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Überall, wo es eng wird wie hier im Frankfurter Flughafen, verringert die Maske die Ansteckungsgefahr.
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Überall, wo es eng wird wie hier im Frankfurter Flughafen, verringert die Maske die Ansteckungsgefahr.

Gesundheit

Digitale Helfer und Corona: „Richtig gut läuft die Video-Sprechstunde“

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Nach den positiven Erfahrungen in der Pandemie wünscht sich Hausärztin Martina Schaffner einen stärkeren Einsatz moderner Kommunkationstechnik. Das wäre eine Erleichterung für alle Beteiligten. Doch der Datenschutz blockiert.

Die Zahl der Neuinfektionen sinkt, die Impfkampagne schreitet voran. Zeit, Bilanz zu ziehen, darüber nachzudenken, was gut lief und was hätte besser laufen können. Eine vierte Welle im Herbst gilt als möglich. Die Hausärztin Martina Schaffner, unsere FR-Kolumnistin in der Pandemie, bereitet ihre Patienten darauf vor.

Frau Schaffner, was hat uns Corona gelehrt?

Dass wir auch zukünftig besser auf die Hygiene achten müssen. Speziell im Herbst sollten wir mehr Abstand zueinander halten, uns die Hände häufiger desinfizieren und auch Masken tragen, wenn wir krank sind. Mit einer Erkältung sollten wir zu Hause bleiben. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass wir füreinander sorgen müssen, nicht nur für uns selbst.

Wie kommen Sie zu diesen Schlüssen?

Wir haben in der Praxis festgestellt, dass wir viel weniger krank waren, seit unsere Patienten und wir Masken tragen. Niemand von uns hatte einen Schnupfen, eine Erkältung oder eine echte Virusgrippe. Auch unsere Patienten zum Glück nicht.

Dazu gehört auch der Verzicht aufs Händeschütteln. Funktioniert das? Wie halten Sie das in Ihrer Praxis?

In der Vergangenheit habe ich es sehr genossen, meine Patienten und Patientinnen mit Handschlag zu begrüßen. Aber ich habe schon vor Corona damit aufgehört, weil ich im Herbst immer Infekte bekommen habe: Schnupfen, Halsschmerzen, so dass ich am Wochenende im Bett lag. Als ich auf das Händeschütteln verzichtet habe, wurde ich tatsächlich weniger krank.

Wird der Verzicht auf den Handschlag nicht von manchen als unhöflich empfunden, als Affront?

Nein, wir haben in der Praxis mit Schildern und auch persönlich die Hintergründe erklärt. Dass wir nicht unhöflich sein wollen, sondern Viren nicht verbreiten wollen. Das ist gut angekommen. Deshalb war das jetzt in Corona-Zeiten nicht mehr schwer umsetzbar.

Möglicherweise droht uns im Herbst eine vierte Corona-Welle. Werden die Erfahrungen der Pandemie die Impfbereitschaft generell erhöhen?

Ich glaube schon, dass die Patienten sehen, dass sie dadurch geschützt sind, und wir bereiten sie auch schon darauf vor, dass eine Auffrischung in einigen Monaten notwendig sein könnte. Sehr gut wäre natürlich ein Kombinationsimpfstoff gegen Grippe und Corona. Viele Patienten fragen auch jetzt schon, ob es sinnvoll ist, sich im Herbst wieder gegen Grippe impfen zu lassen. Ich glaube, dass diese schreckliche Pandemie die Menschen sensibilisiert hat, mehr Vorsorge zu betreiben. Der Umstand, dass wir zu wenig Impfstoff haben, ist natürlich nicht gut. Aber ich hoffe, dass sich das bald stabilisiert.

Die Kommunikation in der Pandemie stand oft in der Kritik. Wie kann man es künftig besser machen?

Kommunikation fand nur spärlich statt und wichtige Informationen kamen oft viel zu spät bei uns Ärzten an. Zukünftig könnte ich mir eine zentrale Stelle vorstellen, wo sich alle Impfwilligen registrieren lassen können. Darauf müssten dann medizinisches Personal oder Ärzte Zugriff haben. Das hätte die vielen Anrufe bei Patienten erspart, die schon geimpft sind oder einen Termin haben. Aufgrund des Datenschutzes in Deutschland ist der Austausch dieser Informationen aber schwierig. Die Patienten wurden aufgefordert, sich überall anzumelden, im Impfzentrum, beim Hausarzt, beim Betriebsarzt. Das mag empfehlenswert sein, macht uns aber enorm viel Arbeit.

Viel Arbeit machen auch die vielen Anfragen nach einem Impftermin. Wie bewältigen Sie diese Herausforderung?

Zur Person

Martina Schaffner ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, Psychotherapie,
Spezielle Psychotraumatherapie und
Akupunktur. Sie hat eine Einzelpraxis in Frankfurt-Griesheim.

