Frankfurt digital

Straßenlaterne ruft die Rettung

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Stadtrat Jan Schneider (CDU) stellt Entwurf der Digitalisierungsstrategie vor. Frankfurt soll künftig zur Smart City, zur vernetzten Stadt, werden.

Das Smart Home, also das vernetzte Haus, kennt man ja. Wer von unterwegs schon mal das Thermostat zu Hause hochdrehen oder die Rollos ’runterlassen will, kann das mit dem Smartphone regeln. Jan Schneider (CDU), unter anderem Frankfurter Dezernent fürs Digitale, hat nun am Montag den Weg zur Smart City vorgestellt. Die vernetzte Stadt beginnt nämlich zunächst mit einer „gesamtstädtischen Digitalisierungsstrategie“.

Die Smart City soll umweltschonender, nachhaltiger und grüner sein. „Die Lebensqualität soll besser sein“, sagt Schneider. Mülleimer sollen sich melden, wenn sie voll sind, Straßenlaternen, wenn sie kaputt sind. Sie könnten auch freie Parkplätze anzeigen oder über Unfälle informieren. Sensoren im Boden sollen übermitteln, wann die Bäume Wasser benötigen. Die Straßenreinigung soll anhand der Fahrbahntemperatur sehen, ob sie mit dem Streufahrzeug ausrücken muss. Daten über Verkehrsströme können Ampelschaltungen steuern.

Andere Städte haben sich früher aufgemacht, berichtet der Dezernent freimütig. Neidisch ist er nicht. „Es werden große Visionen entwickelt, aber wenige Wege aufgezeigt, die dorthin führen“, sagt Schneider. Frankfurt soll zielorientierter als andere Städte vorgehen. Die ersten Schritte sind dabei schon gemacht. Seit 2013 ist die Kommune mit der Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen zugange. Mit der „Pionierarbeit“.

Zum Beispiel können Bürgerinnen und Bürger online einen Bewohnerparkausweis beantragen und bezahlen. Die Stadt hat mit „Frankfurt fragt mich“ auch eine Onlineplattform für Bürgerbeteiligung etabliert. Bei der Abstimmung zur Gestalt des neuen Goetheturms hätten immerhin 80 000 Menschen mitgestimmt, lobt Schneider.

Vernetzen

Grundlage für die Smart City der Zukunft ist die Infrastruktur. Die Mainova hat darum vor gut einem Jahr begonnen, ein flächendeckendes Funknetz in Frankfurt aufzubauen. Das soll die Daten der smarten Anwendungen weiterleiten.

Die Technik dahinter nennt sich LoRaWAN, das steht für „Long Range Wide Area Network“. Das kann automatisiert mit wenig Energie kleine Datenmengen bis zu fünf Kilometer weit sicher und geschützt übertragen. Das Netz ist dabei nicht so stark wie ein Mobilfunknetz.

Aber alleine könne es eine Verwaltung nicht schaffen, das Projekt Smart City zu verwirklichen, alle Sensoren anzuschaffen und miteinander zu vernetzen. Darum gelte es zunächst, die handelnden Personen miteinander zu vernetzen. „Wir sind gut aufgestellt in Frankfurt“, meint Schneider. Namhafte Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft stünden bereit. Verbände und Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich ebenfalls. Es wäre fahrlässig, auf dieses Know-how zu verzichten, sagt Schneider.

Ein Partnerunternehmen bei der Vernetzung ist die Mainova AG, Energieversorger und zu gut 75 Prozent in städtischem Besitz. Die Mainova hat bereits begonnen, das Netz der Sensoren über die Stadt zu spinnen. Funkmesstechnologie bündelt die Daten und sendet sie zum Server. 30 dafür nötige „Gateways“ sind bereits verteilt. Bis zum Frühjahr 2021 sollen es 60 sein und die Stadt damit voll abgedeckt sein. Sie benötigen wenig Energie, sagt Diana Rauhut, verantwortlich für die IT bei der Mainova, sie arbeiten mit Batterien.

„Wir wollen das Leben der Menschen einfacher und besser machen“, sagt Rauhut. Die Mainova möchte aber auch neue Geschäftsfelder erschließen. Das sagt sie ganz offen. Die vielen guten Ideen der Smart City müssten sich am Ende eben auch wirtschaftlich selbst tragen können, unterstützt Stadtrat Schneider. Die Kommune kann zusätzlich anschieben.

200 000 Euro gehen nun zum Beispiel an die Stadtbücherei, um über das Internet die Öffnungszeiten ausweiten zu können. So können die Menschen Ausweise beantragen, Bücher reservieren oder Ausleihen verlängern, ohne vor Ort vorstellig werden zu müssen.

In den kommenden fünf Jahren möchte Schneider fünf neue Stellen für die Stabsstelle Digitalisierung schaffen, zwei Millionen Euro sollen in Projekte fließen. Externe Berater hatten der Stadt empfohlen, zehn Stellen zu schaffen und drei Millionen zu investieren. Wegen der angespannten Haushaltslage in Pandemie-Zeiten geht nun der abgespeckte Entwurf in die Debatte im Römer.

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