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Der Nacktmull hat bald ein zu Hause im Frankfurter Zoo.
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Der Nacktmull hat bald ein zu Hause im Frankfurter Zoo.

Frankfurt

Die Stadt, der Nacktmull und der Zoo

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Frankfurter Zoo freut sich auf eusoziale, total unterirdische neue Mitbewohner. Neubau für den Nacktmull soll im Grzimekhaus entstehen.

Um es frei nach Loriot auf den Punkt zu bringen: Ein Leben ohne Nacktmull ist möglich, aber sinnlos. Der kleine, possierliche Kerl, der zu offiziellen Anlässen gerne unter dem leidlich seriös klingenden Namen Heterocephalus Glaber auftritt, ist ein unerschrockener Gesell. Obwohl er aussieht wie das Produkt einer Mesalliance zwischen Ridley Scotts Alien und einem Goldhamster, kann ihn selbst ein Blick in den Spiegel nicht aus der Ruhe bringen, denn der Nacktmull ist blinder als ein Maulwurf und hat außerdem so gut wie kein Schmerzempfinden.

Wohl fühlt sich der Mull in beziehungsweise unter den heißen Halbwüsten Ostafrikas. Und schon bald im Frankfurter Zoo, denn der plant den Bau einer Anlage für Nacktmulle im Grzimekhaus. Entstehen soll ein verzweigtes Kammer- und Röhrensystem, das einen Blick unter die Erde erlaubt. Kulturdezernentin Ina Hartwig begrüßt den geplanten Neubau als „eine Bereicherung für das Grzimekhaus“ und attestiert dem Mull, der ein „ausgeprägtes Sozialverhalten“ zeige, „großen zoopädagogischen Wert“.

Nacktmull als Kulturgut

Die Kulturdezernentin ist für den Nacktmull auch zuständig, weil der die abendländische Kultur entscheidend mitgeprägt hat. In der Disney-Serie „Kim Possible“ spielt ein Nacktmull namens Rufus eine tragende Rolle. In einer Inszenierung der Operette „Die Molratte balzt oder: Liebesspiel am Nil“ von Stefan Frey wird dem Nacktmull künstlerisch gehuldigt.

Außerdem ist Hartwig auch Wissenschaftsdezernentin. Und das Wissenschaftsmagazin „Discover“ verwendete 1995 ein retuschiertes Nacktmullfoto für einen Aprilscherz, bei dem das Tier als in der Antarktis neu entdeckter „Heißköpfiger Nackteisbohrer“ vorgestellt wurde, der sich glühenden Schädels durchs Eis fräse und Pinguine morde. Das Magazin erhielt zu diesem Artikel mehr Leserbriefe als zu jedem anderen zuvor.

Also immer her mit dem Mull! Erste Schritte wurden seitens des Zoos bereits getan: Die Glasscheibe der ehemaligen Tupaia-Anlage wurde ausgebaut und das Gehege leer geräumt. Der Einzug der Nacktmulle ist für kommendes Frühjahr geplant. „Wir werden eine kleine Gründungskolonie aus dem Zoo Dresden erhalten. Nach einer Tragzeit von etwa 70 Tagen bringt eine Nacktmull-Königin bis zu 28 Junge zur Welt – und das vier bis fünf Mal pro Jahr. Unsere kleine Kolonie wird also hoffentlich schnell wachsen“, sagt Nacktmull-Kurator Johannes Köhler.

Und noch etwas: „Nacktmulle leben eusozial“, erläutert Köhler. „Ähnlich wie bei den sozialen Insekten – zum Beispiel Bienen – pflanzt sich in den Nacktmull-Kolonien ausschließlich eine Königin mit ein bis drei Männchen fort. Die anderen Koloniemitglieder sind sexuell unterdrückt.“ Zumindest in dieser Hinsicht dürfte sich manch Frankfurterin und manch Frankfurter im Mull wiederfinden.

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