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Die vielen Wege des Jazz

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Die HR-Bigband mit Jim McNeely beim 50. Deutschen Jazzfestival 2019 in der Alten Oper. HR/Sascha Rheker
Die HR-Bigband mit Jim McNeely beim 50. Deutschen Jazzfestival 2019 in der Alten Oper. HR/Sascha Rheker © HR/Sascha Rheker

Die HR-Bigband und ihr Chefdirigent Jim McNeely starten Ende August mit üppigem Programm und viel Energie in die nächste Saison – und mit einem neuen Studiengang

Das Virus hat der Musikwelt viel abverlangt und einige Furchen geschlagen. Robert Hedemann kann davon im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen, respektive spielen. Seit 2019 gehört der Bassposaunist als festes Ensemblemitglied zur HR-Big-Band. „Ich hatte also schon noch ein paar Konzerte vor Corona.“ Doch dann kam im März 2020 der erste Lockdown, „und ich saß plötzlich allein in dieser fremden Stadt Frankfurt“, sagt der 1991 in Rostock geborene Jazzmusiker. Der nächste Lockdown folgte. Und der nächste. Die improvisationserprobte Big Band ließ sich allerhand einfallen, um ihr Publikum in der Pandemie nicht ganz sang- und klanglos sitzenzulassen. „Zwischendurch gab es immer wieder Intermezzos, in denen wir in Sparbesetzung gespielt haben.“ Für ihn, sagt Hedemann, beginne aber eigentlich erst jetzt der Regelbetrieb.

„Nach mehr als zwei Jahren füllen sich die Konzertsäle wieder“, sagt Olaf Stötzler, Orchestermanager der HR-Big-Band, bei der Vorstellung des Programm der nächsten Saison draußen auf dem Gelände des Hessischen Rundfunks in Frankfurt. „Und wir freuen uns nicht nur auf vielversprechende Programme und Künstler aus aller Welt, sondern auch darauf, unserem Publikum wieder begegnen zu können.“

Doch es geht nicht einfach zurück zum Regelbetrieb von vor Corona. Die neue Spielzeit bringt manche Neuerungen mit sich: Jim McNeely wird sich nach elf erfolgreichen Jahren als Chefdirigent fortan auch als „Composer in Residence“ verstärkt seiner Kompositions- und Arrangierarbeit widmen. „Ich werde ein paar neue Stücke schreiben, die die Musiker bestimmt genießen werden“, kündigt der via Video aus den USA zugeschaltete Orchesterleiter an und verspricht einen „hochenergetischen Big-Band-Blow-out“.

Die große Besonderheit der Saison 2022/23 ist indes die Premiere eines neuen Studiengangs, den die Big Band gemeinsam mit der Frankfurter Hochschule für Musik und darstellende Kunst (HfMDK) aufgesetzt hat. In dem Masterstudiengang, der zum Wintersemester im Oktober beginnt, werden mit der Big Band Projekte erarbeitet, die in Studioproduktionen und Livekonzerte münden. Ein Projekt setzt Jim McNeely mit den Talenten um, ein weiteres der Schlagzeuger und Komponist John Hollenbeck. „Ich unterrichte seit mehr als 40 Jahren“, sagt McNeely, der lange einen Lehrauftrag an der Manhattan School of Music hatte. Es mache Spaß, junge Jazzmusiker:innen zu begleiten und auszubilden, um dann zu sehen „wie sie raus in die Welt gehen und ihren eigenen Weg finden“. Er sei glücklich, seine Erfahrung nun auch in Frankfurt weitergeben zu können.

Die Saison 2022/2023

Die HR-Bigband spielt 54 Konzerte in der Saison 2022/23, außer in Frankfurt unter anderem auch in Darmstadt, Kronberg, Gießen, Fulda, Geisenheim, Rüsselsheim, Aschaffenburg, Bad Nauheim und in der Philharmonie Essen.

