Die Jubiläumsausgabe der Frankfurter Rundschau als 96-seitige Sonderbeilage.
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Die Jubiläumsausgabe der Frankfurter Rundschau als 96-seitige Sonderbeilage.

Editorial

Die Zukunft spricht Hessisch

  • Thomas Kaspar
    vonThomas Kaspar
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Die Frankfurter Rundschau wird 75 – genauso alt wie das Bundesland, in dem sie zuhause ist. Das feiern wir mit vielen Sonderseiten.

Im November 1805, also ziemlich auf den Tag genau vor 215 Jahren, beschloss der Frankfurter Rat, die städtischen Befestigungsmauern abzutragen. Einerseits boten die alten Wallanlagen keinen Schutz mehr gegen die moderne Waffentechnik, andererseits wollte die Stadt ihre Neutralität unterstreichen und so der Expansion Raum verschaffen. „Um die ganze Stadt ein Park. Man glaubt es ist Feerey“, also ein Werk guter Feen. So schrieb Goethes Mutter über die Gärten, die auf den Ruinen entstanden.

140 Jahre später, im Jahr 1945, liegt Frankfurt wieder in Trümmern. Nur diesmal war es keine freiwillige Abrüstung, keine Abkehr von überholten Vorstellungen der Wehrhaftigkeit und keine Magie. Es war die Folge deutschen militärischen Großmachtwahns, dass in Kassel, Frankfurt und Darmstadt drei Viertel der Wohnungen zerstört waren.

Thomas Kaspar, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.

Endlich war diese Stunde Null aber auch der Beginn einer bis heute andauernden Friedensperiode. Über diese berichtet seit ihrer Gründung am 1. August 1945 die Frankfurter Rundschau – über den Aufstieg der Stadt Frankfurt, über das kurz darauf im September 1945 entstandene Land „Groß-Hessen“ und über die am 23. Mai 1949 mit der Verkündung des Grundgesetzes entstandene Bundesrepublik.

Auf den Ruinen der zerstörten Stadt stehen und entstehen heute die schönsten Hochhäuser Deutschlands. Sie schreiben in die Wolken, dass der friedliche Austausch zwischen Menschen in einer Handelsstadt, in der über 200 Sprachen gesprochen werden, nur durch Vielfalt, Toleranz und Empathie gelingt.

75 Jahre FR

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Erfolgsgeschichte der Frankfurter Rundschau. Höhen und Tiefen gab es in 75 Jahren reichlich. Die Geschichte der FR lesen Sie auf unseren Sonderseiten am 13. November 2020.

75 Jahre nach Kriegsende ist die vorsichtige Hypothese erlaubt, dass Hessen und darin speziell die FR aus ihrer Geschichte heraus bestens gerüstet sein sollte, um Antworten zu finden auf die dringendsten Fragen der Zeit. Neben Berlin war Frankfurt Ende der 1960er Jahre Zentrum der Studentenbewegung. Mit großer Nähe hat die Rundschau die berechtigten Interessen nach Teilhabe und Veränderung begleitet. Außerparlamentarisches Engagement und Bürgerbewegungen werden von entscheidender Bedeutung sein, um die auseinanderdriftende Gesellschaft zu einen.

75 Jahre Hessen

Die Geschichte des Bundeslandes im Zeitraffer finden Sie auf unseren Sonderseiten in der FR vom 13. November 2020.

„Hessen, was wird aus dir?“ Diese Frage haben wir klugen Persönlichkeiten gestellt. Die Antworten spiegeln optimistische, aber auch kritische Einschätzungen. Lesen Sie alle Gastbeiträge auf unseren Sonderseiten.

Auch bei der zweiten kritischen Frage, wie sich Ökonomie und Ökologie vereinen, können wir mit Vorbildern helfen. 1985 hatte Hessen als erstes Bundesland eine Regierung mit grüner Beteiligung. Und seit dieser Zeit berichtet die FR konstant über Umweltzerstörung. Der Klimaschutz spricht Hessisch.

„Zukunft hat eine Stimme“ hat die Rundschau über die Berichterstattung zu ihrem Jubiläum geschrieben. Seit 75 Jahren geben wir den Mutigen eine Stimme. Mutige werden wir dringend brauchen und sie werden auch in Zukunft ihren festen Platz in der FR haben. Denn es sind die Mutigen, nicht die guten Feen, die dafür sorgen, dass Frieden möglich ist und Militäranlagen den Gärten weichen müssen.

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