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An der Ahornstraße steht ein großer Ringtausch der Grünanlagen bevor.

Wohnen in Frankfurt

Reihenhäuser an der Ahornstraße

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Die Stadt Frankfurt präsentiert erste konkrete Pläne für das Quartier Griesheim-Mitte. 28 Einfamilienhäuser sollen dort entstehen. Die Linke vermisst geförderten Wohnraum.

Projektentwicklerin Wilma Wohnen baut 28 Reihenhäuser an die Ahornstraße. Die Stadt vollzieht dafür auf dem Areal zwischen Elektronstraße und An der Schildwacht einen komplexen Grundstückstausch. Das Vorhaben zur Aufwertung des Quartiers Griesheim-Mitte hat das Stadtplanungsamt am Dienstag im Ortsbeirat 6 vorgestellt.

Seit 2016 unterstützen Land und Bund das Quartier durch das Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“. Das ist auch nötig. An einem Konzept für eine Neuordnung arbeitet die Stadt seit 2013. Lange hat schlicht das Geld gefehlt, die Ideen umzusetzen. Das ist jetzt anders. 14 Millionen Euro fließen in den kommenden zehn Jahren in das Viertel zwischen Mainzer Landstraße und Eisenbahnlinie.

Die Stadt will Wohnen und Gewerbe stärker trennen, „mindergenutzte Grundstücke besser ausnutzen“, wie Isabel Richter vom Planungsamt sagt. Den Wohnbau forcieren, die Nord-Süd-Wegeverbindung stärken.

An der Ahornstraße greifen die Fachleute auf alte Pläne zurück. Das Areal, auf dem sich derzeit ein Platz voller Autos befindet, ist eigentlich als Grünfläche geplant. Und soll auch eine werden. Hier soll es Spielangebote für Jugendliche geben. Die Zielgruppe hat sich bei einer Befragung einbringen dürfen. Sie wünscht einen neuen Bolzplatz, Flächen für Basketball und Calesthenics, einem neumodischen Fitnesstrend, bei dem die jungen Leute an allerlei Stangen und Leitern Klimmzüge und Handstand seitwärts üben.

Auf dem Grünzug nördlich der Ahornstraße zur Froschhäuser Straße hin sollen die neuen Häuser entstehen. Dafür müssen die zwei Bolzplätze weichen. Wilma Wohnen plant eine aufgelockerte Bebauung mit hohem Grünanteil und einem autofreien Bereich in der Mitte. 28 Einfamilienhäuser werden entstehen, teils als Reihenhaus, teils als Doppelhaus, je drei Vollgeschosse sind vorgesehen. An der Ahornstraße direkt entsteht ein Mehrfamilienhaus mit elf Wohnungen, ebenfalls mit drei Vollgeschossen. Die Grünanlage rund um das Kai-Uwe-Gärtner-Haus möchte die Stadt aufwerten. Die etwa 3000 Quadratmeter sollen zu einem richtigen Park werden mit Spielangeboten für Kinder.

Den Weg zur Froschhäuser Straße will die Stadt ebenfalls „gärtnerisch gestalten“. Überhaupt will die Stadt allenthalben neue Bäume setzen.

Baubeginn für die Grünzüge soll 2019 sein, 2020 könnten sie fertig sein. Beim Wohnbau geht es 2019 los, 2021 ist der Abschluss geplant.

Komplizierter ist die Lage an der Buchenstraße. „Im hinteren Bereich gibt es viele mindergenutzte Grundstücke“, sagt Richter, oder Flächen, die so genutzt werden, dass es sich kaum mit der umliegenden Wohnbebauung verträgt. Die Stadt wollte die Straße eigentlich etwas verlängern und Neubauland schaffen. Wegen der Seveso-Richtlinie hat die Kommune das Vorhaben aber nicht umsetzen können. Seveso regelt, dass Wohnen und Industrie Abstand voneinander halten müssen. zumindest bei neuen Bauplanungen. Bislang ist der Industriepark Griesheim zu nah an der Buchenstraße gewesen. Stadt und Industrie haben sich aber Anfang des Jahres über neue Abstandsregeln verständigt. Demnach wäre die Buchenstraße frei für Baupläne. Was die Stadt „mit Priorität“ voran bringen möchte.

Im Ortsbeirat ist die Vorstellung gut angekommen. „Das sind die ersten konkreten Pläne, die wir seit Jahren zu sehen bekommen“, lobt Thomas Schlimme von den Grünen stellvertretend für die Kollegen. Ärgerlich finden Teile des Gremiums aber, dass die Stadt an der Ahornstraße keinen geförderten Wohnraum entwickeln möchte. „Irritierend“ und „inakzeptabel“ sei das, urteilt die Linke. Wenigstens das Mittelstandsförderprogramm hätte die Stadt einsetzen können.

Eine bewusste Entscheidung aus dem Dezernat sei das, sagt allerdings Isabel Richter vom Amt. Die Ahornstraße sei einmal sozialer Brennpunkt gewesen. Das Dezernat wolle daher auf die soziale Mischung im Viertel achten. Damit diffamiere die Stadt aber mehr als zwei Drittel der Frankfurter Mieter als asozial, sagt Dominike Pauli von der Linken. So viele nämlich hätten ein Anrecht auf geförderten Wohnraum entweder nach Förderweg 1 oder 2.

Die Linke habe dem Bau von Einfamilienhäusern in Griesheim unter der Prämisse zugestimmt, dass Menschen aus der Nachbarschaft die Möglichkeit bekommen, dort Wohneigentum zu erwerben, erklärt Pauli. „Diese Chance will die Stadt nicht wahrnehmen, sondern lieber einem Investor einen enormen Profit ermöglichen.“ Auch SPD und Grüne kündigten an, zu diesem Punkt bei der Stadt noch einmal nachhaken zu wollen.

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