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Die Wasservögel kommen gerade noch durchs Gestrüpp in der Nidda bei Bonames. peter jülich (2)

Wassermangel

Die Nidda verkrautet in Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Pflanzen im Wasser vermehren sich stark. Die Fachleute sind sich einig über die Ursachen, aber nicht über die Tragweite des Problems.

Was ist eigentlich mit der Nidda los? Wächst die gerade komplett zu? An manchen Stellen kommen derart viele Grünpflanzen aus dem Wasser heraus, dass man sich fragt, ob das noch gesund ist.

Beispiel Nidda-Altarm zwischen Harheim und Bonames: Wo schon in den vergangenen Jahren Gestrüpp im Wasser an der Mündung wucherte, muss man inzwischen fürchten, dass die Kanufahrer bald nicht mehr durchkommen, die dort häufig unterwegs sind. Ähnliches dürfte dann für Fische und Wasservögel gelten. Müssen wir uns Sorgen machen?

Eher nicht, sagt Ralph Arnert, zuständig für die Gewässerunterhaltung bei der Stadtentwässerung: „Solange die Nidda sauber fließt, sind keine Probleme zu erwarten.“ Vielleicht doch, sagt Jörg Oehlmann, Professor in der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie der Goethe-Uni und Projektleiter der großangelegten Gewässerstudie „Niddaman“: Der Sauerstoffhaushalt der Nidda könne aus dem Gleichgewicht geraten, Fische und andere Flussbewohner würden dann darunter leiden.

Einig sind sich beide Fachleute darin, dass der geringe Wasserstand und die intensive Sonneneinstrahlung schuld am enormen Pflanzenwachstum sind. Es regnet fast gar nicht, die Fließgeschwindigkeit der Gewässer geht zurück. Vermutlich nahm der Prozess in den beiden besonders heißen und trockenen Sommern 2018 und 2019 seinen Anfang und setzt sich nun fort. „Gedanken muss man sich nicht machen“, sagt Arnert. Bestimmte Wasserpflanzen böten sogar zusätzlichen Lebensraum für Fische, Insekten und Kleinlebewesen. Genauere Hinweise könnte eine Untersuchung des Nährstoffgehalts geben.

Da sieht Oehlmann die Ursache des Wachstums: Infolge des Regenwassermangels sei der Anteil an Abwasser in den Flüssen deutlich höher, was zugleich ein Plus an Pflanzennährstoffen bedeutet. „Ich sehe eine bedrohliche Entwicklung“, sagt er, „eine zunehmende Verkrautung der Fließgewässer.“

Ein Problem, auf das beide hinweisen: Die Pflanzen produzieren tagsüber Sauerstoff in der Nidda – doch nachts verbrauchen sie ihn in großem Maße. „Das Defizit, das dadurch morgens entsteht, ist gefährlich für Fische und Weichtiere im Wasser“, sagt Oehlmann. Hinzu komme: Im Herbst, wenn das Pflanzenwachstum vorbei ist, muss der Fluss auch den Abbau der Grünmasse bewältigen – eine weitere Belastung.

„Das Phänomen wird uns in den nächsten Jahren wohl weiter beschäftigen, wenn der Regen ausbleibt“, sagt der Biologe Oehlmann. Im Sommer könnten Fließgewässer auch streckenweise trockenfallen, wie es etwa bereits im Urselbach oberhalb von Bad Homburg an einigen Stellen der Fall gewesen sei.

„Wir haben für das Problem mangelnder Niederschläge keine Lösung“, sagt Jörg Oehlmann. Fest stehe aber: Die Renaturierung der Flüsse helfe, weil sie Abwechslung im Gewässerverlauf und auch Rückzugsorte für Lebewesen biete. Darauf setzt auch Ralph Arnert von der Stadtentwässerung. Der nächste Schritt stehe an: der Rückbau des Sossenheimer Wehrs, damit die Fische auch dort wieder ohne Stufe zu ihren Laichgründen wandern können.

Eine kleinere Problemstelle will sich die Stadtentwässerung auf FR-Hinweis auch genauer ansehen: Den Kalbach staut seit einiger Zeit ein offenbar wild angelegter Damm in der Nähe der U-Bahn-Gleise.

Drumherum hat sich bereits die Vegetation stark verändert, und falls dort Fische durchwollen, haben sie es extrem schwer. „Das sollten wir bei Gelegenheit entfernen“, sagt Arnert.

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