Etliche Auftritte gibt es als Live-Übertragung und Aufzeichnung im Radio auf HR2-Kultur zu hören sowie im Video-Livestream auf der Homepage und auf YouTube zu sehen.

Auf dem Europa Open Air des HR-Sinfonieorchesters und der Europäischen Zentralbank am Donnerstag, 25. August, 18 Uhr, an der Weseler Werft in Frankfurt ist auch die HR-Bigband mit von der Partie – gemeinsam mit der polnischen E-Bassistin Kinga Glyk.

Das erste Konzert im HR-Sendesaal spielt die HR-Bigband am Freitag, 16. September, 20 Uhr. In der Reihe Pop-Abo präsentiert sie die Soul-Sängerin Joy Denalane und die Songs ihres neuen Albums „Let Yourself Be Loved“.

Die Konzertbroschüre mit dem Programm gibt es im wieder geöffneten HR-Ticketcenter im Funkhaus am Dornbusch, Bertramstraße 8, sowie als Download auf der Homepage.

Tickets und Abonnements sind online beim Ticketcenter sowie unter den Telefonnummern 069/155-4111 oder -2000 erhältlich.

www.hr-bigband.de

www.hr-ticketcenter.de

Der neue Studiengang ist der erste seiner Art in Deutschland. Er gliedert sich in die Schwerpunkte „Spielen“, „Schreiben“ und „Leiten“. Die „Auditions“ für den ersten seien jüngst gewesen, die Studierenden ausgewählt, sagt Olaf Stötzler. Vier bis fünf werden es zunächst sein, gut 30 hätten sich als Instrumentalisten beworben, „alle männlich“. Jazz scheint somit zumindest im Instrumentalbereich nach wie vor eine sehr maskuline Domäne zu sein. Auch in der HR-Big-Band spielt keine einzige Frau.

Gemessen daran gestaltet sich der Saisonauftakt geradezu feminin: Beim Europa-Open-Air an der Weseler Werft am 25. August tritt die Big Band zusammen mit der E-Bassistin Kinga Glyk auf. Die erst 23-jährige Polin wurde mit ihrer Version von Eric Claptons „Tears in Heaven“ zum Youtube-Star und hat inzwischen vier Alben aufgenommen. Ihr aktuelles, „Feelings“, gibt es am Main im Big-Band-Gewand.

Die Pianistin und Komponistin Julia Hülsmann eröffnet am 26. Oktober das 53. Deutsche Jazzfestival Frankfurt, die australische Bassistin Linda May Han Oh kommt im November nach Frankfurt und Darmstadt und spielt ihre bereits für 2021 geplanten Konzerte mit der HR-Big-Band. Im Januar 2023 steht ein Wiedersehen mit der Saxofonistin Melissa Aldana in Aschaffenburg und Rüsselsheim an.

In der Reihe Pop-Abo wird das pandemiebedingt ausgefallene Konzert mit Joy Denalane am 16. September im HR-Sendesaal nachgeholt. Und in „Spotlight Jazz“ präsentiert die britische Sängerin Claire Martin „Big Band Divas“. Es gibt sie nämlich sehr wohl, die Frauen im Jazz.

Als weitere Solisten begrüßt die HR-Big-Band zum Beispiel den brasilianischen Gitarristen Pedro Martins, den Oud-Spieler Dhafer Youssef und den Tenorsaxofonisten Mark Turner. Er freue sich sehr darauf, für die Big Band zu schreiben und sie bei all ihren Projekten zu unterstützen, betont Chefdirigent und Composer in Residence Jim McNeely. „Das wird ein großartiges Jahr.“

Vier Alben und erst 23 Jahre alt: Die polnische E-Bassistin Kinga Glyk. HR/Kinga Glyk
Vier Alben und erst 23 Jahre alt: Die polnische E-Bassistin Kinga Glyk. HR/Kinga Glyk © hr/Kinga Glyk

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