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Frankfurts Forstchefin Tina Baumann regt Änderungen bei den FSC-Kriterien an.
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Frankfurts Forstchefin Tina Baumann regt Änderungen bei den FSC-Kriterien an.

Wald und Nachhaltigkeit

Die Sache mit dem Öko-Siegel

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Hessische und Frankfurter Wälder sind FSC-zertifiziert – aber das macht Probleme, gerade angesichts des Klimawandels.

Der Elan war groß, als vor einigen Jahren die Zertifizierungswelle durch Länder und Gemeinden lief: Das FSC-Siegel sollte es sein für unsere Wälder, Zeichen für nachhaltige Bewirtschaftung nach den Richtlinien des Forest Stewardship Council – gut für die Umwelt, Reputationsgewinn für die Verantwortlichen. Doch die Euphorie hat sich gelegt. Zweifel sind laut geworden, ob das Siegel wirklich der Klimaweisheit letzter Schluss ist.

Greenpeace stieg 2018 als Mitglied beim FSC aus, weil das Siegel Urwälder nicht vor dem Abholzen bewahre. Andere Kritiker erkannten einen zu großen Einfluss der Holzindustrie auf die Entscheidungen des internationalen Vereins, besonders was die Auswahl klimastabiler Baumarten betrifft. Und zuletzt hat auch der Hessische Rechnungshof grundsätzliche Bedenken geäußert.

In seinen Bemerkungen zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes 2019 geht der Rechnungshof davon aus, dass der komplett FSC-zertifizierte Staatswald jährlich mindestens zehn Millionen Euro Ertragseinbußen verursacht. Allein für regelmäßige Kontrollen fielen 1,2 Millionen pro Jahr an. Der ökologische Nutzen des Siegels sei dagegen „nicht messbar oder wissenschaftlich belegt“. Chemische Pflanzenschutzmittel seien weiterhin verwendet worden. Die vom FSC verlangten Einschränkungen beim Waldbau sowie „sich laufend ändernde Vorgaben“ hält der Rechnungshof „auch angesichts der Bewältigung der massiven Waldschäden für riskant und nicht zielführend“.

Das Prüfungsgremium fragt, ob das Land die mit der Zertifizierung angestrebten Ziele auch ohne FSC erreichen könnte. Wenn Hessen-Forst jedoch mit dem FSC weitermachen wolle, solle es stärker auf die praxisgerechte Weiterentwicklung der Vorgaben hinwirken.

Die Hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) widersprach der Kritik jüngst energisch. Die FSC-Zertifizierung sei „in jeder Hinsicht vorteilhaft“, betonte sie – auch wirtschaftlich. Sie rechne mit 3,5 Millionen Euro zusätzlichen Einnahmen, denn Holz mit dem FSC-Siegel sei besser zu vermarkten als anderes Holz.

Der Umgang mit dem Siegel treibt auch gerade die Frankfurter Stadtwaldadministration um. Die FSC-Vorgaben regeln unter anderem die Zusammensetzung des Baumbestands: 80 Prozent müssen heimische Arten sein. Das könnte schwierig werden, sagt Tina Baumann, Leiterin der Forstabteilung im Frankfurter Grünflächenamt. Der Klimawandel bringe den Wald, wie man ihn heute kennt, an seine Grenzen. Fachleute experimentieren mit widerstandsfähigen Baumarten aus südlicheren Gefilden: „FSC sollte sich Gedanken machen, inwiefern künftig mehr Fremdländer zugelassen werden“, sagt die Forstchefin. Auf Kongressen sei das Anliegen schon besprochen worden; bisher gebe es dazu keine Reaktion seitens des Forest Stewardship Council.

„Grundsätzlich wünschen wir uns nur standortgerechte Baumarten“, sagt FSC-Pressesprecher Lars Hoffmann. Zu viele fremde Arten führten zur ökologischen Abwertung: „Wenn etwa ganz massiv Douglasie gepflanzt wird, verändert das den Lebensraum.“ Die nordamerikanische Douglasie als Ersatz für die extrem klimagebeutelte heimische Fichte: „Das will man nicht haben, weil dadurch weitere Arten vertrieben werden.“ Auf Dauer führe das zu Problemen. Wo der Mensch eingreife, seien Ökosysteme nicht mehr so stabil wie ohne ihn.

Die Debatte stehe allerdings ganz am Anfang, sagt Hoffmann. Alle fünf Jahre werde der deutsche Waldstandard im FSC überarbeitet – 2021 beginne dieser Prozess wieder. Dann könnten alle Beteiligten ihre Ideen einbringen. Jeweils ein Drittel Entscheidungsgewalt haben die drei Kammern Umwelt, Wirtschaft und Soziales. Abgestimmt wird von den Mitgliedern. „Deshalb ist Hessen-Forst bei uns Mitglied geworden“, sagt der FSC-Sprecher.

Der Hessische Rechnungshof bemängelt jedoch, dass Waldbesitzer gemeinsam mit der Holzindustrie und dem Handel der Wirtschaftskammer des FSC zugeordnet seien: „Damit haben sie keine eigene Stimme, obwohl sie das ökonomische Risiko der Waldbewirtschaftung alleine tragen.“ In Umweltbelangen hätten sie gar keine Stimme – „obwohl sie zahlreiche Schutz- und Gemeinwohlleistungen erbringen“.

Er persönlich, sagt Lars Hoffmann, rechne nicht damit, dass sich an den FSC-Richtlinien allzu viel ändern werde.

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