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„Die russische Propaganda ist wie ein unsichtbarer Virus“

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Von: Timur Tinç

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Ein Demonstrant bei der Kundgebung der Putin-Fans vor der Alten Oper.
Ein Demonstrant bei der Kundgebung der Putin-Fans vor der Alten Oper. © Michael Schick

Putin-Fans und Querdenker-Szene verbündet sich bei einer Demonstration in Frankfurt vor der Alten Oper. Die Polizei zählt 400 Menschen. Rund 350 Menschen kommen zu einer ukrainischen Gegendemo.

Am Sonntag haben sich mehrere Hundert Putin-Fans und Menschen aus der „Querdenker“-Szene zu einer Demonstration in Frankfurt versammelt. Während auf dem Opernplatz rund 200 Teilnehmende den Rednerinnen und Rednern zuhörten, waren es laut Polizei rund 400 Menschen, die am anschließenden Demozug durch die Innenstadt teilgenommen haben. Bis auf eine Person, die einen Rauchtopf gezündet hat und anschließend von der Polizei herausgezogen wurde, blieb es laut einem Sprecher friedlich.

Hinter einer Polizeikette standen ab 13.30 Uhr mehrere Hundert ukrainische Gegendemonstrant:innen, die unter anderem „Russland ist ein Terrorstaat“ riefen und die ukrainische Nationalhymne sangen. Zuvor gab es ab 12 Uhr eine Gegendemonstration auf dem Goetheplatz, an der laut Polizei 350 Menschen teilnahmen.

Für die Demonstration der Putin-Fans unter dem Slogan „Für Frieden, Freiheit, Freie Meinung“ und „Gegen Propaganda, Sanktionswahnsinn und Waffenlieferung“ waren ursprünglich 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet. Während sich im Frühjahr fast ausschließlich russischstämmige Menschen an den pro-russischen Demonstrationen beteiligten, war diesmal ein ganzes Sammelsurium verschiedener Gruppen vor Ort. Der Wagen, der jeden Samstag bei der „Querdenker“-Demo mitfährt; Fahnen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der DDR wurden ebenso geschwenkt wie eine türkische und eine palästinensische. „Russland hat bekanntlich acht Jahre auf Diplomatie gesetzt“, behauptet einer der Redner. Beim Start des Demozugs wurde gerufen: „Frieden schaffen ohne Waffen.“ Ein Hohn für all die Menschen, die auf der anderen Seite des Platzes standen und vor den russischen Bomben und Raketen geflohen sind.

So wie Olga Lyabakh, die aus Butscha nach Deutschland geflohen ist. „Die russische Propaganda ist wie ein unsichtbarer Virus, der über das Fernsehen, die Zeitungen und das Internet verbreitet wird“, sagte sie auf Ukrainisch. Aktivistin Oleksandra Savchenko übersetzte ihre Rede. Dieser Virus verändere die Gehirne, so Lyabakh. Sie habe einer Familie Zuflucht in ihrem Keller gewährt, während die russischen Flieger über der Stadt kreisten. Der Großvater des Mannes, der im Keller saß, habe seinem Enkel nicht geglaubt, dass die russische Armee so etwas tut, weil es im Fernsehen anders erzählt werde. An die Demonstrant:innen auf dem Opernplatz gerichtet sagte Lyabakh: „Hier demonstrieren sie für Redefreiheit, während man in Russland nicht einmal ein weißes Papier in die Luft halten kann“.

Uwe Becker (CDU), Staatssekretär für Europaangelegenheiten, betonte, dass die hessische Landesregierung fest an der Seite der Ukraine stehe. „Wenn Russland endlich seine Waffen niederlegt, haben wir Frieden. Wenn die Ukraine ihre Waffen niederlegt, ist die Ukraine zerstört“, sagte Becker und sprach sich für die Lieferung schwerer Waffen aus. Der ukrainische Generalkonsul, Vadym Kostiuk, bedankte sich bei allen, die ukrainische Familien bei sich aufgenommen haben. Er forderte weitere Sanktionen und schwere Waffen. „Ich hoffe, dass die Zeitenwende nicht zur Zeitverschwendung wird.“

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