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Bis Ende 2020 war hier Esprit, jetzt ist als Zwischenmieter der Laden Van Hill eingezogen: Ein Shop in Shop, der hier gerade alles zum halben Preis verkauft.
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Bis Ende 2020 war hier Esprit, jetzt ist als Zwischenmieter der Laden Van Hill eingezogen: Ein Shop in Shop, der hier gerade alles zum halben Preis verkauft.

Frankfurt

Einkaufen in Frankfurt: Die Zeil und die Innenstadt im Wandel

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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In der Innenstadt von Frankfurt gibt einerseits leerstehende Läden, Verelendung, Vermüllung. Aber anderseits gibt es große Umbaupläne für die Einkaufsstraßen.

Bauarbeiter stehen auf dem Dach der ehemaligen „Sportarena“ unweit der Frankfurter Hauptwache. Sie befestigen auf der Frontseite des Gebäudes riesige neongelbe Bänder, die an Anschnallgurte im Flieger erinnern. Es handelt sich um Werbung. In großen Lettern steht dort „S.O.U.P. - shaping our urban phuture“, eine für September geplante Veranstaltungsreihe, die in diesem Gebäude mit Panels und Workshops das Thema „Urbanes Leben in der Zukunft“ behandeln wird. Das passt, denn die Frankfurter Innenstadt und ihre Einkaufsstraßen befinden sich im Wandel.

Nach der Schließung der „Sportarena“ im Jahr 2017 gab es dort das Designeroutlet Saks Off 5TH, danach Karstadt Sports und am Samstag war das Modeoutlet „Dress for Less“ zum letzten Mal geöffnet. Wie das Planungsdezernat bestätigt, gibt es Pläne, ein Geschäfts- und Bürohaus zu errichten. Der Antrag werde derzeit geprüft. Es sollen Läden im Erdgeschoss entstehen und zum Stoltzeplatz hin sei auch Gastronomie geplant. In den oberen Etagen soll es Büroräume geben. „Gerade in den zentralen Lagen in der Innenstadt gibt es eine Nachfrage nach Büroflächen, die nicht so groß sind“, sagt Marcus Gwechenberger, Referent des Planungsdezernats. Ob das Gebäude abgerissen werde, sei noch nicht entschieden.

Einkaufen in Frankfurt: Die Zeil im Wandel

Unweit der Ex-„Sportarena“, direkt auf der Zeil, dort, wo Ende 2020 „Esprit“ geschlossen hat, ist als Zwischenmieter „Van Hill“ eingezogen: ein Shop-in-Shop. Dieser nutzt aber nicht alle fünf Etagen, sondern nur das Erdgeschoss. Die Rolltreppen und der gläserne Aufzug sind geschlossen. Hier lautet das Motto: Hauptsache billig und viel. Es gibt Koffer, Schuhe, Gürtel, Karl-Lagerfeld-Kulturtaschen für 20 Euro, aber auch OP-Masken, wahlweise mit Blümchen oder im Militärlook. An einem Wühltisch voller Handtaschen am Eingang tümmeln sich viele Menschen. „Alles zum halben Preis“ steht auf dem gelben Banner.

Aber nicht alles entwickelt sich in Richtung Wühltischcharakter. Joachim Stoll, der einen Kofferladen unweit der Konstablerwache in der Schäfergasse hat und Vizepräsident des Handelsverbands Hessen-Süd ist, sagt: „Man sieht mal wieder viel Veränderung auf der Zeil.“ Positiv sieht er den momentanen Um- und Ausbau des „Galeria“-Kaufhauses an der Hauptwache zum sogenannten Weltstadthaus mit mehr Premiummarken. „Es ist eine Aufwertung für die Zeil.“ Die befürchtete Insolvenzwelle in der Frankfurter Innenstadt sei bislang ausgeblieben. „Bis Sommer 2021 haben viele Einzelhändler es geschafft zu überleben. Viele wurschteln sich noch durch. Die Angst vor einem erneuten Lockdown ist groß. Viele Einzelhändler sagen, dass sie einen weiteren Lockdown nicht schaffen werden.“

Zeil in Frankfurt: Wandel in der Corona-Pandemie

Der Handelsverband Deutschland habe gerade deswegen zu einer großen Impfkampagne aufgerufen. „Denn nur mit einer hohen Impfquote können wir zurück zum normalen Leben und wirtschaftlich auch überleben“, bekräftigt Stoll. Er hofft, dass auch bald die internationalen Tourist:innen und Messegäste, die momentan noch fehlen, wiederkommen.

Hier an der Konstablerwache hatte jahrelang Zara einen Laden. Einen Nachmieter gibt es bislang nicht. Auch die Nachbarläden sind leer.

Im Einkaufszentrum My Zeil hofft man ebenfalls, dass das normale Leben zurückkehrt. Bei der spanischen Modemarke Bershka dröhnt laute Musik und viele junge Leute sind im Laden. In anderen Geschäften sind nur vereinzelt Kund:innen zu sehen. Andrea Poul, die Center-Managerin, sagt: „Das Einkaufszentrum ist schon gefüllt, aber nicht vergleichbar mit 2019. Da hatten wir im Schnitt 42.000 Besucher am Tag. Momentan sind es 25 Prozent weniger.“ Sie betont aber auch, dass es durch die Pandemie nicht mehr Leerstände im Haus gebe. „Wir schleppen die Leerstände von zehn Prozent schon seit dem Umbau von Foodtopia 2019 mit uns rum.“ Ob in Zukunft doch Mieter:innen pandemiebedingt ihre Läden schließen müssten, könne sie nicht ausschließen. Aber im Moment habe sie Hoffnung. „Wir wollen expandieren.“

Im Erdgeschoss hat gerade der deutschlandweit erste „ipuro-Store“, ein Shop für Raumdüfte, auf 40 Quadratmetern eröffnet. Ansonsten haben sich keine große Labels angekündigt. Es geht vielmehr in Richtung Entertainment und Essen. So soll die „Melody Party Box“ bald eröffnen. Gruppen können Räume mieten, um dort Karaoke zu veranstalten, es handelt sich aber auch um ein Bar- und Cafékonzept. Auch ein Sushilokal ist geplant. Ebenso „Nori“: Ein Kinderland mit Spielstationen, wo Eltern ihre Kinder begleiten oder auch zur Betreuung abgeben könnten.

