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Für mehr Personal und bessere Entlastung: Warnstreik des Klinikpersonals in Höchst. Monika müller

Klinikum Höchst

Mehr Operationen, weniger Personal

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Mitarbeiter des Klinikums Höchst folgen Verdi-Aufruf zum Warnstreik. Kritik an "menschenunwürdigen Zuständen".

Mit Trillerpfeifen und Fahnen ziehen Krankenschwestern und Pflegekräfte am Dienstag durch Höchst. Die Gewerkschaft Verdi hat zu dem Warnstreik aufgerufen, mit dem Beschäftigte des Klinikums auf den Personalmangel und die damit verbundenen Arbeitsbedingungen aufmerksam machen wollen. Auslöser ist die Weigerung des Krankenhauses, der Aufforderung nach einem Tarifvertrag zur Entlastung nachzukommen. 

Christina Dietrich ist unter den Streikenden. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt die Sterilisationsassistentin, „so kann es nicht weitergehen. Bei uns soll mehr operiert werden, aber es fehlt an Personal.“ Eine Krankenschwester stimmt ihr heftig zu: „Sobald wir ausreichend besetzt sind, werden wir sofort auf andere Stationen abgezogen, man kommt morgens und weiß nicht, wo man arbeiten wird“, klagt sie. „Manchmal muss sich eine Krankenschwester um 30 Patienten kümmern, und das führt dazu, dass Menschen bis zu sechs Stunden in den eigenen Fäkalien liegen. Das ist einfach menschenunwürdig.“ Die Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, fügt hinzu, sie arbeite Vollzeit im Schichtdienst, und könne vom Gehalt dennoch nicht ihre Familie ernähren.

Die Personalknappheit nehmen auch Patienten des Klinikums wahr. „Es dauert oft ewig, bis man ein benötigtes Gespräch führen kann, weil die Ärzte den Notstand nicht ausgleichen können“, sagt Christa Hauschild. „Ich habe schon oft erlebt, dass Personal wieder abgezogen werden musste, weil es woanders gebraucht wurde.“ Auch die Auszubildenden sind betroffen. „Wir werden viel zu wenig angelernt, weil die Stationen unterbesetzt sind“, sagt einer. Die Vertreterin der Jugendauszubildenden pflichtet ihm bei: „Im Frühdienst hat man manchmal alleine die Aufsicht über 29 Kinder.“ 

Christiane Kleineidam, die am Straßenrand die Demonstration beobachtet, findet es „wunderbar“, dass das Personal auf sich aufmerksam macht. „Ich glaube, dass die Politik viel zu lange nicht begriffen hat, was sich da abspielt“, sagt die ehemalige Kinderärztin. „Ich habe die Entwicklungen miterlebt, ich weiß, dass mit der Einführung des Schichtdienstmodells einfach nicht genug Personalaufstockung einherging.“ Passant Anton Schreiber ist eher zweigeteilter Meinung: „Der Streikgrund ist durchaus berechtigt“, sagt er. „Aber das Personal läuft jetzt hier durch Höchst und wird vermutlich im Krankenhaus gebraucht.“

Stephan Morche, Personalratsvorsitzender des Klinikums und Verdi-Mitglied, erklärt, die Besetzung sei derzeit auf manchen Stationen ähnlich wie am Wochenende oder im Nachtdienst, die Patienten seien also noch ausreichend versorgt. 

Die Notfallversorgung sei ebenfalls gesichert, auch wichtige Operationen könnten wie geplant stattfinden, sagt Petra Fleischer, die Sprecherin des Klinikums Höchst, der FR. Als Mitglied des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Hessen (KAV) könne ihr Haus keine Einzelverhandlungen führen, erklärt sie. Einzelnen kommunalen Arbeitgeberverbänden und deren Mitgliedskrankenhäusern seien eigenständige Verhandlungen untersagt, heißt es in einem Schreiben des KAV. Einzig die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände – und somit die Bundesebene – sei dafür zuständig. „Wir führen Gespräche“, betont Fleischer, „aber keine Tarifverhandlungen.“

Verdi-Mitglied Anja Golder, eine der Warnstreikenden, sagt: „Diese Menschen haben den Job nicht erlernt, um das große Geld zu machen, sondern um Menschen zu helfen. Nicht mal das ist mehr möglich.“

Eine ganz andere Sicht auf den Streik hat Marianne Ahrens, die am Rand Werbung der Sozialistischen Gleichheitspartei verteilt. Sie hält das Ganze für „ein Wahlmanöver der Linken“. Die Partei „Die Linke“ hatte sich für den Warnstreik ausgesprochen und war am Dienstag auch durch ihren Landtagsabgeordneten Ulrich Wilken vertreten, der betonte: „Ein Zeichen zu setzen ist uns wichtig.“

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