicht passieren.

Neben der Grube führen Schauvitrinen durch die Welt des Fossilienfindens, vom Entdecken bis in die Ausstellung. Ein Elefantenbackenzahn: eben noch in Erde und Gips, jetzt schon fertig präpariert im Museum. Dazu Grabungspläne, Präparationstechniken, Modell-Arbeitsplätze, auch mal ein Panzerfisch, damit’s nicht zu dino-lastig wird.

Womit man 2019 einem Dinosaurier begegnet: Grabungswerkzeug.

Und sehr interessant: Wie die Wissenschaft im Lauf der Zeit ihre Erkenntnisse verfeinert. Der Diplodocus, riesiger Dino und Hingucker des Museums, galt vor 100 Jahren noch als Wasserbewohner und wurde in den 20er Jahren so gezeigt. Heute weiß man anhand weiterer Funde und durch das Zusammenspiel der wissenschaftlichen Disziplinen: war gar nicht so. Er lebte an Land und war auch leichter als einst gedacht. Genaugenommen müssten seine Beine übrigens enger zusammenstehen. Aber den jetzt umzubauen – viel Aufwand. Der Kerl wiegt zehn Tonnen.

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