1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Wohnung für Azubi ist die Ausnahme

Erstellt:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Schicke Altbauten und die Skyline: Finden sich Azubis in diesem Idyll wieder? Rolf Oeser
Schicke Altbauten und die Skyline: Finden sich Azubis in diesem Idyll wieder? Rolf Oeser © Rolf Oeser

Arbeitgeber scheuen Kosten und Aufwand. Dabei ist die Hilfe bei der Wohnungssuche ein Vorteil bei der Personalgewinnung.

Gerade erst hat das Deutsche Studentenwerk gemeldet, dass die bundesweite Warteliste für Wohnheimplätze 35 000 Namen lang ist. Doch nicht nur Studierende suchen in Städten wie Frankfurt oft vergeblich nach einer bezahlbaren Bleibe. Auch Menschen, die gerade in eine Ausbildung oder den Beruf starten und etwa ein Trainee-Programm absolvieren, kommen kaum für einen vernünftigen Preis unter.

„Es gibt eine große Notwendigkeit, den jungen Menschen bei der Wohnungssuche zu helfen und sie auch finanziell zu unterstützen“, sagt Sabrina Eckert, Leiterin der Personalentwicklung bei dem in Frankfurt ansässigen Krankenhaus-Konzern Agaplesion. Man fühle da eine „gesellschaftliche Verpflichtung“. Zudem ermögliche man mit der Hilfe eine guten Einstieg in den Beruf, so Eckert. „Für viele ist es ja das erste Mal, dass sie einen Job haben, da sollen sie sich auf den Beruf fokussieren können und nicht mit der Sorge um eine Unterkunft belastet sein.“

So haben viele der Krankenhäuser innerhalb des Konzerns eigene Personalhäuser oder -wohnungen, die zu vergünstigten Preisen an die Beschäftigten vermietet werden. Auch Agaplesion selbst verfügt laut Eckert über Liegenschaften oder kooperiert mit Privatvermietern und Pensionen, in denen Mitarbeitende unterkommen können.

Davon profitieren auch die Trainees des Konzerns. Sie sind während ihres eineinhalbjährigen Programms in der Regel sechs Monate an einem Standort tätig. Agaplesion vermittelt ihnen für diese Zeit Wohnungen oder Zimmer und zahlt einen pauschalen Zuschuss zu den Kosten. Bei der Personalgewinnung, so Eckert, sei die Wohnungsfrage von großer Bedeutung.

Die Serie

Wie lebt es sich in Frankfurt? Dieser Frage geht die FR in der Serie „Frankfurt – meine Stadt“ bis zum 3. Dezember nach. Zu Wort kommen junge und alte Menschen, Familien und Geringverdienende. In Interviews, Porträts und Reportagen zeichnen wir ein Bild ihrer Stadt.

In der nächsten Folge werden wir auf WG-Suche gehen und nachforschen, ob es in Frankfurt eigentlich eine klassische Studi-Kneipe gibt.

„Das Wohnen ist in der Tat ein wichtiges Thema gerade für Auszubildende, die nicht schon in Frankfurt wohnen“, sagt auch Peter Reischl, der das Westin Grand Frankfurt als General Manager führt und dem Präsidium der Frankfurt Hotel Alliance angehört. Das Westin Grand selbst bietet Personalwohnungen an, allerdings verfügten nur die wenigsten Häuser in Frankfurt über Zimmer oder Wohnungen für Auszubildende.

Vor einigen Jahren war einmal im Gespräch, ein Bürogebäude in Niederrad zu einem Wohnheim für Auszubildende im Gastgewerbe umzubauen, da gerade diese jungen Menschen mit durchschnittlich 800 Euro im Monat häufig über vergleichsweise niedrige Einkommen verfügen. Doch bislang ist aus den Plänen nichts geworden, das Gebäude wird nach wie vor von einer Versicherung genutzt. 395 Zimmer sollte es dort einmal geben, jeweils 19 Quadratmeter groß und voll eingerichtet, mit Mieten ab 590 Euro im Monat aber auch nicht gerade besonders billig.

Vielleicht auch wegen solcher Preise ist das Azubi-Wohnmodell in Frankfurt offenbar nicht allzu weit verbreitet. Die Idee, dass Arbeitgeber die Wohnung zahlen, sei zwar gut, sagt etwa eine Sprecherin des Chemiepark-Betreibers Infraserv Höchst. Tatsächlich aber sei es kaum verwirklicht.

Wenn es um Wohnungen für Auszubildende gehe, berichtet Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Frankfurt, dann sei so etwas eher auf dem Land zu finden als in der Großstadt. Und räumt zugleich ein: „Wir haben zwar in Hessen bundesweit die höchsten Ausbildungsvergütungen, aber auch das genügt meist nicht für eine Zimmermiete.“

Auch interessant

Kommentare