In der Pandemie gewährte die Ärztin in ihren Kolumnen den Leserinnen und Lesern der Frankfurter Rundschau Einblick in ihren Praxisalltag. Wie im vergangenen Sommer mit sinkenden Inzidenzzahlen beendet wir dieses wöchentliche Angebot. Martina Schaffner bleibt uns als Ansprechspartnerin erhalten bleiben. jur

Schon vor dem Aufheben der Priorisierung stand unser Telefon den ganzen Tag nicht still. Deshalb hat sich nicht viel geändert. Wir haben schon überlegt, ob wir eine Extra-Hotline einrichten, aber das braucht zusätzliches, vor allem geschultes Personal. Im Moment arbeiten wir mit einer Extra-E-Mail-Adresse an die Impfinteressierten und schreiben, dass sie sich bei uns auf die Warteliste setzen lassen können. Wir sind aber immer noch auf der Suche nach einer Lösung, wie man es dem Patienten und dem Personal noch leichter machen kann.

Wäre eine zentrale Hotline eine Lösung?

Ich glaube nicht. Das Zeitmanagement ist sehr individuell. Jede Praxis hat einen anderen Impftag, ein anderes Zeitmanagement, eine andere Software. Auch kommt der bestellte Impfstoff manchmal nicht oder eineinhalb Tage später, wie in der vergangenen Woche. Zum Glück hatten wir noch nicht alle Patienten einbestellt, sonst hätten wir 100 Impftermine verlegen müssen.

Sind Sie froh, dass mehr Arztpraxen und jetzt auch die betriebsärztlichen Dienste eingestiegen sind?

Ja, wir sind um jeden froh, der die Impfzahlen nach oben bringt. Aber da stellt sich umso mehr das Problem mit den Rückmeldungen. Wünschenswert wäre, dass die Patienten, die woanders einen Termin bekommen haben, sich bei uns abmelden.

Zum Anfang der Pandemie haben Sie beklagt, dass Sie sich immer alle Informationen selbst zusammensuchen müssten. Hat sich das gebessert?

Diese Kommunikationslücke gibt es bis heute. Ich muss jede E-Mail, jedes Fax, jeden Brief oder Zeitungsartikel sichten. Ich muss auch jede Woche schauen, wie viel Impfstoff ich bestellen darf. Das ändert sich ja von Woche zu Woche. Das heißt nicht, dass wir den dann auch kriegen. Schön wäre es, wenn alle wichtigen Informationen klar zusammengefasst irgendwo zu finden sind, die sich gefühlt jeden Tag ändern. Das müsste in Zeiten der Digitalisierung doch möglich sein.

Was hätten Sie anders gemacht im Rückblick?

Ich hätte die aufwendig gestalteten und teuer gebildeten Impfzentren mit Einzelkabinen, viel zu viel Personal und schlecht besetzter Hotline so nicht für notwendig gehalten. Warum braucht es das, wenn der Patient nur seinen Oberarm freimachen muss? Wir hätten das von Anfang an als niedergelassene Ärzte in unseren Praxen, in einer einfachen Turnhalle oder in Zelten stemmen können. Da sind Kosten generiert worden, die nicht notwendig sind. Ich und viele meiner Kollegen hätten mit Sicherheit ihre Praxen auch am Wochenende zur Verfügung gestellt. Aber wir sind leider nicht gefragt worden. Und ich hätte von Anfang an eine zentrale Dokumentation der Impfungen installiert statt jetzt der Versuch, im Nachhinein irgendwie QR-Codes zu generieren, für die es für die unterschiedlichen Arztprogramme noch keine Software gibt.

Zum Handling der Impfstoffe hätten Sie auch Wünsche?

Ja, bislang brauchen wir immer Gruppen von Patienten pro Vial (Injektionsfläschchen, d. Red.). Bei Biontech mindestens sechs Patienten, bei Astrazeneca zehn. Dauerhaft ist das nicht mehr handhabbar. Bei Auffrischungen brauchen wir Einzeldosen, so wie beim Grippeimpfstoff.

Was hat sich für Sie als Ärztin verbessert?

Ich wünsche mir, dass wir auch künftig über die Kassenärztliche Vereinigung unser Schutzmaterial bestellen können. Das ist eine gute Unterstützung, auch wenn im Moment die Handschuhe wieder nicht lieferbar sind. Richtig gut läuft die Videosprechstunde in der Psychotherapie und auch die hausärztlichen Video- und Telefonsprechstunden, die leider nur noch bis Ende des Monats durchgeführt werden dürfen. Die Patienten sind superdankbar, wenn sie nicht immer den Weg auf sich nehmen müssen. Es ist auch nicht immer nötig, für alles in die Praxis zu kommen.

Interview: Jutta Rippegather

Martina Schaffner.

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