Weitere Veränderungen in der Innenstadt

Das Haus in der Biebergasse, wo früher auch das Schuhgeschäft Görtz Mieter war, ist abgerissen. Der Bau hat bereits begonnen. Hier soll ein Büro- und Geschäftshaus entstehen: Achtgeschössig in Richtung Biebergasse und siebenschössig in Richtung Börsenplatz. Im Erdgeschoss soll es Ladenflächen in Richtung Bieber-und Börsenplatz geben. Oben sind Büro-und Geschäftsräume geplant.

Das Haus am Liebfrauenberg , Ecke Bleidenstraße 1, dort wo unter anderem Tchibo Mieter war, wird nicht abgerissen, sondern renoviert, weil es unter Denkmalschutz steht. Die Bauarbeiten beginnen laut Planungsdezernat demnächst.

An der Konstablerwache/ Schäfergasse ist ein Neubau eines Geschäftshauses geplant, unten sollen Läden, oben Büros entstehen. An der Ecke Konstablerwache/ Große Friedberger sind über der DM-Drogeriemarkt neue Wohnungen Ende Juni fertig geworden. rose

Viele Läden auf der Zeil in Frankfurt locken mit hohen Rabatten

Und wie hoffnungsvoll sind die bisherigen Mieter:innen? Im zweiten Stock bildet sich eine kleine Schlange vor dem Laden „Mr. Akthar’s“. Seit 36 Jahren ist Tahir Akthar auf der Zeil, seit zwölf Jahren im My Zeil. Er wechselt Armbanduhrbatterien, bietet aber auch Liebesschlossgravuren oder Smartphone-Glasschutz an. „Seit ein paar Tagen ist es besser. Es kommen wieder Kunden. Zwischendrin habe ich vor Langeweile Youtube-Videos geschaut. Ohne die Hilfe des Staates wäre ich pleite. Wenn noch ein Lockdown kommt, dann kann ich nur noch die Hände hochheben, mich ergeben und Insolvenz anmelden“, sagt er.

Auf der Zeil locken viele Läden mit Rabatten bis zu 50 Prozent. „Adidas“ und das Restaurant Weidenhof sind gerade wegen Umbau geschlossen. Im früheren Schuhgeschäft Salamander gibt es jetzt ein Corona-Testcenter. Karstadt sucht Personal. So steht es am Schaufenster.

Frankfurt: Leerstand an der Konstablerwache

Besonders auffallend ist der Leerstand an der Konstablerwache. Wie ein Herr sagt: „Hinter dem Brunnen wird es duster.“ Der Laden an der Ecke Schäfergasse, wo einst Pimpkie drin war, steht seit 2019 leer. Unweit davon hat „Zara“ sein Geschäft 2020 aufgegeben und ist in der Innenstadt nur noch in der Börsenstraße vertreten. Auch die Strumpf- und Unterwäscheläden Calzedonia und Intimissimi sind raus und an die Hauptwache gezogen. Zurückgeblieben sind ein Juwelier und der Schweizer Schokoladenhersteller Läderach.

Relana Schmidt, die Filialleiterin von Läderach, sagt: „Schon vor der Pandemie haben sich Kunden beschwert, dass wir hier an der Konstablerwache falsch sind. Das sei kein Ort für hochklassige Schokolade. Seitdem unsere Nachbarläden weg sind, ist durch den Leerstand die Situation schlimmer geworden. Ständig haben wir Bettler und Punks vor der Tür. Morgens müssen wir oft ihre Verschmutzung wegräumen. Die Punks liegen halbnackt vor unserer Tür oder werfen Bierdosen gegen unsere Schaufenster.“ Sie sei froh, dass Karstadt geblieben sei. Aber das reiche nicht. „Unsere Kunden sagen, sie fühlen sich unwohl herzukommen und kaufen lieber online.“

Wachsende Verelendung und Vermüllung in Frankfurt

Auch Stoll betrachtet diese Leerstände mit Sorge, da sie mit einer wachsenden Verelendung und Vermüllung einhergingen. Bislang habe es keine entsprechende Resonanz der Stadt auf ihre Beschwerden gegeben. „Wir werden unser Anliegen noch mal der neuen Stadtregierung vortragen“, kündigt er an.

Der Mietvertrag des Schokogeschäfts ist noch nicht abgelaufen, „Aber wir wollen danach umziehen, Richtung Freßgass oder Goetheplatz. Vielleicht gehen wir auch ganz raus aus Frankfurt ins MTZ Einkaufszentrum“, sagt Relana Schmidt. (Kathrin Rosendorff)

Pflaster, Rolltreppen, Stromkästen – überall in Frankfurt sind „City Ghosts“ in den Straßen zu entdecken. Ein Gespräch mit ihrem Erfinder, dem Künstler Philipp A. Schäfer.

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