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Dieses Paar läuft einmal quer durch Afrika

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Von: Holger Vonhof

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Mareike Röwekamp und Horst Schauer vom Höchster Schwimmverein HöSV trainieren für ihren Afrika-Lauf „Cap to Kap“.
Mareike Röwekamp und Horst Schauer vom Höchster Schwimmverein HöSV trainieren für ihren Afrika-Lauf „Cap to Kap“. © Isaak Papadopoulos/Agentur Weitsprung

Mareike Röwekamp und Horst Schauer gehen auf die 12.000 Kilometer lange To(rt)ur von „Cap to Kap“. Sie werden acht Monate unterwegs sein.

Eine Distanz von 12 000 Kilometern ist vielen zum Fliegen zu anstrengend. Mareike Röwekamp und Horst Schauer wollen die Strecke laufen. Und ein paar Kilometer mehr. Vom nördlichsten Punkt Afrikas zum südlichsten. Und quasi zum Aufwärmen vorab einen „Prolog“ in Tunesien, bevor sie im ägyptischen Alexandria mit ihrem Lauf beginnen.

Sie wissen, auf was sie sich einlassen. Mareike Röwekamp (40) ist Triathletin; Media Consultant für EU-Projekte, arbeitete als Journalistin auch schon bei Zeitungen in Afrika. Horst Schauer (66), Marathonläufer und seit sieben Jahren Vorsitzender des Höchster Schwimmvereins, ist Rentner. Zuvor war er unter anderem Galerist, betrieb Theater- und Kulturstätten und leitete die Friedrich-Naumann-Stiftung in Tunis. In Uganda trainierte er Marathon- und Langstreckenläufer; außerdem schrieb und produzierte er Theaterstücke auf Bühnen in Europa und Afrika.

Die beiden haben sich beim Frankfurter „Ironman“ kennengelernt. Beim Wiedersehen im August 2021 entstand die Idee, zusammen erst in Marrakesch, dann in Tunesien einen Marathon zu laufen. „In der Berichterstattung hieß es dann, dass dort kriegerische Aufstände sind“, sagt Horst Schauer. Über seine alten Tunesien-Kontakte stellte sich die Lage anders dar: „Es ist eine fragile Lage, aber kein Aufstand“, sagt Schauer. Das bundesdeutsche Afrika-Bild sei geprägt von Krieg und Krisen; Mareike Röwekamp und er, die beide die schönen Seiten Afrikas kennen, wollen das korrigieren – so entstand die Idee, durch Afrika zu laufen und von jeder Etappe zu berichten.

„Wir wollen von den Leuten hören, wie sie leben und was sie über Europa denken“, sagt Schauer. Denn so wie in Europa ein falsches Afrika-Bild vorherrsche, gebe es auch in Afrikas ein falsches Europa-Bild. Afrikaner, die nach Europa kommen, möchten das gegenüber den Daheimgebliebenen oft nicht verändern, erwarte man von ihnen doch, in der Fremde erfolgreich zu sein. Zum Projekt gehört deswegen nicht nur der Lauf über 12 000 Kilometer in etwa acht Monaten, sondern auch die mediale Verarbeitung mit Blog und Podcast auf Facebook und Instagram.

Im Höchster Schwimmverein haben schon viele von dem Projekt gehört, das Vereinsbad an der Nidda ist derzeit ihr Trainingsmittelpunkt, und auf dem neuen digitalen Mitgliedsausweis findet sich der Link auf ihre Website, mit der sie auf Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch für das Projekt werben. Im Oktober soll es losgehen, erst mit einem 1000 Kilometer langen Prolog in Tunesien, denn dort liegt mit dem Cap Angela einige Kilometer westlich der Stadt Bizerta der nördlichste Punkt Afrikas. Nach dem Prolog geht es von Alexandria am Mittelmeer bis zum Kap Algulhas in Südafrika – „Cap to Kap“ heißt folglich ihr Projekt. Die Strecke führt sie von Ägypten durch den Sudan und den Südsudan über Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Simbabwe, Sambia und Botswana nach Südafrika. Rund 11 400 Kilometer ist diese Nord-Süd-Strecke lang. „In der Realität wird das aber länger“, weiß Horst Schauer, der mit Umwegen wegen Sperrungen oder auch Überschwemmungen rechnet. Laufen wollen sie jeweils etwa 50 Kilometer an sechs Tagen der Woche, ein Tag soll der Erholung dienen. „Wir haben 15 Tage als Joker eingeplant“, sagt Röwekamp – sie seien dafür vorgesehen, dass einer mal krank wird oder kraftlos ist. Sie übernachten meist im Zelt, begleitet von lokalen Guides und einem Fahrzeug, das von wechselnden Teams gefahren wird – wer sich vorstellen kann, sie vor Ort einige Wochen zu unterstützen, kann sich bei ihnen melden. Auch Sponsoren werden noch gesucht, obwohl ein internationaler Hersteller von Laufschuhen sie ebenso unterstützt wie Produzenten von Einlagen, Sportgel und Salben.

Allerdings investieren die beiden Ausdauer-Sportler auch etwa 150 000 Euro aus eigener Tasche in die Erfüllung ihres Traums. Die Dokumentation des Laufs auf Facebook und Instagram zur Überzeugung der Sponsoren sei unumgänglich: „Wir kommen nicht aus der Welt-Elite; wir kommen aus dem Volk. Wir müssen das, was wir tun, auch belegen.“ Zuerst sei es gelungen, Unterstützung im eigenen Umfeld zu finden: „Du kannst die am besten überzeugen, die dich auch kennen“, sagt Mareike Röwekamp. Sportwissenschaftlich begleitet wird die Herausforderung „Cap to Kap“ auch von der Université Paris Descartes, seit 2019 Teil der Université de Paris.

Von der Planung bis zur Ausführung in nur anderthalb Jahren, warum so eilig? Der durchtrainierte Weltenbummler Horst Schauer grinst und kokettiert mit seinem Alter: „Ich werde auch nicht jünger...“

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